Familienworkshop: Harte Arbeit fürs tägliche Brot

Kochen wie in der Steinzeit

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Museumspädagogin Sussane Rizzo zeigt einen prähistorischen Kochtopf: Aus Leder wurden Beutel gefertigt, in die man Wasser hineingab, das mit heißen Steine zum Kochen gebracht wurde.

Steinheim - Kochen wie in der Steinzeit war im Steinheimer Museum für Vor- und Frühgeschichte angesagt. Dass letztendlich der Elektroherd in der Museumsküche angeworfen wurde, um das nach Steinzeitmanier zubereitete Mahl zu kochen, war dabei allein den Witterungsverhältnissen im Freien geschuldet.

Aber auch so bekamen die Teilnehmer an diesem Familien-Workshop einen nachhaltigen Eindruck davon, wie hart die Arbeit fürs tägliche Brot in prähistorischer Zeit gewesen sein muss. Warum man heute überhaupt Bescheid weiß über die Ernährungsgewohnheiten der Steinzeitmenschen, das erklärte Museumspädagogin Susanne Rizzo im 1. Stock des Steinheimer Museums in der kleinen „Ötzi-Abteilung“, die der legendären Gletscherleiche aus den Ötztaler Alpen gewidmet ist, die den Forschern bereits viele Erkenntnisse offenbarte. Andere Hinweise auf die Ernährungsgewohneiten stammten von Bodenfunden. Aus ehemaligen Vorratsräumen oder Abfallgruben konnte rekonstruiert werden, was vor über 5000 Jahren auf den Speiseplänen gestanden hat. Brot war auf jeden Fall schon dabei. Und so durften die Teilnehmer des Steinzeitkochkurses zunächst Dinkelkörner zu Mehl verarbeiten. Auf einer Granitplatte musste das Getreide mit einem Mahlstein per Handarbeit pulverisiert werden. Gut, dass bereits Teig vorbereitet worden war, denn dass es so arbeitsintensiv und anstrengend ist, aus den Körnern Mehl herzustellen, hätte wohl kaum einer der Teilnehmer gedacht.

Mit gleicher Methode die Haselnüsse zum Anreichern des Brotteiges zu zerkleinern war eine ebenso mühsame Arbeit. Das Schälen und Würfeln der Sellerieknollen funktionierte zwar mit dem Messer aus Feuerstein erstaunlich gut, doch die Beschaffenheit der vorsintflutlichen Werkzeuge begünstigte die Blasenbildung in den heutzutage empfindlicheren Handflächen. Susanne Rizzo hatte daher nichts dagegen, dass nach gemachter Erfahrung zu einem zeitgemäßen Küchenmesser gegriffen wurde, um die Schnippelarbeit zu Ende zu bringen. Naja, die würzige Grundlage für den Eintopf wurde ja auch von neuzeitlichen Brühwürfeln geliefert. Wobei auch in der Steinzeit bereits gewürzt wurde, weiß Rizzo. Nicht so wie heute, aber mit Thymian, Oregano, Schafgarbe und anderen Pflanzen, die durch Pollen oder Samen bestimmt werden konnten, haben auch schon Ötzi und Co ihre Gerichte angereichert. Ob des Geschmacks oder der heilsamen gesundheitlichen Wirkung wegen, das ist nicht geklärt.

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Und irgendwann verbreitete sich in der Museumsküche dann der Geruch von gebackenem Brot und einem kräftigen Gemüseeintopf. Brötchen mit Kräuterquark, Eintopf, gebackene Selleriescheiben und eine Süßspeise in kleinen Brotschalen wurden gereicht. Und der Elektroherd erwies sich als guter Helfer. Denn kochen wie in der Steinzeit, das ist ein aufwändiges Geschäft, wie Susanne Rizzo mit dem Hinweis auf den fast ungläubig bestaunten ledernen Kochtopf unterstrich. Der Ledertopf zum Aufhängen wurde zunächst mit Wasser gefüllt. Dann gaben die Steinzeitmenschen im Feuer erhitzte Steine hinein, um das Wasser zum Kochen zu bringen. Es folgten die Zutaten, die mit dem ständigen Nachschub an glühenden Steinen bis zum Garzustand am Kochen gehalten wurden. Und dass selbst das Feuer machen per Feuerstein eine schweißtreibende und zeitintensive Abgelegenheit war, auch davon konnten sich die Teilnehmer im Steinheimer Schlosshof selbst ein Bild machen. dk

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