„Getreten wie beim Elfer“

Hundehasser soll Vierbeiner mehrfach attackiert haben

Steinheim - Ein Hundehasser soll unweit des Steinheimer Mainufers sein Unwesen treiben. In mehreren Fällen hat er angeblich vor allem Frauen, die mit ihren Vierbeiner spazieren gingen, attackiert. Anwohner haben mittlerweile öffentlich Warnzettel angebracht. Von Christian Spindler 

Bei der Polizei sind die Übergriffe aber nicht aktenkundig. Möglicherweise indes besteht ein Zusammenhang zu einer brutalen Tat vom vergangenen Dezember. „Achtung, Achtung!!!!“, ist der ausgedruckte Warnhinweis überschrieben, der an der Trafostation an der Uferstraße prangt. Darauf wird vor dem Hundehasser gewarnt, der angeblich auf Hunde und Frauen losgeht, nach ihnen tritt. Recherchen unserer Zeitung haben ergeben, dass mehrere Übergriffe Hintergrund der Bürgeraktion sind. Eine Anruferin, die sich bei unserer Redaktion gemeldet hat, berichtet von mindestens acht Attacken bzw. wüsten Beschimpfungen. In einem Fall vor zwei Wochen war eine bekannte Steinheimerin Zeugin, die auch gesellschaftlich und politisch engagiert ist. Opfer dabei: Ein Jugendlicher und sein Pudel-Mischling, die auf einem Weg bei den Mainwiesen an der Uferstraße unterwegs waren. Plötzlich soll der Mann laut und wüst schimpfend auf den Jugendlichen und dessen Hund losgegangen sein. Dann trat er brutal zu, traf das Tier in der Flanke. Der Mann habe „wie bei einem Elfmeter im Fußball“ zugetreten.

Seit Sommer 2015 soll der Hundehasser immer wieder ausgerastet sein und meist Frauen, die mit Hunden unterwegs waren, beschimpft haben oder gar auf sie losgegangen sein. „Der Mann ist psychisch krank“, meint eine Anruferin. Von denen, die von den Übergriffen berichten, will niemand seinen Namen in der Zeitung lesen. Die Verunsicherung sei groß, sagt die Zeugin der jüngsten Attacke, die seit vielen Jahren regelmäßig mit ihrem Hund auf den dortigen Mainwiesen Gassi geht. Sie fragt sich nun, „ob ich besser Pfefferspray mitnehme?“. Knapp zehn Anwohner im Quartier um die Uferstraße hätten sich mittlerweile in einer Whatsapp-Gruppe zusammengetan, um sich gegenseitig über etwaige Vorkommnisse zu informieren.

Die Attacken sollen im Sommer 2015 begonnen haben. Wurde der Hundehasser dann selbst Opfer und aufs Übelste zugerichtet? Im Dezember jedenfalls beschäftigte ein mysteriöser Fall die Polizei, bei dem ein 41 Jahre alter Steinheimer mit schwersten Kopfverletzungen bewusstlos in der Straße An der Mainbrücke gefunden wurde. Er lag lange im Koma. Erst im Februar kam es zur Festnahme des mutmaßlichen Täters.

So weit die Nase reicht: Rettungshunde helfen bei Vermisstensuche

Gibt es einen Zusammenhang? Beim Streit, der dem wüsten Angriff auf den 41-Jährigen vorausgegangen ist, könnte der Hund einer jungen Frau eine Rolle gespielt haben, der attackiert worden sein soll, woraufhin der Begleiter der jungen Frau brutal zugeschlagen und den 41-Jährigen ins Koma geprügelt haben soll. Dieser Ablauf sei jedenfalls „nicht abwegig“, heißt es aus Polizeikreisen. Der 22-Jährige Schläger sitzt in U-Haft und wartet auf seien Prozess. Die Ermittlungen stünden vor dem Abschluss, mit einer Anklage sei in Kürze zu rechnen, sagt Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze auf Anfrage. Sonst nur soviel: „Ein Zusammenhang mit einem Hund besteht“ in diesem Fall.

Das 41 Jahre alte Opfer soll laut Polizeimeldungen bis Anfang Februar im Koma gelegen haben. Vor wenigen Wochen seien am Mainufer dann wieder Attacken auf Frauen und Hunde zu verzeichnen gewesen, berichtet eine Anwohnerin. Bürger, die nun deswegen Alarm schlagen, sind dabei nicht zimperlich. Sie haben auf den von ihnen ausgehängten Warnhinweisen sogar die Adresse des mutmaßlichen Hundehassers veröffentlicht. Und sie fordern etwaige Opfer auf, sich bei der Polizei zu melden. „An uns ist aber bisher nichts herangetragen worden“, so ein Polizeisprecher. Auf zweimalige Anfrage unserer Zeitung lautete die Antwort stets: Es sei dazu nichts gemeldet worden, Anzeigen lägen nicht vor.

Rubriklistenbild: © dpa

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