25 Jahre Franziskus-Haus

In einem Bauwagen fing alles an

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Viele Hilfen unter einem Dach: Seit 1997 gibt es das Franziskus-Haus an der Matthias-Daßbach-Straße. Das Vorgängerhaus an der Breslauer Straße wurde 1991 eröffnet.

Hanau - Seit nunmehr 25 Jahren ist das Hanauer Franziskus-Haus eine Einrichtung, die sich um Menschen am Rande unserer Gesellschaft kümmert. Um Frauen und Männer, die – ob freiwillig oder unfreiwillig – ohne Dach über dem Kopf sind. Von Dirk Iding 

Aus bescheidenen Anfängen entstanden, ist das Franziskus-Haus längst zu einer unverzichtbaren sozialen Einrichtung für Hanau und die Region geworden. Am Anfang stand viel Idealismus. Vor allem der Wunsch, Mitmenschen in extremen Lebenssituationen zu helfen. Dieser Idealismus ist bis heute geblieben. Mittlerweile aber ist er gepaart mit jeder Menge Professionalität, mit der die derzeit 26 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Franziskus-Hauses – unterstützt von rund zwei Dutzend Ehrenamtlichen – zu Werke gehen, um ihre mitunter nicht ganz einfache Klientel zu begleiten und sie im Idealfall wieder an ein Leben mit festem Wohnsitz und Strukturen heranzuführen.

Die Geschichte des Franziskus-Hauses reicht über seine eigentliche Gründung im Jahr 1991, damals noch an der Breslauer Straße im Stadtteil Lamboy angesiedelt, zurück. Bereits 1986 wurde im Gemeindehaus der evangelischen Marienkirchengemeinde Hanau eine „Wärmestube“ eingerichtet, die bald darauf in einen Bauwagen auf dem ehemaligen Messeplatz an der Otto-Wels-Straße umzog, betreut von einem Zivildienstleistenden. Da das aber keine dauerhafte Lösung sein konnte, wurde die Wärmestube schließlich in der damaligen Geschäftsstelle des Caritas-Verbandes in der Matthias-Daßbach-Straße 2, dem heutigen Sitz des Franziskus-Hauses, untergebracht.

Michael Gänge ist seit 2002 Leiter des Franziskus-Hauses, das insgesamt 26 hauptamtliche Mitarbeiter hat.

Parallel arbeiteten die Sozialämter der Stadt Hanau und des Main-Kinzig-Kreises zusammen mit dem Diakonischen Werk und dem Caritas-Verband ein Konzept zur Untertstützung von Nichtsesshaften aus, während auf Landesebene 1991 zwischen dem Landeswohlfahrtsverband Hessen, der Liga der Freien Wohlfahrtspflege, dem Hessischen Städtetag und dem Hessischen Landkreistag „Die Vereinbarung über die Gewährung von Hilfen für Nichtsesshafte/Alleinstehende Wohnungslose in Hessen“ getroffen wurde. Diese sah unter anderem vor, dass in allen Mittel- und Oberzentren Hessens Anlaufstellen für diesen Personenkreis geschaffen werden sollten. In Hanau wurde dies das Franziskus-Haus, das 1991 zunächst in Trägerschaft der „Ökumenischen Nichtsesshaftenhilfe“ in der Breslauer Straße gegründet wurde. Am 4. Juni 1991 wurde das Haus offiziell eingeweiht. Und es etablierte sich rasch, stieß aber schon bald auch an Kapazitätsgrenzen, so dass man schließlich die mehr Platz bietende ehemalige Caritas-Geschäftsstelle zum neuen Franziskus-Haus umbaute.

Die Trägerschaft ging zwar rechtlich an den Caritas-Verband für den Main-Kinzig-Kreis über, „aber nach wie vor sind wir eine ökumenische Einrichtung“, betont Michael Gänge. Der Sozialpädagoge und Religionspädagoge ist seit 2002 Leiter des Franziskus-Hauses und damit auch Chef eines Unternehmens der Sozialwirtschaft mit einem Jahresetat von immerhin rund 1,3 Millionen Euro.

Rund 500.000 Euro werden derzeit in den Umbau des Übergangswohnheims investiert. Künftig wird es ausschließlich Einzelzimmer mit Bad geben. Bis November soll der Umbau abgeschlossen sein.

Das Besondere am Franziskus-Haus sei, so Gänge, „dass wir hier viele Angebote für Obdachlose unter einem Dach haben.“ Dazu gehört die an 365 Tagen im Jahr geöffnete Tagessstätte im Erdgeschoss, in der es Essen und Trinken gibt und wo man sich und seine Kleidung waschen kann. Die Herberge nimmt ganzjährig obdachlose Menschen auf, die kurzfristige Übernachtungsmöglichkeiten suchen. Die benachbarte Kleiderkammer, die vor allem von Ehrenamtlichen betreut wird, ist für jeden zugänglich. Auch eine ambulante Fachberatung befindet sich im Haus sowie das Übergangswohnheim mit 26 Plätzen in den oberen Etagen, das derzeit für 500.000 Euro komplett umgebaut wird, um dort künftig nur noch Einzelzimmer mit Bad anbieten zu können. Hier werden die Klienten längerfristig betreut. In den Wintermonaten kommt dann noch die rund um die Uhr besetzte Notschlafstelle „Schneckenhaus“ hinzu.

Außerhalb des Hauses sind Mitarbeiter in der Straßensozialarbeit aktiv, andere betreuen Klienten, die wieder ein eigenes Dach über dem Kopf haben, aber in der ersten Phase ihres Wieder-Sesshaftwerdens Unterstützung benötigen. „All das sind Hilfen, die wir unseren Klienten nur anbieten, aber niemals aufzwingen können“, betont Einrichtungsleiter Michael Gänge. Sofern keine Selbst- oder Fremdgefährdung bestehe, sei das Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen maßgebend. „Und dazu gehört für uns auch, es zu akzeptieren, wenn unsere Hilfe nicht in Anspruch genommen wird“, so Gänge.

Sozialverband: So viel Arme in Deutschland wie noch nie

Finanziert wird das Franziskus-Haus vor allem aus Mitteln des Landeswohlfahrtsverbandes, vom Main-Kinzig-Kreis, der Stadt Hanau und von umliegenden Kommunen, von den Kirchen und nicht zuletzt auch über Spenden. Sie fließen beispielsweise in den Kauf von wetterfesten Schlafsäcken, Isomatten und Rucksäcken oder werden für die Pflege der Gräber ehemaliger Klienten des Hauses auf dem Hauptfriedhof verwendet. „Das“, so weiß Michael Gänge aus vielen Gesprächen, „ist auch ein ganz wichtiges Zeichen für die Lebenden, nämlich, dass ihre Würde auch über den Tod hinaus gewahrt bleibt.“

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