Kikeriki-Theater gibt Nibelungen-Sage

Böser Drache entpuppt sich als Vegetarier

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Mit dem furiosen Stück „Die Nibelungenentzündung“ begeisterte das Kikeriki-Theater die rund 600 Zuschauer am Montagabend im Hanauer Fronhof.  

Hanau - Die Wahrheit über Siegfried und die Nibelungen sieht ganz anders aus. Jedenfalls aus Sicht des Darmstädter Kikeriki-Theaters, das seine absolut schräge Version des vermeintlichen Heldenepos’ am Montagabend vor rund 600 Zuschauern im Fronhof beim Hanauer Kultoursommer zum Besten gab. Von Dieter Kögel

Der in einer Art Mönchskutte auftretende Mann am Tasteninstrument wird gleich als „Isländer“ vorgestellt, woraufhin das Publikum zur Begrüßung prompt das “Hu, Hu, Hu…!“ anstimmt. Aber die Freude des isländischen Musikanten währt nur kurz. Denn er wird zur Sau gemacht, auch weil er moderne Songs anklingen lässt. „Neschermusik“, schimpft Roland Hotz im mittelalterlichen Kostüm mit Strumpfhosen und Schnabelschuhen. Politisch nicht korrekt, ja, aber „extrem pigmentierte Melodie“ hört sich doch einfach zu blöd an, überhaupt wenn sprachlich vorwiegend dem Hessischen gehuldigt wird. Immer dann, wenn die drei Schauspieler den Handlungsstrang der Sage verlassen, über Zeitgeist und Ungeist in Streit geraten, genauso übrigens wie auch die wunderbaren Ritter aus Blechteilen und metallenen Alltagsutensilien, die zuweilen ein Eigenleben zu führen scheinen.

Da plaudert Zwerg Alberich, vom Kikeriki Theater als Drogenhändler enttarnt, gegenüber dem Großmaul Siegfried plötzlich über seine Zweizimmerwohnung unter dem Berg. 65 Quadratmeter, „mit Gärtche hinne dran,“ und alles für 300 Euro. „Euo“ insistiert der Held, weil „bei de D-Mack hawwe mer ja auch immer des „R“ weggelasse.“

Es geht herrlich anarchisch zu auf der Bühne der Wahrheit. Der böse Drache entpuppt sich als netter Kerl. Jungfrauen entführen und fressen? Igittigitt. Denn erstens ist der Lindwurm Vegetarier, und zweitens schwul. Also kein Ziel für „Siggis“ Zauberschwert. Einer der gereimten Überleitungstexte wird plötzlich gestisch untermalt. „Was machst denn Du da?“ „Isch üwwersetz. Vielleischd iss da ja en Offebacher im Publikum.“ An Seitenhieben in die verschiedensten Richtungen mangelt es wahrlich nicht bei den drei Akteuren, die improvisatorisch auch immer wieder Situationen im Fronhof aufnehmen und verarbeiten, während in Domina Brunhildes Schlafzimmer „Sodom und Gorgonzola“ regieren.

Zu „Musik, Poesie und Wein“ lädt der Kultoursommer heute, 19 Uhr, in den Fronhof ein. Prominente lesen Alltagsweisheiten, die Paul-Hindemith-Musikschule sorgt für die Umrahmung. Der Eintritt ist frei.

Kommentare

Cunctator
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"Geil!" Sonst fällt denen Nichts ein ? Ein Drache als Vegetarier.......... Hilfe! Wo sind die Gebrüder Grimm ? Wie wäre es bei dem nächsten Kultursommer mit der Story um "Die vergoldeten Gans aus Blei im Sog des Apfelweinstrudels" ?