Förderverein hat es möglich gemacht

Wilhelmsbader Karussell dreht sich wieder

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Noch verhüllt ein roter Vorhang das Innenleben des Karussells vor neugierigen Blicken. Zum ersten Abend des dreitägigen Karussellfests und zur großen Enthüllung am morgigen Freitag sind alle nach Wilhelmsbad eingeladen.

Hanau - Für viele Hanauer geht am Wochenende ein Kindheitstraum in Erfüllung: Das Karussell in Wilhelmsbad erwacht aus seinem Dornröschenschlaf, dreht sich wieder und nimmt Fahrgäste mit auf seine Runden. Möglich gemacht hat das vor allem das Engagement des Fördervereins für das Karussell im Staatspark Wilhelmsbad. Von Laura Hombach 

Jahrzehntelang fristete das Wilhelmsbader Karussell - mit seinen 236 Jahren wohl das älteste stationäre Fahrgeschäft weltweit - ein trauriges Dasein. Es stand still, die Farbe an Gebäude, Kutschen und Pferden blätterte ab. Das änderte aber nichts daran, dass es auf Generationen von Hanauer Kindern eine magische Anziehungskraft ausübte. Auch Stefan Bahn, Vorsitzender des Fördervereins, verharrte als kleiner Junge bei seinen Besuchen im Park immer wieder am Karussell. Die Nase zwischen die Gitterstäbe gesteckt, blickte er sehnsüchtig auf die Pferde und Kutschen. Unerfüllbar schien damals der Traum, auf dem Karussell jemals zu fahren. Das historische Kleinod behielt indes auch für den erwachsenen Stefan Bahn seine Faszination. Bis 1998 bei einem geselligen Abend in der Kleinen Park-Wirtschaft die Idee eines Fördervereins aufkam. Unter Vorsitz von Bahn und Ludger Wösthoff taten sich 15 weitere Gründungsmitglieder mit dem Ziel zusammen, das Karussell wieder in altem Glanz und vor allem auch in voller Fahrtüchtigkeit herzustellen.

Bei Restaurator Hans-Michael Hangleiter waren die Pferde und Kutschen in guten Händen.  

Allerdings war der erste Erkundungsgang in das Karussell zunächst einmal mit großer Ernüchterung verbunden. Der Zustand war wesentlich desolater als gedacht. „Ich glaube, wenn ich mir darüber im Klaren gewesen wäre, hätte ich den Verein gar nicht gegründet“, sagt Bahn. Doch zum Glück für Hanau war die Vereinsgründung da schon erfolgt und wie die nächsten 18 Jahre erweisen sollten, hatte sich eine Gruppe von Engagierten gefunden, die neben Tatkraft auch ausreichend Geduld für das langwierige Projekt mitbrachte. Und Ausdauer war nicht nur aufgrund der Großbaustelle gefragt, auch das Spendensammeln erforderte Geduld und kreative Ideen. Und die hatte der Verein nicht zu knapp: Von der Postkarte über Tassen bis zum Karussell-Wein und kunstvoll aufbereiteten Original-Schiefertafeln des Karusselldachs reicht die Merchandising-Palette. Beflügelt habe den Verein auch das Versprechen der Stadt, jeden gespendeten Euro zu verdoppeln, so Bahn. Das Federweißen- und Martinsfest des Fördervereins wurden zu Publikumslieblingen im Wilhelmsbader Park. Zwei Feste, auf die Hanauer auch in Zukunft nicht verzichten müssen, verspricht Stefan Bahn.

Gleichzeitig wurde bei der für Wilhelmsbad zuständigen Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, Überzeugungsarbeit geleistet. Auch das war am Anfang kein leichtes Unterfangen. Inzwischen indes, lobt Bahn, sei daraus eine gute Zusammenarbeit geworden. Auch was die Wiederinbetriebnahme des Karussells angeht. Denn die Verwaltung wollte sich zunächst nur für eine Sanierung des Karussells, nicht aber für eine Instandsetzung der Mechanik erwärmen. Damals habe er aber immer wieder unterstrichen: „Ein Karussell, das nichts fährt, ist nichts wert.“ Wie man heute sieht, zahlte sich die Hartnäckigkeit des Vereins aus.

