OB: Berufsfeuerwehr allein nicht sinnvoll

„Ehrenamt im Brandschutz muss bleiben“

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Haupt- und ehrenamtliche Feuerwehrleute arbeiten beim Brandschutz in Hanau seit Jahrzehnten eng zusammen. Und das soll auch so bleiben, wenn Hanau die Grenze zur Großstadt überschritten hat. Eine reine Berufsfeuerwehr lehnen Hanauer Politiker ab.

Hanau - In Hanau soll es auch dann beim bewährten Zusammenspiel von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Feuerwehrleuten bleiben, wenn die Brüder-Grimm-Stadt die 100.000-Einwohner-Marke geknackt hat. Von Dirk Iding 

Den Brandschutz zuvorderst über eine Berufsfeuerwehr sicherzustellen, wie es das Gesetz im Prinzip für Großstädte vorsieht, hält Oberbürgermeister und Brandschutzdezernent Claus Kaminsky (SPD) für einen falschen Weg. Kaminsky äußerte sich am Montagabend zu diesem Thema in der Stadtverordnetenversammlung anlässlich der Einbringung des aktualisierten Feuerwehrbedarfs- und Entwicklungsplans, der alle zehn Jahre neu aufgestellt werden muss. Der Plan beinhaltet eine umfassende Analyse der Ist-Situation in Sachen Brandschutz in Hanau und formuliert den Bedarf an Gerät, Gebäuden und Personal für die kommenden Jahre. Zur weiteren intensiven Beratung haben die Stadtverordneten das umfangreiche Werk in den Haupt- und Finanzausschuss verwiesen.

Zuvor allerdings gab es Lob vom CDU-Stadtverordneten Joachim Stamm, der daran erinnerte, dass der aktuelle Feuerwehrbedarfs- und Entwicklungsplan von den Führungskräften der Hanauer Feuerwehr in Eigenleistung erstellt worden sei. Der letzte, aus 2004 stammende Feuerwehrplan sei noch von einem externen Büro erarbeitet worden. Das habe damals einen hohen fünfstelligen Betrag gekostet, erinnerte Stamm, der den aktuellen Plan als „Werk von Praktikern“ bezeichnete, der sich durch hohe Übersichtlichkeit und Lesbarkeit auszeichne. Dabei zeige der Plan aber auch einige Schwächen auf.

So könnten die gesetzlich vorgeschriebenen Hilfezeiten bei Einsätzen im südlichen Klein-Auheim und in Mittelbuchen „nur“ in 88,7 beziehungsweise 71,4 Prozent der Fälle eingehalten werden. Die Zielvorgabe von 90 Prozent, die bezogen auf ganz Hanau mit 95,7 Prozent deutlich erfüllt wird, werde in diesen beiden Stadtbezirken noch verfehlt, monierte Stamm.

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Daneben vermisst der CDU-Politiker in dem Plan konkrete Aussagen zur zukünftigen Aufstellung der Hanauer Feuerwehr, wenn Hanau die 100.000-Einwohner-Grenze überschreitet. Auch Stamm sprach sich dagegen aus, in diesem Fall vor allem auf eine Berufsfeuerwehr zu setzen. „In Hanau haben wir ein starkes ehrenamtliches Engagement, das beibehalten werden muss und zwar nicht nur als Brandschutzwache und zur Pflege von Fahrzeugen und Geräten“, erklärte der CDU-Politiker.

Auch OB Kaminsky sprach sich gegen einen „gesetzlichen Automatismus“ hin zu einer Berufsfeuerwehr aus. In Hanau habe sich das Zusammenspiel von ehrenamtlichen und hauptberuflichen Feuerwehrleuten bewährt. Auch Kaminsky befürchtet, dass ehrenamtliches Engagement im Brandschutz verloren gehen könnte, wenn Hanau als Großstadt gezwungen werde, vornehmlich auf eine Berufsfeuerwehr zu setzen. Darüber werde man zu gegebener Zeit mit dem Land sprechen müssen, so der Oberbürgermeister. Nach Erwartungen des Rathauses könnte Hanau Anfang des nächsten Jahrzehnts die 100.000-Einwohner-Marke knacken.

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