Ehemaliger Oberbürgermeister und Ehrenbürger verstorben

Hanau trauert um Hans Martin

Hanau - Hanaus ehemaliger Oberbürgermeister und Ehrenbürger, Hans Martin, ist tot. Wie die Stadt gestern betätigte, ist Martin am Sonntag im Alter von 85 Jahren verstorben. Von Dirk Iding 

Ist am Sonntag im Alter von 85 Jahren verstorben: Hanaus ehemaliger Oberbürgermeister und Ehrenbürger Hans Martin.

27 Jahre lang, davon 21 Jahre als Oberbürgermeister, leitete Martin in hauptamtlicher Funktion die Geschicke der Stadt. Zu seiner Verabschiedung aus dem OB-Amt, das er 1994 auf eigenen Wunsch aufgab, würdigte ihn die Stadt Hanau mit der selten verliehenen Ehrenbürgerschaft.  Nicht nur bei seinen politischen Freunden und Weggefährten löste die Nachricht vom Tod Hans Martins Trauer und Betroffenheit aus. Denn der 85-Jährige hatte sich in seiner Amtszeit und darüber hinaus durch sein ausgleichendes, bescheidenes und stets souveränes Wesen Anerkennung und Respekt in weiten Teilen der Bürgerschaft erworben. „Er war einer der beliebtesten Politiker unserer Stadt“, stellt denn auch Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD), der in Hans Martin auch einen väterlichen Freund und politischen Förderer verlor, fest.

Bescheidenheit, Sachkompetenz und Verlässlichkeit bescheinigt Kaminsky seinem Vor-Vorgänger im Oberbürgermeisteramt, der sich 1994 auf eigenen Wunsch von der Rathaus-Spitze zurückzog. Insgesamt 27 Jahre, zunächst als Bürgermeister und mehr als 21 Jahre als Oberbürgermeister, gestaltete Martin maßgeblich die Entwicklung der Stadt Hanau mit. Wie beliebt der Politiker Hans Martin war, zeigte sich als die SPD 1981 bei der Kommunalwahl ihre Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung verloren hatte und 1984 die nun bürgerliche Mehrheit im Parlament den CDU-Politiker Helmut Kuhn zum neuen Hanauer Oberbürgermeister wählte. Bei der Kommunalwahl 1985 holte daraufhin die SPD erneut die absolute Mehrheit und wählte Hans Martin wieder ins Amt des Hanauer Oberbürgermeisters.

„Die Wahl 1985 war ein unglaublicher Vertrauensbeweis für die SPD, aber insbesondere auch gegenüber der Person Hans Martin“, urteilen der heutige Hanauer SPD-Vorsitzende Thomas Straub und die SPD-Fraktionsvorsitzende in der Stadtverordnetenversammlung, Cornelia Gasche. Beide haben ihre kommunalpolitische Laufbahn noch unter der Ägide Hans Martin begonnen: „Wir verneigen uns vor einer großen Persönlichkeit, einem wunderbaren Menschen, einem väterlichen Berater und einem großen Vorbild“, unterstreichen Gasche und Straub in ihrer Würdigung des Verstorbenen. Mit Hans Martin verlieren die Hanauer Sozialdemokraten eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten nach dem Zweiten Weltkrieg. 64 Jahre lang war Martin Mitglied der SPD. Bis ihn seine Kräfte verließen habe Martin seiner Partei solidarisch und beratend zur Seite gestanden. „Die Hanauer SPD ist ihm zu größtem Dank verpflichtet“, betonen Gasche und Straub.

