Siegfried Jorda unterstützt Flüchtlinge

„Es gibt keine Alternative“

+
Setzt sich unermüdlich für die Belange von Flüchtlingen ein, etwa in der Korrespondenz mit Ämtern und Behörden: Für den Steinheimer Siegfried Jorda ist Solidarität nicht nur ein Wort.

Steinheim - Für Siegfried Jorda ist die Willkommenskultur in Deutschland längst nicht tot. Nach wie vor gebe es viele Menschen, die sich ehrenamtlich um Flüchtlinge und deren Integration kümmerten. Von Dirk Iding

Nur produziere diese Hilfe nicht mehr all die bunten Bilder, die vor gut einem Jahr die Welt beeindruckten, als Asylsuchende mit Beifall und Kuscheltieren an deutschen Bahnhöfen empfangen wurden. Heute finde Flüchtlingshilfe mehr im Hintergrund statt. Siegfried Jorda war von Beginn an dabei, als sich aus einer Initiative, die ursprünglich mit „Stolpersteinen“ die Erinnerung an die jüdischen Opfer des NS-Regimes in Steinheim wachhalten wollte, die Ökumenische Flüchtlingshilfe Steinheim entwickelte. Heute zählt die Initiative rund 30 ehrenamtliche Unterstützer, von denen etwa die Hälfte aktive Flüchtlingshelfer sind.

Einer von ihnen ist der 66-jährige Siegfried Jorda, der sogleich betont: „Eine 100 Prozent-Betreuung eines Flüchtlings durch einen Helfer gibt es nicht. Das Ganze ist immer auch Teamarbeit.“ Gleichwohl ist das individuelle Engagement des ehemaligen Vorsitzenden der Interessensgemeinschaft Steinheimer Altstadtbewohner und früheren SPD-Ortsbeiratmitglieds für Flüchtlinge beeindruckend.

Jorda kümmert sich als Pate um die Belange von aktuell fünf Flüchtlingen, hilft ihnen bei Problemen mit Ämtern und Behörden, bei der fast aussichtslosen Suche nach Wohnungen, bei Schwierigkeiten mit der Krankenkasse, begleitet sie zu Ärzten oder Anwälten. Auf „durchschnittlich rund 20 Wochenstunden“ schätzt der 66-Jährige den zeitlichen Einsatz für „seine“ Flüchtlinge – ein Einsatz, der auch manchmal frustriert.

Etwa wenn einer seiner Schützlinge mal wieder zwischen die Mühlen der Bürokratie gerät, zuständige Mitarbeiter in der Verwaltung mitunter über Tage nicht erreichbar sind, es an der Kommunikation beispielsweise zwischen dem Kommunalen Center für Arbeit und der Arbeitsagentur hapert oder gut gemeinte Hilfsangebote völlig ins Leere laufen. So wie bei dem Schützling Jordas, den man in einen Kurs steckte, in dem er Bewerbungen schreiben üben sollte – und das als Analphabet. „Es hat ewig gedauert, bis dieser Mann endlich einen Alphabetisierungskurs bekam,“ so Jorda.

Dabei will der Steinheimer Flüchtlingshelfer den einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Verwaltungen von Stadt, Kreis und Arbeitsagentur keinen Vorwurf machen. Die Stellen seien häufig unterbesetzt und mit der Vielzahl der Fälle deshalb oft überfordert. Allerdings ärgere es ihn, wenn die Behörden untereinander so schlecht vernetzt seien, dass mitunter die eine nicht wisse, was die andere tue.

Zeit seines Lebens sei es ihm ein Anliegen gewesen, sich für die Gemeinschaft einzusetzen, sagt Siegfried Jorda zu seiner Motivation, sich derart zu engagieren. Dieses Bedürfnis, dem Staat etwas zurückgeben, habe sich noch verstärkt, seitdem er vor zehn Jahren aufgrund seiner Parkinson-Erkrankung in den Vorruhestand gehen musste, erzählt der Steinheimer. Hinzu komme, dass seine Eltern selbst Flüchtlinge aus dem Sudetenland waren und sich hier eine neue Heimat aufbauen mussten und ihn deshalb das Elend der heutigen Flüchtlinge nicht kalt lasse.

Doch sein Engagement bringt dem Steinheimer nicht nur Sympathien ein. „Mancher aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis kann meine Arbeit überhaupt nicht verstehen oder lehnt sie sogar offen ab“, erzählt er. Das gehe hinein bis in die Familie. Doch für den 66-Jährigen steht fest: „Wir müssen Flüchtlinge bei ihrer Integration unterstützen. Das ist letztlich auch in unserem eigenen Interesse.“ Denn eines sei klar: „So hoch können Mauern und Grenzzäune nicht sein, dass sie die Flüchtlinge nicht irgendwann überwinden, wenn sich an den Fluchtursachen nichts ändert.“ Die Integration der Schutzsuchenden sei eine Aufgabe, „der wir uns gar nicht entziehen können, selbst wenn wir es wollten.“

Und an der Bewältigung dieser Aufgabe werde er sich weiter beteiligen, so lange es seine Kräfte zulassen, sagt Jorda. Von der Gesellschaft erhoffe er sich, dass eine Mehrheit anerkennt, „dass die Flüchtlingspolitik von Frau Merkel im Prinzip richtig ist und es dazu auch keine wirkliche Alternative gibt“. Und der 66-Jährige setzt darauf, dass es noch mehr Menschen gibt, die sich für Flüchtlinge einsetzen möchten. Wer sich dafür interessiert, kann unter der E-Mail-Adresse rs.jorda@t-online.de Kontakt mit Siegfried Jorda und der Flüchtlingshilfe Steinheim aufnehmen.

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion