Positive Bilanz der „Woche der Widerbelebung“

Jeder kann zum Lebenretter werden

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Die oftmals lebensrettende Herzdruckmassage konnten Passanten auf dem Freiheitsplatz an Puppen üben.

Hanau - Kein Puls, der Brustkorb bewegt sich nicht mehr - jetzt kommt es für den Betroffenen auf jede Minute an. Wie jeder Einzelne im Notfall zum Lebensretter werden kann, führten am Samstag die Rettungsdienste im Main-Kinzig-Kreis auf dem Freiheitsplatz vor.

Mit der fünfstündigen Aktion endete im Main-Kinzig-Kreis die „Woche der Wiederbelebung“, die mehr als 2 000 Menschen erreichte. So hoch veranschlagt Dr. Wolfgang Lenz, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes beim Gefahrenabwehrzentrum des MKK in Gelnhausen, die Zahl der Teilnehmer an mehr als 20 Veranstaltungen quer durchs Kreisgebiet. Begonnen hatte die Serie beim verkaufsoffenen Sonntag in Großkrotzenburg, in Hanau standen neben der Hola und der Eugen-Kaiser-Schule auch ein Kesselstädter Senioren-Wohnprojekt und die Hauptstelle der Sparkasse auf dem Plan. Akteure waren laut Volker Laubental vom DRK-Kreisverband Experten aller Organisationen, die im Kreis den Rettungsdienst versehen. Das gemeinsame Finale vor dem Forum Hanau diene dazu, „noch einmal gut sichtbar ein Zeichen zu setzen“.

„Wissen, was man tun muss und den Mut dazu aufbringen“ - mehr braucht es laut Dr. Lenz nicht, um einen bewusstlos zusammengebrochenen Menschen mit Kreislaufstillstand über die wichtigen Minuten bis zum Eintreffen der Profis zu retten. Schon nach drei Minuten Herzstillstand könne es zu irreparablen Hirnschäden kommen, weiß der Mediziner - „also: die Pumpe in Gang halten“. Denn bei allem Bemühen brauche der Rettungswagen oder der Notarzt in der Regel etwas länger.

Medizinische Kenntnisse braucht ein Helfer laut Lenz nicht. „Wer jemanden kollabieren sieht, kümmert sich um ihn und spricht ihn an. Wenn er nicht reagiert und nicht normal atmet: Sofort Notruf 112, dann geht es los“. Eine Hand auf die Mitte des Brustkorbs, die zweite unterstützt mit Druck von oben. Mindestens 30-mal im Sekundentakt drücken, „so stark und tief wie möglich“, erklärt Lenz. Wer es gelernt habe, könne dann zweimal beatmen - „aber das ist nicht vordringlich“. Im Körper gebe es noch Sauerstoff, „der muss nur ins Gehirn gepumpt werden. Den Rest macht dann später der Rettungsdienst“.

SOS vom Smartphone: Das Mobiltelefon als Nothelfer

Überdies sei der Helfer in der Regel nicht allein, betont der Arzt: Die Mitarbeiter in der Zentralen Leitstelle in Gelnhausen, wo 112-Anrufe auflaufen, gäben telefonisch Hilfestellung. In 36 Prozent der einschlägigen Fälle habe das in den vergangenen Monaten im Main-Kinzig-Kreis funktioniert, Tendenz steigend. Insgesamt nehme die Zahl der Fälle zu, in denen Familienmitglieder, Passanten oder Voraushelfer Menschen mit Herzstillstand das Leben retteten. Nicht zuletzt führt Lenz diesen regionalen Trend auf das starke Engagement der Rettungsdienstler in der Woche der Wiederbelebung zurück. Auf dem Freiheitsplatz hatten zahlreiche Passanten Gelegenheit, die Herzdruckmassage an Puppen zu üben oder einen Ernstfall nach dem Muster „prüfen, rufen, drücken“ durchzuspielen. Dabei war auch eine Formation der Tanzschule Berné, wo Wiederbelebung eine Woche lang zum Unterricht gehörte.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist nach Worten des Rettungsdienst-Mediziner das System der Voraushelfer: Geschulte Freiwillige aus Feuerwehren oder Hilfsorganisationen werden bei Notfällen in ihrem Wohn- oder Arbeitsort gezielt alarmiert und können oft sehr schnell eingreifen. Nach Angaben des Gefahrenabwehrzentrums gibt es solche Helfer, insgesamt mehr als 530, in über 60 Prozent aller Stadt- und Ortsteile im MKK. 106 Voraushilfe-Einsätze gab es dieses Jahr bis Ende August, 80 davon in Fällen von Kreislaufstillstand. rdk

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