Woher der Hase weht

Comedygruppe „Frankfurter Klasse“ gastiert beim Kultoursommer

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Mit Figuren am Rande des Gesellschaft beschäftigt sich die „Frankfurter Klasse“ in ihrem Programm „Die Reise des Goldfischs“. 

Hanau - Gleich neun verschiedene Figuren ließen die beiden Schauspieler der Comedygruppe „Frankfurter Klasse“ bei ihrem Auftritt im Fronhof im Rahmen des Hanauer Kultoursommers auflaufen. Alle Figuren am Rande der Gesellschaft aufgelesen, und der Zuschauer weiß manchmal nicht, ob er lachen oder eher weinen soll. Von Dieter Kögel 

Die über 200 Gäste im Fronhof hatten da keinerlei Entscheidungsschwierigkeiten. Sie wollten herzlich lachen. Lachen über die beiden Wasserhäuschensteher Speedy und Mario, über den sprachbehinderten Jungen Lukas, über die smartphonesüchtige Zeynab, den psychisch nicht im Gleichgewicht befindlichen Herrn Hackenbusch oder den etwas minderbemittelten Angler Rainer, der am Nidda-Ufer auf den großen Fang hofft. Allesamt Protagonisten, die intellektuell und materiell vom Schicksal nicht gerade großzügig ausgestattet worden sind. Selbst der Goldfisch, der am Tresen von Susis Wasserhäuschen vergessen wird und dann von Hand zu Hand geht, ist behindert: „Nemo“ fehlt eine Rückenflosse. Die „Frankfurter Klasse“ bedient in „Die Reise des Goldfischs“ nahezu alle Klischees des gesellschaftlichen Kosmos’ bis hin zu ausgewachsenem Sexismus - komödiantisch überzeichnet, deshalb darf auch gelacht werden. Und gerade dafür sind die Zuschauer ja auch gekommen.

Sie erfahren einiges über die „freie Pfandwirtschaft,“ den Plan, eine „Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung“ zu gründen oder bekommen dargelegt, dass ein „Wirtschaftsflüchtling“ nichts anderes ist als ein Zechpreller, und dass Binding-Bier aus China kommt, wie die Endung deutlich macht. Deshalb auch Export, weil es eben exportiert wird. Philosophischer Tiefgang bei Speedy und Mario, bei dem man nicht weiß, „wo sich unsere Wege noch hinführen.“ Zumindest ist ganz klar, „woher der Hase weht.“

Der weht beim Hanauer Kultoursommer am heutigen Donnerstag, 20 Uhr, aus Transilvanien herüber. Das Kölner NN Theater adaptiert Murnaus Stummfilm „Nosferatu“ als Theater ohne Worte und mit viel Musik.

Kichern für die Kickers

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