Hanau hofft auf volle Erstattung

Flüchtlingskosten: 1,6 Millionen Euro sind noch ungedeckt

Hanau - Für die Unterbringung, Versorgung und Integration von Flüchtlingen gibt die Stadt Hanau in diesem Jahr möglicherweise mehr Geld aus, als sie von Land und Bund zurückerstattet bekommt.

Hanaus Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) nannte in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses der Stadtverordnetenversammlung aktuelle Prognosezahlen zu den Flüchtlingskosten im Jahr 2016. Danach geht die Stadt Hanau momentan von Kosten in einer Gesamthöhe von rund 17,1 Millionen Euro für die Betreuung der ihr zugewiesenen Flüchtlinge aus. Land und Bund übernähmen davon bislang aber nur rund 15,5 Millionen Euro. Das bedeutet, dass die Stadt etwa 1,6 Millionen Euro aus der eigenen Kasse dazugeben müsste. Das, so Weiß-Thiel, sei kein Betrag, den sich Hanau auf Dauer leisten könne. Insbesondere bei der Unterbringung von Flüchtlingen in der kommunalen Unterkunft auf Sportsfield Housing und beim Personaleinsatz gibt es nach Angaben des Sozialdezernenten deutliche Mehrkosten, die bislang nicht erstattet werden. Gleiches gelte für die schulische und vorschulische Betreuung von Flüchtlingskindern.

Gleichwohl zog Weiß-Thiel im Sozialausschuss gut ein Jahr nach dem bisherigen Höhepunkt der Flüchtlingskrise eine insgesamt positive Bilanz der Flüchtlingshilfe in der Brüder-Grimm-Stadt: „Wir können durchaus stolz auf die bisher geleistete Arbeit sein.“ Zur Zeit leben 1 052 Flüchtlinge in der Brüder-Grimm-Stadt, die von der Stadt Hanau versorgt werden. Davon 725 Frauen, Männer und Kinder in der kommunalen Flüchtlingsunterkunft auf Sportsfield Housing. Weitere 327 Personen, vorwiegend Familien, sind dezentral in Wohnungen im gesamten Stadtgebiet untergebracht. Weitere 111 Flüchtlinge, die ebenfalls in Hanau leben, werden vom Main-Kinzig-Kreis betreut.

Unter den Flüchtlingen sind auch 113 so genannte „umA“ (unbegleitete minderjährige Asylbewerber), die in die Zuständigkeit des Hanauer Jugendamtes fallen und in verschiedenen Jugendhilfeeinrichtungen und Pflegefamilien leben, unter anderem im ehemaligen Kreiskinderheim an der Steinheimer Schönbornstraße, wo das Christliche Jugenddorf 20 „umA“ betreut. Mit über 430 Personen stellen die Afghanen die größte Gruppe der in Hanau lebenden Flüchtlinge, gefolgt von den Syrern (288).

Flüchtlingsunterkunft: Eindrücke aus der Schärttner-Halle

Nach wie vor groß sei die Hilfsbereitschaft aus der Hanauer Bevölkerung, hieß es im Sozialausschuss der Stadtverordnetenversammlung. So hätten sich allein auf der online-Plattform www.hanau-engagiert.de 130 Menschen als offizielle Helfer der Stadt Hanau registriert. Sie engagieren sich ehrenamtlich vor allem als Willkommens- und Sprachlotsen oder als Kinderbetreuer in Spielkreisen. „Einen signifikanten Abbruch der Hilfsbereitschaft konnten wir nicht registrieren, die meisten Helfer sind seit gut einem Jahr engagiert“, hieß es dazu von Seiten der Stabsstelle Asyl. (did)

Bilder: Umgang mit Flüchtlingen in der Region

Rubriklistenbild: © dpa

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