BAP in Hanau: noch immer politisch und menschlich „jraduss“

„Kristallnaach“ ist heute

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Deutschrocker seit 40 Jahren: Wolfgang Niedecken

Hanau -  Verdammt lang her, dass die Kölner Kneipenband BAP um Frontmann Wolfgang Niedecken ihre Karriere begonnen und sich zu einer der wichtigsten deutschsprachigen Rockbands entwickelt hat. Von Dieter Kögel

Und zu denen gehören BAP auch heute noch, wie sie anlässlich der Tour zu ihrer neuen CD „Lebenslänglich“ im restlos ausverkauften Hanauer Amphitheater im 40. Jahr der Bandgeschichte unter Beweis gestellt haben. Zwar hat sich die Besetzung im Verlauf der Jahre mehrfach verändert, doch BAP ist sich treu geblieben. Wobei sie gerade im musikalischen Bereich heute eine Vielseitigkeit erreichen, die Freude macht.

Da klingen Orgel und Tasteninstrumente wie Emerson, Lake und Palmer, akustische, halbakustische und elektrische Gitarren in verschiedenen Klangfarben. Das gute alte „Wawa“-Pedal kommt ebenso zum Einsatz wie der „Slide.“ Nicht für Showzwecke. Die musikalischen Effekte, die leise an die Zeit der Bandgründung erinnern, haben genau dort ihren Platz, wo sie hinpassen – ohne ein Übergewicht einzunehmen oder über Gebühr ausgereizt zu werden. Violine, Cello, Bläser sorgen für weitere klangliche Farbtupfer in der Mischung aus Rock, Blues und Folk mit zum Teil fast kammerorchestralem Charakter. Zweieinhalb Stunden lang hielten BAP am Mittwochabend so ihre Zuhörer im Bann, begeisterten mit Altem und Neuem, wobei das Alte leider zu ungeahnter Aktualität gelangt ist.

Die „Kristallnaach“ von 1982 durfte im Programm nicht fehlen – ebenso wie Niedeckens Kommentar zum Wahlergebnis in Mecklenburg Vorpommern: „Da kannste nur noch kotzen.“ Der Song, in dem es um Rechtsextremismus geht, um eine „Volksseele“, die „Richtung Siedepunkt wütet und schreit“, spricht eine sehr deutliche Sprache. Niedecken bezieht nach wie vor deutlich Stellung. Sowohl politisch als auch zwischenmenschlich.

BAP im Amphitheater

Liebeserklärungen an Köln werden gesungen, und auch an Menschen. „Du kannst zaubere“ sorgt für Gänsehaut, bei „Jraduss“ brennen Wunderkerzen, die Menge singt textsicher mit, wird dafür von Niedecken geadelt.

„Hanau ist ein Stadtteil von Köln.“ Das bewahrheitet sich auch beim letzten Titel vor den Zugaben. Kraftvoll das „Verdamp lang her,“ viel viel Platz für den fast 3000-stimmigen Hanauer Amphitheaterchor. Wolfgang Niedecken an die Fans: „Es war uns ein Fest.“

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