4,1 Millionen Euro am Ende nötig

Doch bis 2010 die Sanierung beginnen konnte, war es noch ein weiter Weg. Erst nachdem das historische Kleinod 2007 eingehaust worden war, konnten die nötigen Untersuchungen vorgenommen und das ganze Ausmaß des Sanierungsaufwands realistisch eingeschätzt werden. Von den anfänglich angenommenen Kosten von zwei Millionen Euro war schon bald keine Rede mehr. 4,1 Millionen Euro waren am Ende nötig, das Karussell wieder in Schuss und Gang zu bringen. Drei Millionen investierte das Land, den Rest brachte der Förderverein zusammen.

Kunstminister Boris Rhein (CDU) und der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) stellen das Kulturdenkmal heute der Presse vor, für Freitagabend (18 Uhr) ist ein Festakt geplant. Von Freitag bis Sonntag wird außerdem ein dreitägiges Karussellfest gefeiert.

„Man muss nur einmal schauen, welche Summen in andere Kulturdenkmäler gesteckt werden. Dann sieht man, dass hier eine vergleichsweise kleine Summe investiert wurde“, antwortet Bahn auf die Frage nach kritischen Stimmen zu den Sanierungskosten. Ohnehin dürfte die Zahl der Kritiker, da sich jetzt der Traum vieler Hanauer, endlich einmal mit „ihrem“ Karussell fahren zu dürfen, erfüllt, gegen Null tendieren. Vielmehr macht sich in der Brüder-Grimm-Stadt eine Karussell-Euphorie breit. Alles fiebert dem dreitägigen Fest entgegen, das morgen im Staatspark beginnt. Eine Euphorie, die auch Stefan Bahn zu spüren bekommt. Er habe von vielen Leute gehört, dass sie sogar ihren Sommerurlaub verschoben hätten. Per E-Mail meldeten sich ehemalige Hanauer, die teils schon seit Jahrzehnten nicht mehr hier waren und die nun wegen der Karusselleröffnung wieder einmal in ihre alte Heimat zurückkehren. Bahn: „Da wird einem erst bewusst, wie viele Menschen starke Kindheitserinnerungen an das Karussell haben. Ich glaube, das Karussell ist das emotionalste Bauwerk in Hanau.“

Bilder: Historisches Wilhelmsbader Karussell

Unter den vielen Gästen, die am Wochenende nach Wilhelmsbad kommen werden, werden indes wohl nur zwei sein, die zuvor schon einmal auf dem Karussell gefahren sind - damals, bevor es in seinen Dornröschenschlaf fiel. Die beiden Zeitzeugen sind selbstredend Ehrengäste des Fördervereins und dürfen am Freitagabend mit dabei sein, wenn Mitglieder des Fördervereins und die Gewinner der über die Presse verlosten Karten die ersten Karussellfahrer sein dürfen. „Die Bevölkerung hat uns die ganze Zeit getragen“, erklärt Bahn, weshalb es dem Verein so wichtig war, über die Verlosung auch den Bürgern eine Chance zu geben, am Freitagabend mit dabei zu sein.

Dass auch die Mitglieder des Vereins als Dank für ihr Engagement eine Fahrkarte für die Premiere erhalten haben, versteht sich von selbst. „Einer alleine kann nichts erreichen“, sagt Bahn. Über die 18 Jahre hinweg hätten sich die über 250 Mitglieder des Vereins immer wieder gegenseitig motiviert. „Ich habe so viele tolle, engagierte Leute kennenlernen dürfen“, sagt Bahn, Begegnungen, die er nicht missen wolle. Große Dankbarkeit werden wohl auch die Hanauer empfinden; dafür, dass der Förderverein das Karussell aus den Dornröschenschlaf geweckt und damit Kindheitsträume wahr gemacht hat.

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