Flyer soll Fragen beantworten und Mut machen

Flüchtlingen ein Zuhause geben

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Steinheimer Bürger und Flüchtlinge sind jeden Mittwoch im Begegnungscafé „Welcome“ eingeladen, einander kennen und verstehen zu lernen.

Steinheim/Hanau - Eine eigene Wohnung ist nach der Erfahrung der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Steinheim (ÖFS) eine wichtige Basis für die Integration von Flüchtlingen. Von Laura Hombach 

Gleichzeitig, so die Beobachtung der ehrenamtlichen Helfer, werde es zunehmend schwerer, Wohnraum für die Flüchtlinge zu finden. Ein von der ÖFS erarbeiteter Flyer soll nun Vermietern Mut machen, geflüchteten Menschen Wohnraum anzubieten. „Wir haben in den letzten Monaten erlebt, dass es immer schwieriger wird, bezahlbaren Wohnraum für die Flüchtlinge zu finden“, erklärte Siegfried Jorda von der Ökumenischen Flüchtlingshilfe gestern bei der Präsentation des neuen Flyers. Wird das Asylrecht eines Flüchtlings anerkannt, ist er gehalten, die Sammelunterkunft zu verlassen und sich auf Wohnungssuche zu begeben. Eine Suche, die für Geflüchtete zusätzlich erschwert werde, weil die Vermieter meist eine Schufa-Auskunft, einen Beschäftigungsnachweis, eine Auskunft vom Vormieter und teilweise auch ein polizeiliches Führungszeugnis verlangten - alles Dinge, die ein Flüchtling eben nicht vorweisen könne. „Gleichzeitig gibt es aber noch leerstehende Wohnungen in Privatgebäuden“, so Jorda. Bei der ÖFS habe man sich deshalb die Frage gestellt, wie man diesen Wohnraum mobilisieren könnte. Die Antwort ist ein Flyer mit dem Titel „Flüchtlingen ein neues Zuhause geben“, den Jorda gemeinsam mit der ebenfalls in der ÖFS engagierten Susanne Lauterbach erstellt hat.

Hier erfahren potenzielle Vermieter alles Wissenswerte - von der Mietzahlung über rechtliche Fragen bis hin zur Berücksichtigung besonderer Vorstellungen des Vermieters, an wen er gerne vermieten möchte. Im Flyer finden sich auch Ansprechpartner aus dem Arbeitskreis „Asyl“ Hanau, in dem sich lokale Flüchtlingshilfe-Initiativen zusammengeschlossen haben, die gerne als Mittler fungieren und Fragen beantworten. Und auch im weiteren Prozess werden Vermieter und Flüchtlinge nicht allein gelassen. In Vorgesprächen mit Mitgliedern des Arbeitskreises Asyl kann genauer abgeklärt werden, welcher Mieter für die Wohnung in Frage käme, die Helfer sind bei der Wohnungsbesichtigung, dem Umzug und auch nach dem Einzug dabei und stehen als Ansprechpartner zur Verfügung.

Fluchterfahrungen von Prominenten und Künstlern

Um Wohnungssuchende und Vermieter möglichst passen zusammenzubringen, wird derzeit auch an einer Datenbank gearbeitet, in der Angebote und Gesuche aus ganz Hanau erfasst werden sollen. In der Liste verzeichnet sind auch die Paten des jeweiligen Wohnungssuchenden, die als Vermittler auftreten. Rund 20 Gesuche von Flüchtlingen (darunter auch Familien) lägen bereits vor, erklärt Lauterbach. Wohnungsangebote gäbe es indes noch keine. „Unsere Initiative ist aber auch mit der politischen Forderung verbunden, sich des Problems in einem größeren Maßstab anzunehmen“, sparte Lauterbach bei der Präsentation nicht mit Kritik an der Politik. Auch Pfarrerin Heike Zick-Kuchinke monierte die mangelnde Bereitschaft der Verantwortlichen, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Das ehrenamtliche Engagement werde zwar hoch gelobt, politisch reagiert werde aber vielmehr auf die Kritiker, die sich in den sozialen Netzwerken oder auf der Straße lautstark Gehör verschafften, erklärte Zick-Kuchinke mit Blick auf die Verschärfung des Integrationsgesetzes.

Bei aller Kritik lassen die Steinheimer Flüchtlingshelfer aber in ihrem Engagement nicht nach. Und so konnten sie gestern auch gleich noch ein zweites neues Projekt vorstellen: Jeden Mittwoch zwischen 15 und 17 Uhr sind Steinheimer Bürger und Flüchtlinge in das Begegnuscafé „Welcome“ in der Nikolaussstube des Jugendheims St. Nikolaus, Karlstraße 49, eingeladen. Bei Kaffee, Kuchen und Getränken soll Gelegenheit zum Kennen- und einander Verstehenlernen sein. Für die Kinder gibt es Spielmöglichkeiten.

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