Beim ehrgeizigsten Konversions-Projekt geht die Stadt neue Wege

Entwicklung der Pioneer-Kaserne: Wohnen in seiner ganzen Vielfalt

+
Das gesamte Areal der Pioneer-Kaserne nördlich der Aschaffenburger Straße (im Bild links der Straße) hat die Stadt Hanau über ihre Bauprojekte GmbH gekauft. Über den Preis vereinbarte man Stillschweigen. Nun soll das Areal gemeinsam mit privaten Partnern entwickelt und bebaut werden.

Hanau - Es ist das ehrgeizigste und möglicherweise schwierigste Projekt im Rahmen der Konversion der ehemals militärisch genutzten Flächen in Hanau: die Entwicklung der Pioneer-Kaserne in Wolfgang. Dabei geht die Stadt Hanau neue Wege.

Sie hat das gesamte Kasernengelände mit Ausnahme der Sportsfield-Housing gekauft und will es nun mit Hilfe von Investoren entwickeln. In dieser Woche wurde der Kaufvertrag zwischen der städtischen Hanau Bauprojekte GmbH und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) als bisherige Eigentümerin des Geländes unterschrieben. Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Das Gelände ist rund 47,5 Hektar groß. Es umfasst den gesamten Kasernenbereich nördlich der Aschaffenburger Straße mit den als „Zehn Brüder“ bezeichneten Häusern entlang der Straße, der Triangel-Housing im südöstlichen Teil und den prägnant in Fächerform gebauten Liegenschaften im Norden. Bis 2020 soll dort ein neues, attraktives Wohngebiet mit vielfältigen Angeboten vom Geschosswohnungsbau bis zum Einfamilienhaus entstehen. Rund 700 Wohneinheiten insgesamt sind dort geplant.

„Im Vordergrund steht für uns hier die Vielfalt: eine breite soziale Mischung, Wohnprojekte für jedes Einkommen, jedes Alter, jede Herkunft und jede gesundheitliche Verfassung sollen hier entstehen“, unterstreicht Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). Ein erstes Nutzungskonzept, das im Büro des Architekten Klaus Heim als Grundlage erarbeitet wurde, sieht vor, dass die bisherige fächerartige Bebauung des Areals auch künftig im Luftbild erhalten bleibt. Der äußere Bereich, der an einen Grüngürtel angrenzt, soll in rund 140 Grundstücke aufgeteilt werden, um Platz für 180 Wohneinheiten in Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern zu schaffen. Der innere Halbkreis ist so genannten Stadtvillen vorbehalten. Hier sollen rund 190 Wohneinheiten im Geschosswohnungsbau mit ausreichend Parkraum in Tiefgaragen entstehen.

Die unter dem Namen „Zehn Brüder“ bekannten und von der Straße deutlich sichtbaren Blöcke sollen für eine Mischnutzung zur Verfügung stehen. Wohnen und Gewerbe könnten hier nebeneinander angesiedelt werden, glaubt man im Rathaus. Der in sich abgeschlossene Bereich des früheren Triangel-Housing, der etwa 25 Prozent der Gesamtfläche ausmacht, verfügt bereits über bestehende Wohnblöcke, die zum Teil saniert oder abgerissen werden und durch Neubauten ergänzt werden sollen. Nach den aktuellen Planungen könnten auf diese Weise 220 Wohneinheiten entstehen, die den Bedarf nach günstigerem Wohnraum decken. Aus dem Pioneer-Gelände könnte auch ein Vorzeige-Projekt in Sachen Klima-schutz werden, meinen die Verantwortlichen im Rathaus. Unter dem Motto „Klima-Pionier-Quartier Hanau“ habe sich die Stadt um die Aufnahme in das neu aufgelegte Bundesprogramm Stadtumbau beworben. Gelinge es, sich mit dem von der NH Projektstadt erarbeiteten Entwurf durchzusetzen, könnten in dem zukünftigen Wohnquartier innovative energetische Konzepte umgesetzt werden.

Ein Traumhaus aus Stroh: Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen

Allerdings werde die Stadt nicht selbst als Bauherr und Projektentwickler auftreten, auch wenn vorstellbar sei, dass sich die Baugesellschaft Hanau als städtisches Wohnungswirtschaftsunternehmen hier im Segment des günstigen Wohnens engagiere. Vielmehr, so OB Kaminsky, wolle man hier kommunales Engagement mit privatem Investment und Know-How verbinden. So werde die städtische Bauprojekt GmbH, die genau zu diesem Zwecke gegründet worden sei, das Grundstück in Kooperation mit einem privaten Partner einbringen. Dieser Partner werde im nächsten Schritt ausgewählt. Eine entsprechende europaweite Ausschreibung lief bereits seit April. Der private Entwicklungspartner könne, müsse aber nicht selbst als Investor das Areal oder Teile des Areals bebauen. Möglich sei auch ein teilweiser Weiterverkauf an Bauträger, so Kaminsky.

Das Interesse der Bieter im europaweiten Ausschreibungsverfahren sei erfreulich groß gewesen, sagt Hanaus Stadtentwickler Martin Bieberle. Mit den im Teilnahmewettbewerb qualifizierten Unternehmen fanden bereits Mitte Juli so genannte Bieter-Kolloquien statt, die zur Vorbereitung des nächsten Schrittes dienten. Alle Bieter haben in der vereinbarten Frist bis Ende Juli ein indikatives Angebot abgegeben, das unter anderem darstellt, wie ein Kooperationsmodell mit der Stadt aussehen könnte. Auch ein Finanzierungskonzept sei Bestandteil dieses Angebots, auf dessen Grundlage nun eine erste Auswahl stattfindet. Mit den Bietern, deren Konzepte am erfolgversprechendsten seien, wolle die Stadt im September in Verhandlungen eintreten. Bieberle geht davon aus, dass noch in diesem Jahr die notwendigen Grundsatzbeschlüsse der politischen Gremien Hanaus herbeigeführt werden können.

Architekturtrend: Energetisches Sanieren

Die Entwicklung in Wolfgang bestätigt nach den Worten Kaminskys „den für Hanau eingeschlagenen Wachstumskurs“, der schon heute allerorten im Stadtgebiet sichtbar sei und an dessen Ende rund 3 000 neue Wohneinheiten entstanden sein werden. „Die Vielfalt und Ideen, die wir auf Pioneer entwickeln, repräsentieren aber besser und eindrucksvoller als jedes andere Projekt das neue vielseitige Hanau, das seine Chancen im Osten des Rhein-Main-Gebiets ergreift und selbstbewusst seine tragende Rolle in der Metropolregion ausfüllt.“ did

Kommentare