Brüder-Grimm-Festspiele

Ein Wolf als Vegetarier

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Sophia Euskirchen und Alexander Leder werden als Elfe Felicitas und Gnom Grompf im Musical „Rapunzel“ bei den Brüder-Grimm-Festspielen zu sehen sein. Die Festspiele dauern von 13. Mai bis 5. August.

Hanau -  „Rapunzel“ als Musical, „Rotkäppchen“ und „Die goldene Gans“ in Schauspiel-Fassungen sowie mit Shakespeares „Was Ihr wollt“ ein weltberühmter Klassiker - das alles kommt bei den 32. Brüder-Grimm-Festspielen im Amphitheater auf die Bühne. Von Christian Spindler

Zudem gibt es mit „Burning Love“ erstmals ein junges Theaterprojekt. Die Festspiele finden von 13. Mai bis 5. August statt. Gut drei Wochen vor Beginn des Hanauer Festivals gab es bei der gestrigen Auftaktpressekonferenz nicht nur einige musikalische Kostproben vor allem aus dem Musical zu hören, sondern auch eine erste Erfolgsmeldung: Bereits jetzt wurden im Vorverkauf 32.000 Karten abgesetzt. Im Vorjahr waren es um diese Zeit etwa 30.000, 2014 knapp 20.000. Die Vorverkaufszahlen für die Festspiele, die in der vorigen Spielzeit fast 78 000 Besucher hatten, sind umso bemerkenswerter, weil die Eintrittspreise vor dieser Saison zum Teil erheblich angehoben wurden (wir berichteten). „Die Zahlen“, so Oberbürgermeister und Kulturdezernent Claus Kaminsky, seien aber auch „ein großartiger Vorschuss“ für den Intendanten Frank-Lorenz Engel und sein Ensemble, der aus den künstlerischen Leistungen der Vorjahres resultiere.

Frank-Lorenz Engel, der in der dritten Spielzeit alleinverantwortlicher Intendant in Hanau ist, hat diesmal mit „Rapunzel“ und „Rotkäppchen“ wieder zwei bekannte Grimm-Märchen auf den Spielplan gesetzt. Für das Musical, mit dem das Festival am 13. Mai eröffnet wird, hat er auch das Buch geschrieben. Erste Eindrücke der Melodien aus der Feder von Shay Cohen, Gewinner eines Festspiel-Kompositionswettbewerbs, lassen eingängige Songs mit viel Gefühl erwarten.

Um den Verlust von Kindern, das Erwachsenwerden, um Ausbrechen, aber auch um Zivilcourage geht es in dem Märchen, erläuterte Regisseur Holger Hauer - „und natürlich um Liebe“. Für seine Rapunzel-Fassung hat Engel, wie bei den Festspielen üblich, etliche Figuren in das Märchen neu eingefügt, darunter eine Elfe und einen Gnom. Nicht nur sie sollen dafür sorgen, dass bei „Rapunzel“ auch „viel gelacht wird“.

Das gilt erst recht für die „Rotkäppchen“-Inszenierung, für die Jan Radermacher (Buch, Regie, Musik) verantwortlich zeichnet. Der künstlerische Leiter des Hoftheaters Hamburg ist zum dritten Mal beim Hanauer Festival tätig. Seine „Rumpelstilzchen“-Fassung galt im Vorjahr als einer der Höhepunkte. Für seine „Rotkäppchen“-Version habe er „das Märchen etwas auf den Kopf gestellt“, sagt Radermacher. Da hat der böse Wolf einen kleinen Gefährten, der zu allem Überfluss Vegetarier ist, und die Großmutter kommt gar als Alt-68er-Oma daher. „Rotkäppchen“ läuft am 21. Mai an.

Eine moderne Fassung ist bei „Die goldene Gans“ zu erwarten (Premiere: 4. Juni). Das Buch hat der in Berlin lebende Tobias Bungter geschrieben, der erstmals für das Festspiele engagiert wurde. Für die Inszenierung wurde mit Dennis Krauß ein erst 25 Jahre alter Nachwuchsregisseur verpflichtet. Seine Inszenierung werde comichafte Züge tragen und so etwas wie „ein Roadmovie für die Bühne“, sagt er.

Bilder zum Auftakt der Grimm-Festspiele 2015

In der von Frank-Lorenz Engel ins Leben gerufenen Klassiker-Reihe, die nach anfänglicher Skepsis bei Publikum und Kritikern viel Lob erfahre hat, steht diesmal Shakespeares „Was Ihr wollt“ auf dem Spielplan - nicht nur aus Anlass des 400. Todesjahres von „einem der potentesten Autoren der Theaterliteratur“ (Engel), sondern auch, weil es zumindest einen indirekten Bezug zu den Grimms gibt. Shakespeare-Übersetzer August Wilhelm Schlegel war ein Zeitgenosse der Grimms; deren Beziehung zu ihm indes nicht frei von literarischen Disputen. Intendant Engel wird auch Regie führen bei der romantisch-tragischen Verwechslungskomödie, die alle Register der Gefühle zieht und in der, so Engel, „alle Facetten der Liebe zum Vorschein kommen.“ Ein „perfekter Blockbuster“, meint Katharina Schmidt, die die Viola spielt.

Mit einem jungen Theaterprojekt verlassen die Festsspiele erstmals ihre angestammte Spielstätte im Schlosspark. Im Innenhof der Wallonischen Ruine (Französische Allee) startet die neue Reihe „Junge Talente“ mit dem aus den 80er Jahren stammenden und aktualisierten Zwei-Personen-Stück von Fitzgerald Kusz. Die Inszenierung von Marco Krämer-Eis, in der er um die erste große Liebe geht, um enttäuschte Hoffnungen und eine Geschichte, die sich spannend wie ein Thriller entwickelt, richtet sich an junge Leute von 14 bis 25 Jahren. Neben Gregor Andreska tritt Mandy-Marie Mahrenholz (TV-Serie „Schloss Einstein“) auf. „Burning Love“ wird ab 23. Juli fünfmal gezeigt.

Die Karten für die Festspiele kosten im Vorverkauf für Erwachsene zwischen 19,50 und 33,50 Euro. Für Kinder und Familien gelten Ermäßigungen, ebenso am Theatertag (mittwochs).

„Kabale und Liebe“ bei den Festspielen: Bilder

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