Mustafa Al-Muhsin

Hessen-Titel: Flüchtling sprintet ins Rampenlicht

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Dank seiner herausragende Sprinterqualitäten ist der junge Iraker Mustafa Al-Muhsin äußerst erfolgreich.

Hanau - Sport hilft bei der Integration. Ein besonderes Beispiel ist der irakische Flüchtling Mustafa Al-Muhsin. Dank herausragender Sprinterqualitäten hat der so genannte unbegleitete minderjähriger Ausländer (UmA) in Hanau schnell Fuß gefasst.

Das hilft dem Flüchtling, der vor einem Jahr ohne Eltern nach Hanau kam, auch bei der Integration.

„Sport hebt Grenzen auf - zwischen Hautfarben, Religionen und Nationalitäten. Sport ist ein hervorragendes Mittel zur Integration - auch für die Flüchtlinge, die zu uns gekommen sind“, sagt Stadtrat Axel Weiss-Thiel (SPD). Er verweist auf Mustafa Al-Muhsin, der vor einem Jahr aus dem Irak nach Deutschland geflohen ist, in Hanau inzwischen eine neue Heimat gefunden hat und für die Turngemeinde Hanau (TGH) innerhalb kürzester Zeit zum Aushängeschild wurde. Wenn man mit dem 18-Jährigen über seine Eindrücke von Hanau spricht, kommt man an der August-Schärttner-Halle nicht vorbei. Im September 2015 strandete er in jener Halle, die damals als Notunterkunft diente. Nur drei Monate später absolvierte er an gleicher Stätte seinen ersten Wettkampf für die TGH - nach gerade einmal zehn Trainingseinheiten. Für seine Trainer Bryan Heeg und Uli Ricker war sofort klar, dass sie einen Leichtathleten der Extraklasse vor sich haben. Al-Muhsin zählt mittlerweile zu den besten Sprintern in Hessen und ist in den Kader des Hessischen Leichtathletik-Verbandes berufen worden. In Kürze wird er an einem Trainingslager in Kienbaum teilnehmen.

Die Geschichte von Mustafa Al-Muhsin ist auch deshalb bemerkenswert, weil er als so genannter unbegleiteter minderjähriger Ausländer (UmA) nach Deutschland gekommen ist - also ohne Eltern und ohne familiären Rückhalt. Mehr als 100 dieser UmA befinden sich in Obhut des städtischen Jugendamtes. Sobald ein minderjähriger Flüchtling ohne Eltern nach Hanau kommt, wird eine „Inobhutnahme“ ausgesprochen. Der städtische Soziale Dienst kümmert sich dann um die Unterbringung, und es wird ein Vormund wird. Die UmA leben zum Großteil in sechs Jugendhilfeeinrichtungen im Stadtgebiet. Dort werden sie von Sozialarbeitern rund um die Uhr betreut. „Die Zusammenarbeit aller Beteiligten funktioniert hervorragend“, lobt Weiss-Thiel.

Mustafa Al-Muhsin kann das bestätigen, denn der aus Basra stammende 18-Jährige hat sich hier schnell eingelebt. Sein Betreuer vermittelte den Kontakt zur Turngemeinde Hanau, nachdem Al-Muhsin berichtet hatte, dass er irakischer Meister über 100 und 200 Meter in seiner Altersklasse gewesen sei. „Wir haben schnell gesehen, dass er richtig was drauf hat“, erinnert sich TGH-Trainer Bryan Heeg an die ersten Begegnungen. Trotz anfänglicher Sprachprobleme integrierte sich der junge Mann schnell in die Trainingsgruppe - und startete in der Sommersaison richtig durch. In der Altersklasse U20 holte er sich den Hessenmeister-Titel über 100 und 200 Meter. Daher durfte er sich auch bei der Hessen-Meisterschaft der Männer beweisen - und wurde Zweiter über 200 Meter. Seine Zeit von 21,59 bedeutet Platz acht in der bundesweiten Bestenliste der U20.

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„Es macht mir sehr viel Spaß, bei der TG Hanau zu trainieren“, sagt Al-Muhsin. Auch mit der Verständigung klappt es inzwischen gut. Er besucht täglich eine der InteA-Klassen. InteA steht für „Integration und Abschluss“ und bietet Seiteneinsteigern mit geringen Deutschkenntnissen zwischen 16 und 20 Jahren die Chance, einen Schulabschluss zu erwerben. Das ist auch das Ziel von Mustafa Al-Muhsin, der sein Heimatland ohne Schulabschluss verlassen musste.

Über die weiteren Ziele hat sich der Iraker noch keine richtigen Gedanken gemacht. Jetzt steht erst einmal die „Verselbstständigung“ an. Mit Erreichen der Volljährigkeit erlischt die Vormundschaft der Stadt, alleine gelassen werden die jungen Leute aber nicht. Ein Betreuer steht ihnen auch bei den ersten Schritten in ein selbstständiges Leben zur Seite - bei Bedarf bis zum 21. Lebensjahr. Auch auf Al-Muhsin warten nun neue Aufgaben, zum Beispiel die Suche nach einer eigenen Wohnung. Dabei wollen ihm die Vereinskollegen der TGH helfen. (cs.)

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