Feier zum 400-jährigen Bestehen

Hanauer Markt: Zauber zu historischer Musik

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Ein Barde spielte zur Feier des 400-jährigen Bestehens des Hanauer Wochenmarktes mittelalterliche Musik und faszinierte damit auch die jungen Besucher.  

Hanau - Vor 400 Jahren wurde in Hanau der zweite Markttag pro Woche eingeführt: Der Samstagsmarkt. Für Marktbeschicker und Kunden ein Grund zum Feiern. Und das taten sie am Samstag auf dem Hanauer Marktplatz mit Aktionen, speziellen Rabatten und Sonderangeboten an den Ständen. Von Dieter Kögel 

Die Marktbeschicker hatten sich in Schale geworfen: Sie alle trugen grüne T-Shirts mit der Werbeaufschrift „Genuss - Erlebnis vom Hanauer Wochenmarkt“. Auf grünen Taschen, in denen die Einkäufe bei Bedarf verstaut werden konnten, prangte der gleiche Aufdruck. Eine gute Idee, findet ein Blumenverkäufer. Denn das stärke das Gefühl der Gemeinsamkeit. Auf dem Hanauer Wochenmarkt gehe es ohnehin sehr familiär zu, so der Beschicker. Junge Leute in mittelalterlichen Gewändern schlendern durch die Standgassen, am Arm Körbe mit Blumen. Die werden an die Marktkunden verteilt. Mit Hinweis und Infoblatt auf das 400-jährige Bestehen des Hanauer Samstagsmarktes. Mit mittelalterlicher Musik unterhält ein Barde und gibt Auskunft über sein historisches Instrument, ein Zauberer führt an den Tischen von Luigis mobiler Kaffeebar Kartentricks auf.

Das lassen sich die Kunden von „Luigi“ gerne gefallen. Viele sind Stammgäste seit Stefan Fleck vor neun Jahren mit seinem dreirädrigen Kaffeemobil den Markt erobert hat. Damals mit zwei Stehtischen und einem Schirm, wie er sich erinnert. Heute sind es acht Stehtische und einige Minigarnituren. Freie Plätze gibt es selten. Das war nicht von Anfang an so. Zwei bis drei Jahre habe es schon gedauert, bis sich der Stand mit seinen italienischen Kaffeespezialitäten richtig etabliert habe. Mittlerweile sind Pausen bei „Luigi“ ein beliebter Zwischenstopp beim Markteinkauf.

Stefan Fleck vom mobilen Kaffee-Stand „Luigi“ trug wie alle Marktbeschicker das grüne T-Shirt mit der Werbeaufschrift „Genuss - Erlebnis vom Hanauer Wochenmarkt“.

Am Samstag indes machten viele Marktbesucher mehr als diesen Zwischenstopp. Zu Füßen der Brüder Grimm schnitzte Food-Designerin Magda Wirth aus Mainaschaff kunstvolle Objekte aus Obst und Gemüse. Aus einer Melone ist durch das Einritzen von Rautenmustern ein Fruchtkorb - sogar mit Henkel - entstanden, mit ihren Spezialwerkzeugen arbeitete sie aus einer Gurke einen Frosch heraus. Mit einer kleinen Krone aus einer Karotte. Bei der Arbeit an Karotten, Rettich, Melone, Gurke und Co, „da kommt man schön runter“, sagt Wirth, die die entspannende Arbeit schätzt, der sie in ihrer „Food-Design-Manufaktur“ auch auf Bestellung nachgeht.

Auch dem Korbflechter Rudolf Rippstein konnten die Marktbesucher bei seiner Handwerkskunst über die Schulter schauen. Rippstein ist kein Unbekannter auf dem Hanauer Wochenmarkt. Regelmäßig kommt er in die Grimm-Stadt und bietet seine Korbwaren an. Nicht nur Einkaufskörbe aus Weide geflochten, auch robustere Modelle zum Aufbewahren von Kartoffeln und anderem Gemüse. Am Samstag allerdings hatte es Rippstein nicht mit den Weidenruten aus eigenem Anbau zu tun, sondern mit Rattan. Denn auch die Geflechte für liebgewonnene alte Stühle ersetzt und erneuert der Korbflechter, der das Handwerk „in der fünften Generation“ ausübt, fachgerecht. Doch die Tage dieses Handwerks scheinen gezählt. Denn „das will doch keiner mehr machen“, sagt Rudolf Rippstein. Alleine der Arbeitszeiten wegen. Zwar dauert die Fertigung eines Korbes „ein paar Stunden“, doch „Arbeit ist da in Hülle und Fülle“. Und so beginnt Rippsteins Arbeitszeit schon in aller Frühe. „Von fünf Uhr morgens ab bin ich in der Werkstatt“, wo er bis 22 Uhr zu tun hat. Immerhin hat man den Korbflechtern in seiner Heimatgemeinde Sand am Main ein Bronzedenkmal gesetzt. Was die Brüder Grimm für Hanau, das seien die Korbflechter für Sand am Main.

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