27-Jähriger muss sich vor Gericht verantworten

Drei Raubstraftaten im Drogenrausch?

Hanau - Mit vorgehaltenem Messer soll er seine Opfer zur Herausgabe von Geld und Wertgegenständen aufgefordert haben: Seit gestern wird vor dem Hanauer Landgericht gegen einen jungen Mann verhandelt, dem drei Raubüberfälle zur Last gelegt werden. Von Laura Hombach

Der 27-jährige in Hanau geborene Mann mit marokkanischer Staatsangehörigkeit ist angeklagt, am 24. Juni diesen Jahres eine Gruppe Schüler auf dem Spielplatz an der Ludwig-Geißler-Schule um Geld und Wertgegenstände gebracht zu haben. Am 2. Juli soll er dort auch einem jungen Mann nicht nur sein Geld abverlangt, sondern ihm auch eine Goldkette vom Hals gerissen und ihn ins Gesicht geschlagen haben. Außerdem ist der 27-Jährige angeklagt, am Abend des 5. Juli in einer Hanauer Tankstelle die Kassiererin bedroht und zur Herausgabe des Kasseninhalts aufgefordert zu haben. Bei allen drei Überfällen wurden die Opfer vom Täter mit einem Messer bedroht.

Große Beute hatte der Täter dabei allerdings nicht gemacht. Während bei dem Überfall auf die Schülergruppe nur rund 20 Euro Bargeld zustande kamen, erbeutete er in der Tankstelle gerade einmal ein Päckchen Zigaretten, da ihn die Verkäuferin mit Pfefferspray vertrieb. Zwischen 110 und 210 Euro Bargeld und die Halskette waren Beute beim Überfall am 2. Juli. In allen drei Fällen war der unvermummte Täter für die Geschädigten klar zu erkennen. Und so war sich am ersten Prozesstag auch ein Großteil der als Zeugen geladenen Geschädigten sicher, im Angeklagten den Täter wiederzuerkennen.

Der 27-Jährige, der seit seinem 13. Lebensjahr polizeibekannt ist und nach Ausbildung oder Beruf befragt, nur seinen Hauptschulabschluss anführen konnte, hatte bereits gestanden, den ersten Überfall auf dem Spielplatz begangen zu haben. Nicht ausschließen wollte er, auch die beiden anderen Taten begangen zu haben, allerdings könne er sich an den entsprechenden Tagen an überhaupt nichts mehr erinnern. Als Ursache für die Filmrisse gab der Angeklagte an, die ganze Zeit unter Drogen- und Alkoholeinfluss gestanden zu haben. „Es gab keinen Tag, an dem ich keine Drogen konsumiert habe“, erklärte er. Neben dem täglichen Drogenkonsum habe er auch jeden Tag „gezockt“, bezeichnete sich der 27-Jährige selbst auch als spielsüchtig. Die Finanzierung seiner Spielsucht sei auch der Grund dafür gewesen, weshalb er den sechs Schülern auf dem Spielplatz ihr Geld abgenommen habe, so der Angeklagte. Auf sie aufmerksam geworden sei er allerdings, weil sie auf dem Spielplatz Cannabis geraucht hätten. Er selbst habe zu diesem Zeitpunkt Amphetamine genommen und dringend etwas zum „Runterkommen“ gebraucht. Nachdem ihm die Opfer die Drogen und ihr Bargeld ausgehändigt hatten, habe er sie mit den Worten „Das ist kein Platz für Drogen“ vom Spielplatz geschickt, schilderte der Angeklagte.

Spektakuläre und kuriose Raubüberfälle

Die sechs Geschädigten verneinten indes auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Andreas Weiß, dass Drogen bei dem Überfall eine Rolle gespielt hätten. Vielmehr habe der Täter sie mit einem Messer bedroht und zur Herausgabe von Geld und anderen Wertsachen aufgefordert. Die Nachfrage des Richters, ob dem Täter anzumerken gewesen sei, dass er unter Drogeneinfluss gestanden haben, verneinten die Schüler ebenso wie später die Opfer der beiden anderen Überfälle. Große Übereinstimmung herrschte bei den Zeugenaussagen auch betreffs der Frage, ob sie im Angeklagten den Täter wiedererkennen würden. Vier der Schüler, das Opfer des zweiten Überfalls und die Kassiererin gaben an, ihn wiederzuerkennen.

Zusätzliche Klarheit bezüglich der Indentität des Täters soll am nächsten Prozesstag am Donnerstag dieser Woche die Auswertung des Überwachungsvideos der Tankstelle durch einen Sachverständigen bringen. Ein weiterer Sachverständiger wird zur Beurteilung der vom Angeklagten vorgebrachten Suchtproblematik gehört werden.

Polizeibeamte müssen belastbar sein

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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