Städtische BeteiligungsHolding legt Bilanz 2015 vor:

Geringstes Defizit seit 2010: Unterm Strich 1,2 Millionen Euro Minus

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Hanau - „Die Richtung stimmt,“ meint Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). Doch zu einem ausgeglichenen Konzernergebnis hat es auch 2015 nicht gereicht. Von Dirk Iding 

Die städtische BeteiligungsHolding Hanau GmbH (BHG) hat das vergangene Geschäftsjahr mit einem Minus von 1,2 Millionen Euro abgeschlossen. Das ist das geringste Defizit seit 2010. Damals hatte die BeteiligungsHolding, unter deren Dach die Stadt Hanau all ihre wirtschaftlich tätigen Unternehmen - von den Stadtwerken über das Klinikum bis hin zu den Bädern und dem Hafenbetrieb - zusammengeführt hat, noch einen Jahresverlust von fast sieben Millionen Euro ausgewiesen. Dieses Defizit wurde in der Folge von Jahr zu Jahr geringer und konnte auch in 2015 weiter abgebaut werden, wie Oberbürgermeister Kaminsky gestern bei der BHG-Bilanzpressekonferenz gemeinsam mit den Stadträten Axel Weiss-Thiel (SPD) und Andreas Kowol (Grüne) sowie BHG-Geschäftsführer Ewald Desch mitteilte. Insgesamt 18 Unternehmungen, an denen die Stadt zu 100 Prozent oder anteilig beteiligt ist, firmieren unter dem Dach der Beteiligungsholding. Darunter Konzernschwergewichte wie die Stadtwerke, das Klinikum oder die Baugesellschaft, aber auch kleinere Gesellschaften wie die Hanau Grün GmbH, die Marketing GmbH oder die Wirtschaftsförderung GmbH.

„Die insgesamt sehr erfreulichen Bilanzzahlen zeigen, dass in allen Bereichen der Unternehmung Stadt sehr solide und erfolgreich gewirtschaftet wird,“ fasste OB Kaminsky, der auch BHG-Aufsichtratsvorsitzender ist, zusammen. Das geringste Defizit seit 2010 sei umso bemerkenswerter, wenn man die hohe Investitionssumme von 38 Millionen Euro bedenke, die insbesondere im Zusammenhang mit dem Innenstadt-Umbau geflossen sei.

Ziel ist es im Prinzip, mit den in einigen Unternehmungen erzielten Gewinnen, allen voran denen der Stadtwerke, die großen „Verlustbringer“, Hanauer Straßenbahn GmbH mit einem Jahresdefizit von vier Millionen Euro und die Hanauer Bäder GmbH, die 2,9 Millionen Euro Miese machten, zu finanzieren. Das ist auch in 2015 nicht ganz gelungen, so dass die Stadt aus Steuermitteln der BHG 1,5 Millionen Euro überweist, die zu 100 Prozent in die Kapitalrücklage des Stadtkonzerns fließen. Da der „Zuschuss“ aus der Stadtkasse in 2015 höher ausfiel als der Konzernverlust, konnte so das Eigenkapital der BHG um rund 300.000 Euro auf jetzt 39,5 Millionen Euro gestärkt werden. Künftig, so sieht es die Koalitionsvereinbarung des „Kleeblatts“ vor, soll die BeteiligungsHolding eine jährliche Einzahlung in Höhe von 1,5 Millionen Euro aus der Stadtkasse zur Sicherung ihres Eigenkapitals bekommen. Aus Sicht von Kaminsky ist das „gut angelegtes Geld der Bürger“, für das sie einen überdurchschnittlich guten Busverkehr und zwei attraktive Schwimmbäder bekämen.

Hierfür verschwendet der Staat unsere Steuergelder

Das jährliche Konzernergebnis steht und fällt mit dem Jahresergebnis der Stadtwerke. Zwar tragen auch andere Unternehmungen wie die Hanauer Baugesellschaft, die zuletzt ein Plus von rund 900.000 Euro erwirtschaftete, die Hanau Hafen Gesellschaft mit 700.000 Euro Gewinn oder die Hanauer Parkhaus GmbH, die 300.000 Euro Überschuss erzielte, zum Gesamtergebnis bei, doch entscheidend ist die Bilanz der Stadtwerke. Und die machten in 2015 einen Gewinn von knapp 7,5 Millionen Euro, wovon allerdings 2,5 Millionen Euro als Dividende direkt an den Anteilseigner Mainova flließen. Damit konnten die Stadtwerke ihren Gewinn leicht um rund 100.000 Euro gegenüber 2014 steigern - und das obschon die Umsätze insgesamt um rund 8,1 Prozent zurückgegangen sind. Es machten sich vor allem die fallenden Energiepreise in der Umsatzbilanz bemerkbar. Ein Verlustbringer im vergangenen Jahr war auch das Klinikum Hanau, das ein Defizit von rund 400.000 Euro einfuhr, das damit allerdings deutlich geringer ausfiel als in 2014, als der Klinikbetrieb noch 930.000 Euro Miese machte.

Mit 2,92 Millionen Euro Verlust bewegte sich das Defizit der Hanauer Bäder im vergangenen Jahr auf dem Niveau der Vorjahre. In diesem Zusammenhang kündigte Bäder-Aufsichtsratschef Axel Weiss-Thiel an, dass man nicht umhin komme, die Eintrittpreise für die Hanauer Schwimmbäder zum 1. Oktober um fünf Prozent anzuheben. Die Eintrittskarten für Erwachsene werden dann 4,10 Euro statt wie bisher 3,90 Euro kosten, Kinder zahlen künftig 2,30 Euro statt 2,10 Euro. Entsprechend würden auch die Preise für die Mehrfachkarten erhöht, kündigte der Stadtrat an. Insgesamt rund 2 600 Menschen sind in den städtischen Unternehmungen beschäftigt. Damit ist der „Konzern Stadt Hanau“ auch einer der größten Arbeitgeber in der Brüder-Grimm-Stadt.

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