Gesund durch Größe?

In Frankfurt und Hanau: Krankenhäuser setzen auf Fusion

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Anfang des Jahres wurden das städtische Klinikum Frankfurt in Höchst und die Kliniken des Main-Taunus-Kreises fusioniert.

Frankfurt - Das städtische Klinikum Frankfurt und die Kliniken des Nachbarkreises werden vereint. Es entsteht eines der größten kommunalen Krankenhäuser Hessens. Überall im Land werden und wurden solche Fusionen versucht – mit unterschiedlichem Ausgang. Von Sandra Trauner und dpa-Korrespondenten

In Kassel ist es geglückt, in Ost- und Südhessen hat es nicht geklappt – nun versucht man es im Rhein-Main-Gebiet: kommunale Kliniken, die Städten oder Landkreisen gehören, schließen sich zusammen. Gemeinsam wollen sie größer und damit wirtschaftlich erfolgreicher werden. Ein gutes Modell? Experten haben Zweifel, drücken aber die Daumen. Denn die Alternative lautet Privatisierung – und das wollen vor Ort die wenigsten. Anfang des Jahres wurden das städtische Klinikum Frankfurt in Höchst und die Kliniken des Main-Taunus-Kreises fusioniert. „Kliniken Frankfurt-Main-Taunus GmbH“ heißt die im März gegründete Dachgesellschaft, beide Partner setzen große Hoffnungen auf sie. „Wir haben uns fünf Jahre gegeben, um zu beweisen, dass wir auf die Füße kommen“, sagt Frankfurts Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Sie gibt aber auch zu, die beiden Häuser zu verzahnen sei „eine sehr ambitionierte Aufgabe“. Hessenweit gibt es an rund 50 Standorten Krankenhäuser in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft. Laut Klinikverbund Hessen versorgen sie etwa die Hälfte aller stationären Fälle im Bundesland. Viele haben wirtschaftliche Probleme und denken in die gleiche Richtung wie Frankfurt und der Main-Taunus-Kreis.

In Hanau etwa strebt das Krankenhaus eine Fusion mit dem Klinikum Aschaffenburg-Alzenau in Bayern an. Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) erhofft sich Vorteile für die Stadt: „Das stärkt unsere kommunalen Krankenhäuser und gibt uns Spielraum, dass sie sich medizinisch weiter entwickeln können.“ Pläne für einen osthessischen Klinikverbund hingegen sind im vergangenen Sommer geplatzt. Das Klinikum Fulda, das Klinikum Bad Hersfeld und das Kreiskrankenhaus Alsfeld hatten Gespräche geführt. Der Kreis Hersfeld-Rotenburg favorisierte dann aber eine kreis-interne Lösung und zog sich zurück. Ein in Mittelhessen geplanter Verbund ist bislang ebenfalls nicht zustande gekommen. Hier war ein Zusammenschluss der Lahn-Dill-Kliniken und des Gesundheitszentrums Wetterau angedacht. Gespräche darüber werden derzeit nicht mehr geführt, teilte der Lahn-Dill-Kreis mit.

Auch in Südhessen wird schon länger überlegt, ob das Klinikum Darmstadt und die Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg fusionieren. Das Bundeskartellamt hat grünes Licht gegeben – zusammengetan haben sich die Häuser trotzdem noch nicht. Die Beteiligten hätten „derzeit andere Prioritäten“, sagt eine Sprecherin der Kreiskliniken, „was nicht heißt, dass die Pläne vom Tisch sind.“ In Nordhessen ging schon 2002 aus dem Klinikum Kassel der kommunale Krankenhauskonzern Gesundheit Nordhessen (GNH) hervor. Mittlerweile gehören dazu vier Krankenhäuser sowie Seniorenwohnanlagen und Reha-Zentren. Der Konzern gehört zu 92,5 Prozent der Stadt, der Landkreis hält 7,5 Prozent. 2015 wurde das Geschäftsjahr zum siebten Mal nacheinander mit einem Millionengewinn abgeschlossen.

In Frankfurt hingegen schießt die Stadt seit Jahrzehnten Millionen zu, um die Bilanz auszugleichen. „Strukturelles Defizit“ nennt Heilig das. „Das Klinikum hatte sich daran gewöhnt, dass die Stadt schon zahlt, alle Wünsche wurden erfüllt“, sagt die Dezernentin. „Diese Zeit ist endgültig vorbei.“ Dorothea Dreizehnter führt seit Februar die Geschäfte in Höchst. Kommunale Trägerschaft, „das schreckt mich überhaupt nicht“, sagte die Klinikmanagerin. Zwar gebe es drei „Baustellen“: den Neubau, das Defizit und die Fusion, aber: „Wir werden es schaffen, das Potenzial dieses Hauses zu heben.“

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Der Gesundheitsökonom Thomas Busse ist da nicht so sicher: „Die Grundidee ist gut“, sagt der Professor für Gesundheits- und Pflegemanagement der Frankfurt University. Er hoffe sehr, dass es funktioniert, „aber ich habe da große Zweifel“. Es gebe viele Hürden: zu viel Einfluss der Politik, zu unterschiedliche Strukturen, zu viel Konkurrenz, und auch das Warten auf den Neubau sei „eher ein lähmender Faktor“.

„Wir haben nichts gegen die Fusion“, sagt Betriebsratsvorsitzende Margarete Wiemer, „medizinisch kann das eine Bereicherung sein“. Aber man müsse sich auch darüber im Klaren sein, „die Fusion wurde nicht in die Wege geleitet, um die Patientenversorgung zu verbessern. Das Ziel ist die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit. Alles andere ist nachrangig – und das ist problematisch.“

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