Asylsuchende engagieren sich bei „Help.the.helpers“

Flüchtlinge als Lotsen im Freibad

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Sechs von 80 Flüchtlingen, die sich in den Hanauer Freibädern als ehrenamtliche Lotsen engagieren, waren gestern beim Pressetermin in Großauheim vor Ort. Mit ihrem Einsatz wollen sie Danke sagen und die Integrationsarbeit unterstützen.

Hanau - „Ich möchte gerne etwas zurückgeben“, sagt Rozen Nakkashieh. Die junge Frau aus Syrien, die als Flüchtling nach Hanau kam, ist Bäder-Lotsin. Und damit Teil einer Initiative, bei der die Stadt Hanau, nach eigenen Worten, bundesweit eine Vorreiterrolle einnimmt. Von Laura Hombach

80 Personen stark ist die Gruppe der ehrenamtlichen Bäder-Lotsen, die sich aus in Hanau lebenden Flüchtlingen - vorwiegend aus Syrien und Afghanistan - rekrutiert. Sie werden in den zwei Hanauer Bädern als Ansprechpartner für Flüchtlinge und das Schwimmbadpersonal vor Ort sein. Die Lotsen sollen als Dolmetscher fungieren und Flüchtlingen in ihrer Muttersprache weiterhelfen können. Und so dazu beitragen, dass die kulturelle Verständigung in den Hanauer Schwimmbädern erst gar nicht zum Problem wird. Der Einsatz der Lotsen geschehe rein präventiv, erläuterte Uwe Weier, Chef der Hanauer Bäder, gestern beim Pressetermin im Lindenaubad. Es gäbe in Hanau keine Problematik, wie sie aus anderen Bädern bekannt geworden sei. Viel mehr gehe es um Kommunikationshilfe bei ganz banalen Fragen wie etwa der nach den Baderegeln, der angemessenen Badekleidung oder der Wassertiefe. Auch der Bäder-Lotse Moutaz Nakkashieh glaubt nicht, dass es bei der gemeinsamen Badnutzung zu Problemen kommen wird. „Aber wenn, sind wir da und dann geht das in der eigenen Sprache auch besser“, sagt der junge Syrer.

Das Bäder-Lotsen-Projekt ist zunächst auf die Monate Juli und August und die Wochenenden beschränkt. In mehreren Schichten und in kleinen Gruppen sind die Helfer in den Bädern im Einsatz. Eine Einweisung und Praktikums-tage in den Bädern waren dem vorangegangen, schildert Weier.

Zu erkennen sind die Lotsen an ihren weißen bzw. grauen T-Shirts, auf denen zwei Hände sich zu einem Herz zusammenfinden. Das Logo steht auch für ein weiteres Projekt des städtischen Koordinationsbüros, das die Bäder-Lotsen überhaupt erst ermöglicht hat. Unter Organisation des Koordinationsbüros hat sich eine Gruppe von fünf Flüchtlingen zusammengefunden, die unter dem Titel „Help.the.helpers“ den Helfern helfen und damit etwas von dem zurückgeben wollen, was ihnen seit ihrer Ankunft in Hanau gegeben wurde. Die Helfer sind in der Gemeinschaftsunterkunft auf Sportsfield Housing zur Stelle, wenn ihr Einsatz als Dolmetscher oder Begleiter etwa beim Arztbesuch erforderlich ist oder es gilt, neu ankommenden Flüchtlinge zu empfangen. Hauptaufgabe der Helfer ist dabei die Kommunikation mit anderen Flüchtlingen, erläutert OB Claus Kaminsky. Erste gute Erfahrungen habe man bereits beim Einsatz des „Help.the.helpers“-Team während des Lamboyfests gemeinsam mit der Stadtpolizei gemacht. In den kommenden Tagen sollen zehn weitere Flüchtlinge in die Helfergruppe aufgenommen werden. Mit den Bäder-Lotsen konnte nun das erste große Projekt der Helfer-Gruppe präsentiert werden. Ihrem unermüdlichen Werben ist es nämlich zu verdanken, dass sich statt der erhofften 30 gar 80 Freiwillige gefunden haben, die hier gerne zu Integration beitragen und mithelfen wollen.

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„Die Flüchtlinge empfinden eine große Dankbarkeit dafür, wie sie hier aufgenommen wurden und sie haben den unbedingten Willen, etwas zurückzugeben“, so Kaminsky. Das „Help.the.helpers“- und das Bäder-Lotsen- Projekt böten ihnen hierzu die Gelegenheit. „Durch die verschiedenen Projekte, in die wir Flüchtlinge mit einbeziehen, wollen wir auch dem Wartefrust entgegenwirken“, schilderte Stadtrat Axel Weiss-Thiel. Und so freut sich auch Rozen Nakkashieh, dass sie künftig nicht nur als Dolmetscherin in der Flüchtlingsunterkunft, sondern auch als Bäder-Lotsin mit anpacken und helfen kann.

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