Tanz in der Hafenkneipe

Im Hafentor soll Begegnungsstätte mit Gaststätten-Charakter entstehen

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Mit günstigen Quadratmeterpreisen werden im Hafentor und an der Westerburgstraße Mieter belohnt, die ihre Wohnung in Eigenleistung renovieren. Jetzt soll hier auch eine Begegnungsstätte für die Öffentlichkeit entstehen.

Hanau - Vom ungewöhnlichen Wohnkonzept am Hanauer Hafentor haben sich bereits einige begeistern lassen. Die Hanauer Baugesellschaft vermietet die Wohnungen zu günstigen Quadratmeterpreisen, wenn der Mieter in Eigenleistung renoviert. Nun soll in dem Gebäudekomplex auch ein Raum für die Öffentlichkeit entstehen. Von Dieter Kögel 

Dafür stehen in dem ehemals vom Gehörlosenverein genutzten Raum im Erdgeschoss des Hafentors an der Westerburgstraße große Veränderungen an. Die Interessengemeinschaft Hafentor, der unter anderem der Verein Barbizz zur Förderung der soziokulturellen Strukturen, das KUZ Hanau, die IG Hanau rockt und Bewohner von Westerburgstraße und Hafentor angehören, wird den Raum in absehbarer Zeit in Abstimmung mit der städtischen Hanauer Baugesellschaft als Eigentümerin herrichten. Eine Art „Hafenkneipe“ soll es werden, sagt Gregor Wilkenloh, Mitglied der Interessengemeinschaft Hafentor und selbst auch Bewohner der ersten Stunde.

Rund 80 Quadratmeter groß ist der Raum. Brandschutzdecken hat die Baugesellschaft ebenso eingebracht wie einen Notausgang zur Westerburgstraße hin geschaffen, so dass der öffentlichen Nutzung nichts mehr im Wege steht. Bis auf das Geld. Denn auch für diesen Raum gilt die günstige Quadratmetermiete, wenn dafür die Eigenleistung erbracht wird. Dazu ist die Interessengemeinschaft Hafentor durchaus bereit. Theken-Elemente aus dem Bestand des KUZ Hanau stehen schon bereit, auch das Mobiliar aus der ehemaligen Barbizz-Lounge an der Lamboystraße könnte genutzt werden.

Jetzt muss aber erst einmal Farbe an die Wände. Kleines Problem dabei: Die Finanzierung. „Vielleicht findet sich ja ein Spender“, hofft Wilkenloh, der dann auch Dienst in der Begegnungsstätte mit Kneipencharakter tun wird. Jedenfalls hofft man, spätestens ab September den Regelbetrieb dort aufnehmen zu können, um Anwohnern und interessierten Gästen einen verlässlichen Treffpunkt anbieten zu können - ob für den morgendlichen Kaffee oder den abendlichen Schoppen.

Gregor Wilkenloh und Lucas Schobert (rechts) engagieren sich, um im Hafentor eine Begegnungsstätte entstehen zu lassen.  

„Es soll sich entwickeln“, sagen Gregor Wilkenloh und Lucas Schobert vom KUZ Hanau. Die zunächst weiß geplanten Wände, sie müssen nicht weiß bleiben. Aufgebrachte Graffiti seien ebenso denkbar wie die Gestaltung mit Objekten, am liebsten solche, die den Bezug zum nahen Hafen augenfällig herstellen. „Wir sind da offen für die verschiedenen Anregungen“, sagen die Beiden. Denn die Nutzer des Angebots sollen sich in dem Raum wiederfinden und wohlfühlen können. Er soll Teil eines Wohnumfelds werden, das sich durch das neue Konzept auch langsam verändert. „Man begegnet sich meist nur im Treppenhaus“, so Wilkenloh. In der künftigen „Hafenkneipe“ könne man sich dann auch mal gemütlich zusammensetzen. Auch bei Lesungen oder kleinen Konzerten im Rahmen der Veranstaltungsreihe „KUZ geht aus“. Doch sowie der Raum nutzbar ist, werden zunächst einige ältere Damen aus dem Quartier auf ihre Kosten kommen, die sich schon jetzt auf einen Schlagernachmittag und Tanztee im künftigen Treff freuen. Der Nachmittag ist bereits versprochene Sache.

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Die in den 20er Jahren erbaute Wohnanlage an der Westerburgstraße gilt seit langem als schwierige Immobilie. Über 20.000 Fahrzeuge rauschen täglich an der rund 200 Meter langen Gebäudezeile mit rund 160 Wohnungen mit knapp 10.000 Quadratmetern Wohnfläche vorbei, dazu kommen Lärm der Einflugschneise und der gegenüberliegenden Bahnlinie. Nichts für lärmempfindliche Gemüter. Doch das neue, seit zwei Jahren propagierte Konzept für das dortige Wohnen und Arbeiten scheint zu greifen, nachdem die Baugesellschaft 1,4 Millionen in die Sanierung des Gebäudes gesteckt hat. Unter anderem wurden die Eingänge von der Westerburgstraße auf die Gebäude-rückseite verlegt. Ein Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung der alten Portale ist bereits abgeschlossen. Ab September sollen die von einer Jury ausgewählten Arbeiten zunächst ausgestellt werden, ehe die Realisierung im kommenden Jahr erfolgt.

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