„Hans Martin war ein großer Oberbürgermeister unserer Stadt“

Und nicht nur die SPD, sondern auch die ganze Stadt. „Hans Martin war ein großer Oberbürgermeister unserer Stadt, der überall seine Spuren hinterlassen hat und der völlig zu Recht nach seiner Amtszeit zum Ehrenbürger ernannt wurde,“ stellt Oberbürgermeister Kaminsky fest. Und auch Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck (SPD) meint: „Nur wenige Kommunalpolitiker haben sich in den vergangenen Jahrzehnten so um Hanau verdient gemacht wie Hans Martin.“ Er sei geprägt gewesen von Augenmaß, Pflichtbewusstsein und Verantwortlichkeit. Der am 18. Oktober 1930 in Frankfurt geborene Arbeitersohn begann seine berufliche Laufbahn nach dem Abitur 1951 bei der Stadt Frankfurt als Auszubildender für die Verwaltung. Parallel studierte er Rechtswissenschaften in Frankfurt. Später avancierte er zum jüngsten Magistratsdirektor der Mainmetropole, ehe er dem Ruf folgte, Wahlbeamter in Hanau zu werden. Martin war von 1966 bis 1972 Bürgermeister und von 1972 bis 1984 sowie von 1985 bis 1994 als Oberbürgermeister in Hanau tätig.

Zahlreiche Projekte, so OB Kaminsky, blieben untrennbar mit dem Namen Hans Martins verbunden. Die Gebietsreform im Jahre 1974 sei allerdings eine der größten Leistungen seines Vorgängers im Amt gewesen. „Martins Fähigkeiten zum Ausgleich und zur Integration hat dafür gesorgt, dass die widerstreitenden Interessenslagen der einst selbständigen Kommunen zu einem guten Ergebnis zusammengeführt werden konnten.“ Auch Martin selbst hatte 1994 in einem Interview mit unserer Zeitung rückblickend auf seine lange Amtszeit die Gebietsreform, gegen die es vor allem aus Steinheim und Klein-Auheim mächtigen Gegenwind gegeben hatte, als eine seiner größten Herausforderungen bezeichnet.

Aber auch die Entwicklung der Weststadt, der damals heftig umstrittene Bau der Autobahn 66 und die Beseitigung der beschrankten Bahnübergänge am Nord- und Westbahnhof sind mit dem Namen Hans Martin verbunden. Und mit der Ausweisung der ersten Fußgängerzonen in der Ära Martin habe Hanau „städtebauliches Neuland“ betreten, erinnert Kaminsky. In der Amtszeit von Hans Martin seien die ersten wirklichen Schulentwicklungspläne konzipiert worden. Gleichzeitig habe die Schullandschaft durch den Bau der neuen Gebäude für die Hohe Landesschule, Otto-Hahn-Schule, Ludwig-Geißler-Schule und die Kaufmännischen Schulen wichtige Impulse erhalten. Die Heinrich-Heine-Schule entstand als eine modellhafte Grundschule in neuer Form und inhaltlicher Konzeption.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Für Stadtverordnetenvorsteherin Funck zählt es auch zu den großen Verdiensten des Verstorbenen, dass er, lange bevor es gesetzlich vorgeschrieben wurde, so etwas wie einen Ausländerbeirat ins Leben gerufen habe, und damit einen Grundstein für eine moderne Integrationspolitik in Hanau gelegt habe. Martins Ziel sei es von Anfang an gewesen, so Funck, das Zusammenleben von Ausländern und Deutschen in Hanau konfliktfrei zu organisieren. Bereits Ende der 70er-Jahre wurden Vorlaufkurse organisiert, in denen Migrantenkinder vor dem Schuleintritt Deutsch lernten. „Hanau übernahm damit seinerzeit eine Vorreiterrolle.“

Ehrenamtlich engagierte sich Hans Martin vor allem bei der Martin-Luther-Stiftung, deren Vorstand er über rund vier Jahrzehnte angehörte, davon 15 Jahre als Vorsitzender. Die später vollzogene Verschmelzung der Martin-Luther-Stiftung mit der Stiftung Althanauer Hospital ging auch auf konzeptionelle Überlegungen von Hans Martin zurück, der früher als andere erkannt habe, dass die Stadt auf Altenhilfe in eigener Trägerschaft nicht eingerichtet sei, so Kaminsky. „Die Nachricht von seinem Tod hat große Trauer und Bestürzung in der Bürgerschaft ebenso wie bei den politischen Weggefährten ausgelöst,“ so der OB. Um Hanauer Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit für Trauerbekundungen zu geben, liegt ein Kondolenzbuch im Stadtladen im Rathaus aus. Außerdem hat Oberbürgermeister Kaminsky für die Tage bis zur Trauerfeier Trauerbeflaggung angeordnet.

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