Tradition des Weinanbaus in Hanau

Grauburgunder aus Kesselstadt

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Auf einem Gartengrundstück zwischen Schloss Philippsruhe und Dörnigheim reifen an rund 300 Weinstöcken die Trauben für den Wein aus Kesselstadt. In dessen Genuss kommen allerdings nur die Paten des Weinbergs, denn vermarktet werden darf der Hanauer Rebsaft nicht.

Hanau - Fisch und Wein gingen schon immer gut zusammen. Kein Wunder also, dass auch der Weinanbau im ehemaligen Fischerdorf Kesselstadt, dem ältesten Hanauer Ortsteil, eine Jahrhunderte alte Tradition hat. Von Dieter Kögel 

Der Hanauer Geschichtsverein hat die wieder aufleben lassen und kultiviert auf einem Gartengrundstück zwischen dem Schloss Philippsruhe und Dörnigheim seit 2009 einen kleinen „Weinberg“ mit rund 300 Weinstöcken. Das Gewächs ist ein „Ruhländer,“ aus dem ein durchaus „trinkfähiger“ Grauburgunder gewonnen wird, wie Peter Geibel von der Arbeitsgemeinschaft Kesselstädter Weinberg im Hanauer Geschichtsverein sagt. Rund 30 Interessierte nutzten beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag die Möglichkeit, sich über die Historie und die Gegenwart des Hanauer Weinanbaus zu informieren. Erhard Bus vom Hanauer Geschichtsverein hat sich schon vor vielen Jahren schlau gemacht, wusste vieles zu berichten. Auch die Tatsache, dass der Weinanbau gemäß bürokratischer Richtlinien nur dort erlaubt wird, wo er schon einmal stattgefunden hat. Alte Aufzeichnungen über Rechnungen für den Weinausschank in Altkesselstadt „sind ein Indiz dafür, aber noch kein Beweis“, so Bus. Den Beweis fand er erst beim Studium in den Akten des Marburger Staatsarchivs im Rahmen eines aufgezeichneten Vorgangs aus dem 18. Jahrhundert, in dem über die Umwidmung der Kesselstädter Weinberge Buch geführt wird.

Erhard Bus vom Hanauer Geschichtsverein erläuterte Besuchern am Tag des offenen Denkmals Historie und Gegenwart des Hanauer Weinanbaus.

Davor, und vor der Errichtung von Schloss Philippsruhe, haben die Weinanbauflächen in Kesselstadt wohl „bis zum heutigen vergoldeten Tor des Schlosses Philippsruhe gereicht“, vermutet auch Geibel. Und die Stadt Hanau war guter Kunde bei den Kesselstädter Winzern. Der Wein, er war gleichsam auch Zahlungsmittel. Sechs Liter des Kesselstädter Weines gab es für das Herausbrechen der Hauer eines Ebers, mit anderen Maßeinheiten wurden die damaligen Gemeinschaftsaufgaben wie das Säubern von Brunnen und ähnlichem vergütet. Und schließlich, so Bus, mischte man dem Trinkwasser auch eine gehörige Portion Wein zur Desinfektion bei. „Das Wasser war schmutzig.“ Wie gut, dass Kesselstadt seine Weinberge hatte und auch Qualität hervorbrachte, wie Reformator Erasmus Alberus Anfang des 16. Jahrhunderts bereits feststellt: „Viel guts Weins wächst im hanauischen Lande.“

Die „kleine Eiszeit“ allerdings sorgte für eklatante Einbußen im Weinbau, und im 19. Jahrhundert führten Rebkrankheiten zur „Auflassung“ der Kesselstädter Weinberge. Die Belege über diese Auflassung sind es, die den Weinanbau in Kesselstadt juristisch statthaft nachweisen und den Grundstein dafür gelegt haben, dass heute wieder offiziell Wein in Kesselstadt wachsen darf.

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Mit 99 Weinstöcken hat der Feldversuch auf dem rund 1 500 Quadratmeter großen Grundstück in Kesselstadt 2009 begonnen. Mittlerweile sind es rund 300 Weinstöcke. Für jeden gibt es einen Paten, der die Pflege mit 50 Euro jährlich unterstützt. Als Lohn winkt die Ernte, vergoren und in Flaschen gefüllt. Denn vermarktet werden darf der Kesselstädter Grauburgunder nicht. Nicht mal das Verschenken ist per Gesetz erlaubt, nur der Eigenbedarf darf bedient werden. Im vergangenen Jahr, so Geibel, konnten sich die Paten über eine recht reiche Ausbeute freuen. In diesem Jahr sieht es anders aus. Der falsche Mehltau hat dem Weinberg arg zugesetzt. Vorsorge mit Spritzungen nutzte nichts. „Der Regen hat das gleich wieder weggewaschen.“ Natur eben, die nach ihren eigenen Regeln spielt. Dennoch kein Grund für den Geschichtsverein, groß zu jammern.

Der Feldversuch Weinbau in Kessselstadt, er wird weitergehen. Allerdings sei es Zeit, so sagt Geibel, dass sich der Kreis derer, die den Weinberg betreuen, etwas verjüngt. Neue Paten werden gesucht, neue Aktive, die auch einmal in der Woche an einem Nachmittag die notwendigen Pflegearbeiten im Kesselstädter Wingert übernehmen. Alleine sind sie dabei nicht. Fachleute aus den fränkischen Weinbaugebieten unterstützen das Projekt.

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