Keine Bewährung für Serien-Einbrecher

Richter überbietet Staatsanwalt

Hanau - Zwei Einbrüche in zwei Tagen, Wiederholungstäter und Kontakte zu einer kriminellen Bande - in einem Prozess am Hanauer Landgericht ist ein 31-jähriger Mann zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Von Steffen Müller

Das Strafmaß von Richter Peter Graßmück ist dabei höher ausgefallen als die Forderung der Staatsanwaltschaft, die auf Bewährung plädiert hat. Es komme zwar selten vor, dass das Strafmaß über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus ginge, aber die Vorgeschichte von Dani K., lasse kein anderes Urteil zu, erklärte Richter Graßmück. „Sie werden behandelt wie Ihre Mittäter“, wendet er sich direkt an K., der gestanden hatte, am 4. und 5. Februar 2014 in Hanau und Langenselbold mit zwei Komplizen in zwei Häuser eingebrochen zu sein. Bei dem Diebeszug in der Klein-Auheimer Fasaneriestraße wurden Bargeld und Schmuck im Wert von 600 Euro gestohlen, bei ihrem zweiten Einbruch erbeutete die Bande Bargeld und Schmuck für 9000 Euro. Anschließend wurde das Diebesgut in Köln an einen Hehler verkauft.

Etwa 300 Euro habe K. aus dem Verkauf bekommen, mit dem Geld setzte er sich zu seiner Frau nach Belgien ab. Dort blieb er bis zu seiner Verhaftung im Februar 2016. Seine Mittäter, die zu einer größeren Bande gehörten, die mehrere Einbrüche entlang der Kinzigtal-Autobahn verübt hatte, wurden bereits im Mai 2015 zu Haftstrafen zwischen zwei und vier Jahren verurteilt. Auch Ks. Bruder und ein Cousin gehörten zu der Gruppe. Bei Dani K. gestaltete sich die Festnahme schwieriger, da er mehrmals seinen Namen wechselte, ein Vorgang, der in seinem Geburtsland Serbien, in dem er bis zu seiner Einbruchserie lebte, nicht unüblich ist.

Dennoch fanden die Hanauer Ermittler heraus, dass es sich bei Dani K. um Milan E. handelt, der bereits 2009 wegen zwei Einbrüchen in Nordrhein-Westfalen zu fünf Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden war. Nur eine Woche nachdem die Bewährungsfrist abgelaufen war, schlug K. wieder zu. Aufgrund dieser „Vorbelastung“ (Graßmück) war es für den Richter nicht möglich, die von Staatsanwalt Hans-Walter Jung und Verteidiger Peter Oberländer geforderten zwei Jahre Haft auszusprechen, die zu Bewährung hätten ausgesetzt werden können. Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten in ihren Plädoyers dem Angeklagten zugute gehalten, dass er geständig war, was sich strafmildernd auswirke. Ohne Geständnis hätten die Taten mit einer längeren Haftstrafe sanktioniert werden sollen.

Durch das Strafmaß zwei Jahre und drei Monate droht Dani K. nun eine Gefängnisstrafe, sollte keine Partei in Revision gehen. Bei einer Verurteilung mit mehr als zwei Jahren Haft ist keine Bewährungsstrafe möglich. Bei der Urteilsfindung berücksichtigte Graßmück auch die Schäden für die Opfer. Und zwar nicht nur die finanziellen, sondern auch die persönlichen. Nicht nur, dass Erinnerungsstücke wie ein Ehering gestohlen wurden, auch die Angst vor weiteren Einbrüchen lebe bei den Geschädigten seitdem mit. So schilderte das Einbruchsopfer aus der Fasaneriestraße dem Gericht, dass vor allem seine Frau leide. „Immer wenn wir nach Hause kommen, schließen wir die Tür nicht mehr auf, ohne uns zu fragen, wer heute da war.“

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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