Exkursion im Naturschutzgebiet

Auf Campo Pond den Fledermäusen nachspüren

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Auf Beutefang wie die Fledermäuse - so ähnlich zumindest, das übte Ulrike Balzer vom Umweltzentrum mit den kleinen Teilnehmern einer Fledermaus-Exkursion.

Großauheim - Im Naturschutzgebiet Campo Pond sind normalerweise die Przewalski-Urwildpferde die Attraktion. Doch dort tummeln sich auch zahlreiche Jäger der Nacht: Fledermäuse. Von Dieter Kögel

Denen kann man auf durchaus ungewöhnliche Weise nachspüren: Mit einem speziellen Detektor werden sie hörbar gemacht. Von den 19 in Hessen lebenden Fledermausarten sind alleine dort, wo die Przewalskis grasen, sieben Arten nachgewiesen. Mit 1100 Flederarten machen die nächtlichen Jäger immerhin ein Viertel der Säugetierarten auf dem Globus aus, erklärt Ulrike Balzer vom städtischen Umweltzentrum bei einer Exkursion. Und die teilen sich in etwa 300 Flughund- und 800 Fledermausarten. Beim abendlichen Ausflug entlang der Pferdeweiden begegnen dem Besucher vor allem die Zwergfledermaus und wahrscheinlich eine der größeren Breitflügelfledermäuse.

Doch bevor die Exkursionsteilnehmer die Blicke in den Himmel richten, hat Ulrike Balzer die Aufmerksamkeit. Um 19 Uhr ist es ohnehin noch zu früh, um die Jäger zu sehen. Zeit also, die Besucher mit Informationen zu versorgen. „Ich hoffe, Sie sind gut vorbereitet, haben Kapuzen und Schals dabei.“ Zweifelnde Blicke in der großen Runde. „Denn die Fledermäuse flattern einem ins Haar und beißen in den Hals.“ Und mit ihren Ultraschalltönen können sie selbst die fernbedienten Schließmechanismen von Autos beschädigen. „Echt jetzt?“ Der Zweifel des jungen Besuchers wird schnell zerstreut. Denn natürlich ist nichts von diesen Schauermärchen wahr, die immer noch die Runde machen. Wahr ist vielmehr, dass die kleinen Jäger äußerst nützliche Tiere sind. Die Wasserfledermaus zum Beispiel vertilgt mit ihren acht Gramm Körpergewicht immerhin 3 000 bis 5 000 Insekten – pro Nacht. Die fünf Gramm schwere Zwergfledermaus gibt sich mit 1000 Insekten zufrieden. Pro nächtlichem Beutezug erjagen die Fledermäuse etwa ein Drittel ihres eigenen Gewichts.

„36 Kilo“, antwortet eine junge Exkursionsteilnehmerin auf die Frage nach ihrem Körpergewicht. Übertragen auf die Fledermaus würde das heißen, dass sie pro Tag zwölf Kilo Lebensmittel zu sich nehmen müsste. Der Vergleich, den Balzer da anstellt, hinterlässt Eindruck. Wie jagen die Fledermäuse? Die Exkursionsteilnehmer können sich spielerisch in den Fangtechniken der Fledermäuse üben. Zur Belohnung gibt es kleine Insekten - aus Fruchtgummi, rein vegetarisch.

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Inzwischen ist die Sonne am Horizont verschwunden, die feinen Ähren der vielen Gräser auf Campo Pond glühen noch einmal silbrig auf. Es wird Zeit zum Aufbruch zu den Jagdrevieren der Fledermäuse. Vorbei an Pflanzen mit neongelben Blüten. „Die waren vorhin noch nicht da“, sagt Ulrike Balzer. Es handelt sich um Nachtkerzen, deren Blüten sich erst in der Dämmerung öffnen. Sehr fledermaus-freundlich, denn die Blüten locken Insekten an, und die wiederum rufen die fliegenden Insektenjäger auf den Plan. An der Grenze zwischen Wald und Pferdekoppel muss man abends nicht lange auf die erste Fledermaus warten, die im Pendelflug aus dem Wald kommt und zwischen den Bäumen auf der Koppel auf Nahrungssuche geht. In diesem Fall hört man die Fledermäuse, bevor man sie sieht. Denn mit ihrem Fledermaus-Detektor macht Balzer die für das menschliche Gehör nicht wahrnehmbaren Rufe der Fledermäuse hörbar. Und die Biologin kann die verschiedenen Töne aus dem kleinen Lautsprecher auch der jeweiligen Art zuordnen. Eine spannende Geschichte. Fledermaus-Rufe hört man schließlich nicht alle Tage.

Es müsse etwas dafür getan werden, dass die kleinen Flattermänner weiterhin rufen und jagen können, sagt Balzer. Denn durch die Isolierung von Gebäuden oder das Abholzen alter Bäume verlieren die Fledermäuse zunehmend ihre Behausungen und der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft ist höchst bedenklich für die kleinen Tiere. Aber noch sei es nicht zu spät, meint Balzer, denn jeder könne etwas dafür tun, um den Lebensraum der Fledermäuse zu sichern. Unter www.all-about-bats.net wird verraten, wie es geht.

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