30 Stände und 150 Mittelalterakteure präsentieren sich

Schaukampf im Kettenhemd auf dem Irminratsmarkt

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Auch mittelalterliche Klänge durften auf dem Irminratsmarkt in Großauheim nicht fehlen. Das zweitägige Fest rund um den Rochusplatz und entlang der Hauptstraße bot aber nicht nur Musik, sondern auch Schaukämpfe, Met oder frische Teigfladen.

Großauheim - Spielleute und Ritter ziehen durch die Straßen, Handwerker präsentieren ihr Können und Gaukler zeigen ihre Kunst. Von Matthias Grünewald 

Der Irminratsmarkt in Großauheim lud an diesem Wochenende, trotz trüben Wetters, zahlreiche Besucher aus der Region zu einem großen Mittelalter-Spektakel. Rund um den Rochusplatz und entlang der Hauptstraße verwandelte sich der Ortsteil in ein mittelalterliches Markttreiben an dem sich auch der örtliche Einzelhandel beteiligte. Und auf den Mainwiesen konnten die Besucher ein Heerlager mit vielen Zelten und einer Waffenschau besichtigen und mit den Mittelalterfans ins Gespräch über alte Zeiten kommen. Über 30 Stände und rund 150 Mittelalterakteure, zum Teil aus Polen, Tschechien oder Litauen angereist, waren der Einladung des Gewerbevereins Großauheim gefolgt und füllten die Straßen mit historischem Leben.

Mit seinem prächtigen Uhu brachte ein Falkner den Zuschauern anschaulich die Welt der Greifvögel näher.

Namensgeberin des Marktes ist die adlige Frau Irminrat, die im Jahre 806 Auheim dem Kloster Lorsch als Schenkung vermachte. Mit Minnegesang wurde die vergangene Zeit der Spessarträuber besungen, als „in des Spessarts wilder Tiefe“, der Räuberbursche Willibald sein Unwesen trieb. Und die Stauferküche backte im freistehenden Ofen Teigfladen für die hungrigen Mägen. Für kleine und große Besucher gab es während der zweitägigen Veranstaltung viel zu sehen und zu staunen. „Ich habe Gold gefunden“, so der glückstrahlende Ausruf eines kleinen Jungen beim mittelalterlichen Goldwaschen. Der Herold, Reichsgraf Heinrich von Katzenelnbogen, kündete vom Morgenland und wer den Honigwein Met probieren will, hatte hierzu ebenso Gelegenheit. Ein Falkner hatte sich mit seinem prächtigen Uhu unter einem regensicheren Vordach eingerichtet und brachte den Gästen die Welt der Greifvögel näher.

„Für die meisten von uns ist das mittelalterliche Leben ein Hobby“, sagt Reinhold Ewald vom Freundeskreis der Trimmelsburger Ritterschaft. „Es ist das Leben in der Gemeinschaft, das Spaß macht“, sagt Anna Hofmann, die als edle Hofdame in das frühe Mittelalter eintaucht und im normalen Leben als Beamtin ihr Brot verdient. „Wenn man abends am Lagerfeuer sitzt, spielt die Herkunft keine Rolle“, stimmen die Ritter und Grafen auf Zeit zu. Das Interesse an der Geschichte teilen alle Mittelalterfans. Jeder hat seine eigene Biografie, als Wikinger, Ordensmann, Graf oder Medicus. Die Ausrüstung ist von vielen selbst hergestellt. 15 Kilo wiegt das Kettenhemd eines Kämpfers. Zwei Jahre habe er dafür gebraucht.

Fotos zum Irminratsmarkt 2016 in Großauheim

Die Ritter des Hochmittelalters mit ihren Rüstungen haben es da noch schwerer. Rund 60 Kilo bringt das Blech auf die Waage, das vom Kämpfer getragen werden muss. Ein Schaukampf ist anstrengend und eine schweißtreibende Sache. Die Darsteller der Fehde um eine Zechprellerei werden, Dank ihrer dicken Rüstung, die einzigen gewesen sein, denen die kalten Temperaturen am Wochenende nichts ausgemacht haben. Den Besuchern des Tavernenspektakels rund um den Rochusplatz blieb nur die Möglichkeit sich mit „viel Handgeklapper“ und Jubelrufen zu wärmen.

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