Es gibt immer weniger Schmetterlinge und Arten

Das große Flattern bleibt aus

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Der Admiral gehört zu den noch etwas häufiger vertretenen Tagfalterarten in unserer Region, hier beobachtet an blühendem Efeu im Steinheimer Schlossgarten.

Hanau - Schmetterlinge gelten als „Perlen der Insektenwelt“. Doch in diesem Sommer flattern deutlich weniger durch die Lüfte. Blüten in Gärten und auf Wiesen warten oft vergeblich auf die bunten Sommerboten. Auch die Artenvielfalt nimmt ab. Experten machen nicht nur das Wetter dafür verantwortlich. Von Holger Hackendahl

„Es ist leider so, dass sich bei den Falterarten, etwa dem Schwalbenschwanz, etwas verschoben hat. Durch das kühle und verregnete Frühjahr war vieles anders“, hat Joachim Steudel, ein in Klein-Auheim wohnender Schmetterlingsfachmann bei seinen Rundgängen zum Beispiel auf dem Gailenberg an der Gemarkungsgrenze zwischen Steinheim und Lämmerspiel festgestellt. Das NABU-Mitglied ist Schmetterlingskenner schon seit Kindertagen. „Das braun gebänderte Ochsenauge ist auf jeden Fall da, man kann es dort gut beobachten und fotografieren“. Der Schachbrettfalter komme in diesem Sommer hingegen weniger vor. „Und Bläulingsarten sind nicht all zu viele unterwegs, der Aurorafalter ist auf dem Gailenberg hingegen gut vertreten.“ Schlecht bestellt sei es um den kleinen und großen Fuchs; auch der gelb-schwarz gemusterte Schwalbenschwanz ist nur noch selten zu beobachten. Das gilt auch für das Taubenschwänzchen, das wegen seines schnellen Flügelschlags an einen Kolibri erinnert und das aus Südeuropa über die Alpen einwandert ist, berichtet Steudel.

Der Grund: Manche Raupen haben sich witterungsbedingt später entwickelt, sich folglich später verpuppt. Ungeachtet dessen: „Es werden von Jahr zu Jahr weniger Schmetterlinge. Aber diesmal sind es besonders wenige“, sagt Steudel. Das Frühjahr ist quasi ausgefallen, lange hielt sich die kühl-feuchte Witterung - das ist alles andere als schmetterlingsfreundlich. In den Sommertrockengebieten in Unterfranken, die Steudel zur Beobachtung von Tagfaltern oft besucht und wo es im Mai und Juni ansonsten von Schmetterlingen wimmelt, habe er diesmal „lange suchen müssen und nur selten welche gefunden.“ Als problematisch sieht es der Experte an, dass in der heimischen Feldgemarkung so oft gemäht wird. „Es ist einfach nichts mehr da, worauf die Schmetterlinge ihre Eier ablegen können.“ Man sollte nicht dreimal im Jahr, sondern - wie früher - nur einmal mähen, schlägt er vor.

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In den letzten 200 Jahren ist in Deutschland ein deutlicher Rückgang von Schmetterlingsarten zu verzeichnen, haben Wissenschaftler des Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts in Müncheberg herausgefunden. Waren es 1840 noch 117 Arten, so flatterten 2013 nur noch 71 verschiedene Tagfalter im Untersuchungsgebiet. Als bedrohende Faktoren nennen die Wissenschaftler die Intensivierung der Landschaft, den Klimawandel sowie die Belastung durch Stickstoff.

Steudel macht die Luftverschmutzung als einen Problemfaktor aus. „Die Schadstoffbelastung Luft ist massiv“, vermutet er einen weiteren Grund für den Rückgang der Schmetterlings-Population. Er hat festgestellt: „Wo früher 30 Schmetterlinge waren, sind es heutzutage nur noch fünf.“ Allerdings könnten bald doch noch ein paar Schmetterlinge mehr auftauchen, meint Steudel. Der Witterung zum Trotz. Denn manche Falterarten bilden im Jahr eine zweite Generation.

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