Obst-Sorbet für den Zaren

Erstmalige Einblicke in die unterirdischen Räume von Wilhelmsbad

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Um Küchengerüche von der feinen Gesellschaft fernzuhalten und auch aus Brandschutzgründen wurden in früheren Zeiten im Kurort Wilhelmsbad im Wortsinn unterirdisch gekocht. Ellen Gudath führte nun erstmals in die kurfürstlichen Keller-Küchen.

Hanau - Manches spielte sich auch in früheren Zeiten quasi im Verborgenen ab - unterirdisch. Etwa in den Kellern der Wilhelmsbader Kuranlagen, wo sich einst auch die Küchen befanden. Von Dieter Kögel 

Der Einblick in die weithin unbekannten, ansonsten unzugänglichen und zum Teil großen Räume ist faszinierend. Mit der erstmaligen Führung zu den „Verborgenen Räumen“ der ehemaligen Kuranlage wollte die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessens den Blick einmal auch auf die vermeintlich weniger spektakulären, aber nicht unbedeutenden Örtlichkeiten rund um Promenade und Arkadenbau lenken. Und das Interesse an der Besichtigung unter anderem der kurfürstlichen Küchen war groß als Ellen Gudath, die ansonsten durch die Wohnburg des Kurfürsten und durch den Landschaftspark führt, die verschlossenen Türen öffnete. Zunächst aber gab es einen Blick durch einen engen Schacht, der von einer Metallplatte verschlossen ist: Die Sicht in den ehemaligen Eiskeller, angelegt hinter dem Arkadenbau neben dem auf einem kleinen Hügel stehenden und derzeit noch dem langsamen Verfall preisgebebenen Haus. Es war einst die Wohnung der Bediensteten, die in der darunter liegenden Küche tätig waren.

Ein kleiner Schacht ermöglicht den Blick in den mehr als fünf Meter tiefen Eiskeller des einstigen Kurbades.

Das aus dem nahegelegenen Braubach im Winter gebrochene Eis hielt sich zwischen den 60 Zentimeter dicken Eiskellerwänden in fünf Meter Tiefe bis in den Sommer. Und es wurde nicht nur zum Kühlen verwendet, weiß Ellen Gudath zu berichten. Auch Sorbets mit Früchten aus dem wenige Meter entfernten Obstgarten mit vielen verschiedenen Bäumen stellte das Küchenpersonal aus dem Eis her, um es der feinen Gesellschaft zu servieren. Immerhin war Wilhelmsbad Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts, ehe die Heilquelle versiegte, einer der elegantesten und angesehendsten Badeorte in Deutschland. Glanzvoller Höhepunkt für den auf Geheiß von Erbprinz Wilhelm von Hessen-Kassel erbauten Kurort, war 1818 der Besuch von Kaiser Franz II. von Östereiche, Zar Alexander I. von Russland und von Preußen-König Wilhelm III.

Direkt neben dem Eiskeller befand sich damals die Küche, ein großer Gewölbekeller, von dem aus die Speisen ins benachbarte Kurhaus transportiert wurden. Letzteres blieb wegen der räumlichen Trennung auf diese Weise von Küchendüften ebenso verschont wie vor der möglichen Brandgefahr, die vom offenen Feuer ausgehen konnte. Neben dem Schacht zum Eiskeller zeigt sich eine große, rechteckige und abgedeckte Fläche: Der Treppenzugang zum Eiskeller. Er ist derzeit nicht benutzbar. Im so genannten „Parkpflegewerk“ ist aber festgeschrieben, ihn wieder herzurichten und den Gang in den ehemaligen Eiskeller zu ermöglichen. Auch der einstige Obstgarten, derzeit ein Wiesenstück, soll wieder angepflanzt werden.

Bilder: Historisches Wilhelmsbader Karussell

Was aus der kurfürstlichen Küche im Kurhaus aufgetragen wurde, hatte damals übrigens seinen Preis. An der „Ersten Tafel“ waren immerhin 40 Kreuzer zu entrichten. Kaum ein Problem für den Adel, aber für die weniger Begüterten. Immerhin hatten diese die Möglichkeit, sich günstig in der „Kleinen Parkwirtschaft“ zu verköstigen. In den 40 Kreuzern war damals freilich auch die adelige und fürstliche Gesellschaft an der Tafel enthalten. Doch Erbprinz Wilhelm, der von 1764 bis 1785 in Hanau residierte, stand es nicht ständig nach dem Tafeln in Nobelrunden. Deshalb ließ er sich auf der Halbinsel seine Wohnruine bauen. In einer zweiten Ruine daneben hantierten Köche und Helfer in einer kleinen runden Küche mit vorgebautem Vorratsraum. Auch an diesen ansonsten verborgenen Räumen öffneten sich nun erstmals die Türen für interessierte Besucher. Und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein. Nach dem großen Interesse bei der Premierenführung soll es im kommenden Jahr erneut das Angebot geben, solche Blick zu wagen.

Und bereits am Samstag 20. August, wird eingeladen zu einem „ Tag in Wilhelmsbad“ mit Führungen durch Burg-ruine, Karussell und Comoedienhaus. Beginn ist um 10 Uhr, die Veranstaltung dauert bis 14 Uhr. Im Preis von 27 Euro sind Mittagessen und Getränke enthalten. Anmeldungen für diese Führung, die auch am 28. August noch einmal stattfindet, unter Telefon 06181/5088500.

Leserbilder: Die schönsten Plätze in Hanau

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