Schnellzuglok kehrt nach 70 Jahren ins Bahnbetriebswerk zurück

US-General im Dampfzug

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24 Meter lang, 168 Tonnen schwer und eine Leistung von 2 240 PS: Die vor 80 Jahren gebaute Lok 01 150 vor dem Ringlokschuppen in den Heideäckern. 

Grossauheim - Sie gilt als „Königin der Schiene“, die dampfbetriebene Schnellzuglok 01 150. Nach 70 Jahren ist sie wieder nach Hanau zurückgekehrt und gehört nun zu den Prunkstücken des Bahnbetriebswerks in den Heideäckern. Von Christian Spindler 

Das Betriebswerk und die Lok sind Teil einer großen Eisenbahnhistorie, bei der Hanau eine nicht unwesentliche Rolle spielte. Die BrüderGrimm-Stadt hatte ursprünglich zwei Bahnbetriebswerke, in denen Dampflokomotiven mit Kohle und Wasser versorgt und auch gewartet wurden. Beide wurden im Krieg zerstört, eines aber 1945 von amerikanischen Eisenbahnpionieren wieder in Stand gesetzt: das heute noch existierende Bahnbetriebswerk in den Heideäckern in Großauheim. Es wurde ein wichtiger Eisenbahnstützpunkt, nachdem die US-Armee im Juni 1945 ihr Hauptquartier vom französischen Reims nach Frankfurt verlegte. Dabei waren die Schnellzulokomotiven im Einsatz, die in Hanau stationiert waren waren, „darunter auch die Lok 01 150“, berichtet Dr. Klaus Kröger, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Bahnbetriebswerk Hanau, die Miteigentümer des Bahnbetriebswerks ist und es mit dem Verein Museumseisenbahn Hanau zu einer touristischen Attraktion gemacht hat. Regelmäßig kann man dort Dampfzüge in Aktion erleben und zu Ausflugsfahrten starten.

Fortan steht dafür auch die legendäre Schnellzuglok 01 150 zur Verfügung. Das stählerne Ungetüm mit den gewaltigen roten Rädern wurde 1945 von Henschel in Kassel gebaut, ist stattliche 24 Meter lang und wiegt fast 168 Tonne. Die Lok, die in ihrem Tander 10 Tonnen Kohle und 34 Kubikmeter Wasser mitführt, bringt es mit ihren 2240 PS auf ein Höchstgeschwindigkeit von immerhin 130 km/h.

1973 war der Koloss ausgemustert worden, erläutert Kröger. Mittlerweile gehört er dem Verkehrsmuseum in Nürnberg. Dank einer von der Stiftung Deutsche Eisenbahn, die Miteigentümer des Bahnbetriebswerks und Dachstiftung der Hanauer Stiftung ist, koordinierten Spendenaktion wurde die Riesen-Lok restauriert. „Wegen der zentralen Lage hat sich die Gesellschaft für Hanau als Standort für die Lok entschieden“, freut sich Kröger. „Damit hat das Bahnbetriebswerk weiter an Bedeutung für den Tourismus in Hanau gewonnen.“ Es ist eine Rückkehr, die unlängst gefeiert wurde: Immerhin war die Schnellzuglok 10 150 bereits ab November 1945 für einige Monate in Hanau stationiert.

Nicht nur das Bahnbetriebswerk in den Heideäckern hat eine reiche Geschichte, die dort in einer Ausstellung dokumentiert ist, auch der Dampflokreihe 01 kommt eine eisenbahnhistorische Bedeutung zu. Und die Schnellzüge hatten prominente Fahrgäste, möglicherweise auch die 01 150 aus Hanau. Als der amerikanische Oberbefehlshaber und spätere US-Präsident General Dwight D. Eisenhower im Juni 1945 nach Frankfurt kam, war jedenfalls das Hanauer Bahnbetriebswerk funktionsfähig. Auch Eisenhower soll die von der US-Armee eingesetzten Schnellzüge der Baureihe 01 öfter genutzt haben, berichtet Klaus Kröger. Der General flog nicht gerne.

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Die Dampflok 10 150 soll ebenso wie die vereinseigenen Loks von Großauheim aus für Ausflugsfahrten genutzt werden. Durch die Einnahmen und durch eine Spende sei es möglich, die Erneuerung des Dachs des denkmalgeschützten Ring-lokschuppens fortzuführen, so Kröger. Für eine Erneuerung der Fenster suchen die rührigen Dampfeisenbahner indes noch Sponsoren.

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