Klein-Auheimer Wildpark

Hanauer Batman hört auf

+
Fledermäuse haben spitze Zähne, auch dieses Große Mausohr, deswegen tragen die Experten bei der Kontrolle der Fledermaus-Bestände im Klein-Auheimer Wildpark vorsichtshalber Schutzhandschuhe.

Klein-Auheim - Rund 35 Jahre lang hat er die mehr als 100 Fledermaus-Kästen im Wildpark Alte Fasanerie in Klein-Auheim betreut. Von Holger Hackendahl 

Kein Wunder, dass Hans Schwarting als der wohl profundeste Fledermaus-Kenner in der Brüder-Grimm-Stadt gilt, was ihm den Spitznamen „Batman von Hanau“ eingebracht hat. Nun gibt er die Betreuung der Fledermäuse an die Wildpark-Führerinnen Evelin Evers-Blank und Regine Brändle ab.

Die Aufzucht ihres Nachwuchses haben die Fledermäuse für dieses Jahr abgeschlossen. Darum traf sich Trio nun zur Inventur. Dabei blickte Schwarting auf seine lange Tätigkeit in Sachen Fledermäuse zurück. „1981 habe ich mit Unterstützung des damaligen Wildpark-Leiters Wolfgang Heidrich mit der Betreuung der Fledermaus-Kästen angefangen“, erzählt er. Und der 74-Jährige ist noch immer engagiert dabei, gibt seinen Nachfolgerinnen Tipps aus seinem langjährigen Erfahrungsschatz.

Seit 1981 zählte Schwarting im Klein-Auheimer Tierpark 15 verschiedene Fledermausarten.  24  Arten  der Jäger der  Nacht gibt es in Deutschland,  europaweit  sogar 31. In einem Winter hat der NABU-Experte in Klein-Auheim gar schon mal in einem „Übertragungskasten“ rund 200 zusammen gekuschelte kleine Abendsegler vorgefunden.

Jede Fledermausart hat ihre Eigenart - sei es Aussehen, Größe oder Ernährung. Die Braunen Langohren etwa beißen Motten die Flügel ab, fressen dann nur den eiweißreichen Körper. Das Große Mausohr hingegen hat es auf Laufkäfer abgesehen und deckt damit 80 Prozent seines Nahrungsbedarfs.

„Fledermäuse paaren sich im Herbst – eigentlich“, sagt Schwarting als er mit Regine Brändle auf der Stehleiter die Frontabdeckung eines Kastens öffnet. „Oh, die Mausohren sind ja am Kopulieren“, kommentiert er das kopfüber hängende, eng verschlungenen Fledermaus-Pärchen. Und erzählt, dass der Wildpark für Fledermäuse Überwinterungs- und Paarungsgebiet ist. „Die Spermien des Fledermausmännchens ruhen übrigens nach der Paarung im weiblichen Körper. Der Fötus entwickelt sich erst im Jahr drauf - wenn es ausreichend Nahrung gibt“, berichtet Schwarting, über die lebend gebährend Flugsäuger.

Fünf Tage à sechs Stunden dauert die Kontrolle und Säuberung der Fledermaus-Kästen im Wildpark. Schwarting: „Dieses Jahr brauchen wir einen Tag länger, weil wir eine Arten- und Geschlechterbestimmung machen.“ Das Institut für Tierökologie und Naturbildung (Gonterskirchen) möchte wissen, wie viele weibliche Abendsegler und Mückenfledermäuse wir feststellen“, erläutert Evers-Blank.

Letzter Flug der Fledermaus: "Batman: Arkham Knight" im Test

Fledermäuse fressen bei der nächtlichen Insekten-Jagd 50 Prozent ihres eigenen Körpergewichts. „Weibchen, die ihren Nachwuchs säugen, sogar 75 bis 80 Prozent“, sagt die Expertin. Derweil öffnet sie den nächsten Kasten mit zwei Großen Abendseglern, der größten in der Fasanerie vorkommende Art. Zuvor stieß sie in anderen Kästen bereits auf zwei je 16 Tiere zählende Wochenstuben des Kleinen Abendseglers.

Der kleinste im Wildpark vorkommende Flattermann ist die nur drei bis acht Gramm schwere Mückenfledermaus mit einer Flügelspannweite von 20 Zentimetern. „Sie ist die jüngst entdeckte Art hier in der Fasanerie“, ergänzt Schwarting.

Die Fransen-Fledermaus war zahlenmäßig 2015 die am häufigsten vorkommende Art in den nun 108 Kästen. Schwartings Nachfolgerinnen haben beim jüngsten Kontrollgang drei neue Rundkästen an den Bäumen aufgehängt. Wer mehr über Fledermäuse erfahren möchte, sollte an diesem Sonntag, 11. September, um 14 Uhr in den Klein-Auheimer Wildpark kommen. Dann bieten Eveline Evers-Blank und Regine Blank eine Führung an.

Mehr zum Thema

Kommentare