Rotpelze streifen durch Wohngebiete rund um Burggarten

Füchse ohne Scheu auf der Terrasse

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In vielen Städten sind Füchse mittlerweile in Wohngebieten zu beobachten. So auch in Steinheim. Das Bild der Jungfüchse entstand auf einer Terrasse am Kreuzweg.

Steinheim - Das Lied „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ ist in Steinheim offenbar wahr geworden. Im Burggartengelände ist eine bis zu sechsköpfige Fuchsfamilie Zuhause. Von Holger Hackendahl 

Doch die neugierigen Rotpelze beschränken sich nicht auf das buschige, mit Gräben durchsetzte Feuchtgebiet, sondern ziehen auch durchs benachbarte Wohngebiet. Dabei fiel ihnen wohl auch bereits Federvieh zum Opfer. Große Scheu vor Menschen zeigen die Füchse beim ihren Streifzügen durch die Nachbarschaft nicht. „Ich bin mit meinem Hund Gassi gegangen und habe beobachtet, wie ein Fuchs am helllichten Tag auf der Straße entlang lief und dann in einem Garten verschwand“, berichtet Anwohnerin Margarete Neef. „Morgens zwischen 8 und 10 Uhr sind sie die Füchse da und kommen ohne Scheu bis vor die Terrassentür. Im Garten müssen wir regelmäßig ihre Hinterlassenschaften wegmachen“, sagt ein Anwohner des Kreuzwegs. Und mancher sieht das Treiben auch mit Unbehagen. Zum einen, weil die Übertragung von Tollwut und den für den Mensch gefährlichen Fuchsbandwurm befürchtet wird; zum anderen, weil offenbar bereits Haustiere getötet wurden.

„Wir haben zwei Laufenten und zwei Hühner, die den ganzen Tag im Garten sind. Ich habe gesehen, wie ein Fuchs nur noch einen Meter vom Huhn weg war und das Huhn plötzlich panikartig geschrien hat. Es war wohl ein junger Fuchs, etwas größer als eine Katze“, erzählt Anwohner Arnd Gritzka aus der Eppsteinstraße. Er setzt nun auf Abschreckung. Wenn die Enten und Hühner im Garten sind, schaltet er ein Radio an. Seitdem habe er kaum noch Füchse in der Nähe seines Gartens gesehen. „Vor zwei Jahren sind innerhalb von drei Tagen eine Streifengans, eine Nonnengans und eine Schneegans von unserem Gartenteich verschwunden, obwohl das Grundstück zum Burggarten hin mit einer höheren Mauer umgeben ist“, berichtet Waltraud Krämer aus der Schönbornstraße. „Unser Garten war übersät mit Federn. Zu ihrer Sicherheit haben wir die übrigen Tiere weggegeben.“ Und auch Reiner Bohländer glaubt, dass hinter dem Verschwinden einer Ente und eines Huhns während eines Gastspiels des „Hanauer Weihnachtszirkuses“ die Füchse stecken.

„Wir können da nichts machen. Füchse dürfen im Burggarten nicht bejagt werden. Das Gebiet liegt innerorts und ist somit ein befriedeter Bezirk“, sagt Christian Schaefer, Leiter des Forstamts Wolfgang. „Füchse haben in Gärten und Parkgeländen eigentlich ein herrliches Leben. Sie haben keinen Stress und müssen sich höchstens mit Hunden auseinandersetzen, aber die kriegen sie nicht.“ Der Fuchs sei ein Kulturfolger, der auch in die Außenbereiche größerer Städte eindringe, sich der Zivilisation anpasse und „seine Nische gefunden“ habe. Schaefer: „Füchse wissen ganz genau, dass Menschen für sie ungefährlich sind und sie nur bei Hunden die Fluchtdistanz einhalten müssen.“ Der Forstamtsleiter beruhigt zugleich in Sachen Tollwut-Angst: „Tollwut, für die Füchse die Hauptüberträger waren, ist in Deutschland seit mehr als zehn Jahren ausgerottet.“

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Theoretisch, so der Forstamtsleiter, könnte man versuchen, die Füchse im Burggarten mit Lebendfallen zu fangen. Aber das würde allenfalls den Bestand reduzieren. Alle Füchse würde man wohl nicht bekommen und da die Lebens- und Nahrungsbedingungen für Füchse im Burggarten ideal sind, würde es dort wohl auch rasch wieder Nachwuchs geben. „Natürlich sind der Fuchsbandwurm und andere Parasiten prinzipiell eine Gefahr. Der Fuchsbandwurm ist eine melde-, aber keine anzeigepflichtige Tierkrankheit“, erläutert Tierarzt Elias Bauer vom Veterinäramt Gelnhausen. Man sollte deshalb Hygiene walten lassen und in Gärten die Hinterlassenschaften der Füchse beseitigen. „Niedrig hängende Beeren könnten mit dem Fuchsbandwurm infiziert sein. Je tiefer die Früchte hängen, umso eher könnten Eier des Fuchsbandwurms daran haften,.“ warnt Elias. Umso mehr gelte es, Beeren vor dem Verzehr gründlich zu waschen. Auch rät Bauer davon ab, Füchse zu füttern. Dann wachse die Population noch mehr.

Auf Sicht problematischer sei allerdings der Waschbär, der sich auch in unserer Region immer mehr ausbreitet und ebenfalls ein Kulturfolger ist. Elias Bauer: „Der Waschbär kann nicht nur den Fuchsbandwurm, sondern auch den Waschbärspulwurm verbreiten. Zudem lebt er , dreidimensional’, weil er anders als der Fuchs auch die Bäume hochklettert.“

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