„Das ist grotesk“

ALF kritisiert Genehmigung für Telefonica-Feier am Main

Hanau - Die Alternative Linke Fraktion (ALF) im Stadtparlament kritisiert, dass die Stadt das Amphitheater, die Orangerie und das Mainufer bei Schloss Philippsruhe für eine interne Firmenfeier des Konzerns Telefonica vermietet. Zu der Veranstaltung am 12. Juli, bei der es umfangreiche Sperrungen geben wird, werden bis zu 4 000 Menschen erwartet.

„Wie weit geht die Stadt noch, wenn sie nur Geld verdienen kann“, schimpfen Christa Martin und Zarife Bulut von der ALF. Sie halten das städtische Vorgehen, ein Landschaftsschutzgebiet zu vermieten, für nicht akzeptabel. Es sei über die Köpfe der in der Nähe lebenden Menschen entschieden worden. Selbst wenn es sich beim Ufer unterhalb des Schlosses „nur“ um Nutzrasen handele, so sei doch aus Erfahrung bekannt, wie wenig städtische Auflagen nutzten und wie leicht eine Wiese bzw. Rasen zerstört werden könnten. Dass diese Wiese kein Biotop sei, ändere nichts an der Tatsache, dass es sich um ein geschütztes Gebiet handele, das mit Vorsicht zu behandeln sei. Es werde aber eine Schädigung in Kauf genommen.

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Die Vermietung sei „grotesk“, meint die ALF. „3 000 bis 4 000 feiernde Menschen - welcher Rasen kann denn hierbei geschont werden?“, heißt es in einer Pressemitteilung. Martin bezweifelt, „dass Bodenbrüter und andere Tiere tatsächlich effektiv geschützt werden können bei einer so großen Feier“. Zudem kritisiert die ALF, dass wegen dem Telefonica-Fest eine Musical-Aufführung der Brüder Grimm Festspiele abgesagt wird. „Die Besucher, die sich auf einen schönen Märchenabend gefreut haben und vielleicht nur diesen einen Abend zur Verfügung haben, sind mit Sicherheit nicht begeistert darüber, dass ihnen wegen einer riesigen Firmenfeier nun ein Strich durch die Vorfreude gemacht wird. Sie werden vielmehr bestraft“, meint Zarife Bulut. Die ALF rechnet „mit Auswirkungen auf den zukünftigen Verkauf von Eintrittskarten“, da die Märchenliebhaber offenbar mit Absagen rechnen müssten, „sollte sich die Vorgehensweise der Stadt fortsetzen“.

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Die Zusage zu geben, ein Zelt auf der Landschaftsschutzwiese aufstellen zu dürfen, das einer Baugenehmigung bedürfe, habe „durchaus groteske Züge“. Für die Nutzungen kaufe sich das Unternehmen per Gestattungsentgelt frei und zahle nochmals 20.000 Euro für die ausgefallene Märchen-Vorstellung. Das helfe aber weder den Festspiel-Zuschauern, noch den Anwohnern und auch nicht dem Landschaftsschutzgebiet. Einzig dem lädierten Stadtsäckel kämen diese Zahlungen gelegen.

cs

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