Die Würfel fallen noch

Künftige Nutzung des Kanzleigebäudes weiter offen

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Die hohe Gewölbedecke in den ehemaligen Räumen der Wetterauischen Gesellschaft ist ein Blickfang. Hier könnte vielleicht mal Gastronomie einziehen.

Hanau - Die Zukunft des Kanzleigebäudes am Schlossplatz nach dem Auszug von Stadtbücherei, Stadtarchiv und Wetterauischer Gesellschaft im vergangenen Jahr treibt auch viele interessierte Hanauerinnen und Hanauer um. Von Dieter Kögel

Das zeigte das große Interesse an einer erneuten Führung durch das seit Monaten leerstehende Gebäude, die von der Interessengemeinschaft Hanauer Alstadt (IGHA) organisiert worden war. Dabei konnte man sich einen Eindruck von den weitläufigen, größtenteils denkmalgeschützten Räumlichkeiten verschaffen. Zwar steht neben dem Eingang zum Bau in Stein gemeißelt noch immer „Volkshochschule“ in der Liste der Nutzer dieses Hauses, ob aber die städtische Bildungseinrichtung tatsächlich in den Kanzleibau einziehen wird, das steht noch in den Sternen. Wie berichtet hat der Förderverein der Volkshochschule einen Umzug vom jetzigen Standort am Ulanenplatz zum Schlossplatz bereits abgelehnt, weil keine Verbesserung der räumlichen Verhältnisse in Aussicht stehe. Auch ein Dozent der Hanauer Volkshochschule betonte bei der Führung, dass die Quadratmeterzahl wohl die gleiche sein möge wie am jetzigen Standort, aber die räumlichen Zuschnitte sich für vernünftige Klassenräume nicht eignen würden. Deshalb hatten sich auch die Kursleiterinnen und Kursleiter gegen das Kanzleigebäude ausgesprochen.

Hanaus Baudezernent Andreas Kowol (Grüne), der die Führung durch die Räume übernommen hatte, informierte über den aktuellen Stand. Der für die städtischen Liegenschaften zuständige Eigenbetrieb Hanau Immobilien und Baumanagement prüfe derzeit, ob sich das Kanzleigebäude tatsächlich als neues VHS-Domizil eignet. Doch unabhängig von der künftigen Nutzung ist nach Kowols Worten klar, dass der Kanzleibau als bedeutendes historisches Bauwerk auf jeden Fall im Eigentum der Stadt Hanau bleiben soll und nicht veräußert wird. Klar sei aber auch, dass eine spätere Nutzung, wie auch immer die aussehen könne, Geld einbringen müsse. Geld, das die Stadt aber erst einmal für die Sanierung des Kanzleibaus auf den Tisch legen müsse. Und das scheint nicht wenig. Mit drei bis vier Millionen rechnet der Stadtrat, eventuell mehr, je nach Nutzung.

Denn mit einer „kleinen“ Sanierung sei es nicht getan. Boden, Wände, Decken, Installationen, nahezu alles entspreche nicht mehr den aktuellen Erfordernissen. Es stehe eine Art Grundsanierung an, erläuterte Kowol.

Die allerdings garantiere dann auch vernünftige Nutzungsmöglichkeiten für die Zukunft. In den ehemaligen Räumen der Wetterauischen Gesellschaft, wo die hohen Gewölbedecken ein Blickfang sind, sei beispielsweise Raum für Gastronomie und Veranstaltungen denkbar. Angrenzende Räume könnten mitgenutzt werden, Sicherheitsanforderungen etwa durch zusätzliche Fluchtwege scheinen trotz Denkmalschutz realisierbar.

Leere Regale und Schreibtische erinnern im ersten Stock des Kanzleigebäudes noch an die einstige Nutzung des Gebäudes als Domizil der Hanauer Stadtbibliothek.

Tagungsräume oder Schulungsräume könnten im ersten Stock geschaffen werden, wo die Stadtbibliothek über Jahrzehnte ihre Heimat hatte. Daran erinnern noch leere Regale mit den entsprechenden Aufschriften wie „Krimi“, „Frauen“ und „Familie“, leere Schreibtische und Schränkchen. Das gleiche Bild im Obergeschoss, wo ebenfalls viel in den ehemaligen Büros beidseitig des langen Ganges zurückgeblieben ist. Erstaunlich ist dennoch das Platzangebot im Kanzleibau, das laut Kowol bei Bedarf auch noch durch das angrenzende Haus des Handwerks ergänzt werden könnte, das ebenfalls im Besitz der Stadt und mit dem Kanzleibau durch einen Übergang verbunden ist. Immerhin wird der Kanzleibau auf absehbare Zeit trocken bleiben. Denn der am Samstag gewährte Blick in die Dachkammern zeigte deutlich, dass das nach dem Krieg eingezogene Gebälk noch in sehr gutem Zustand ist.

Kowol regte zur öffentlichen Diskussion über die künftige Nutzung des historischen Gebäudes an. Denn schließlich seien die Würfel noch nicht gefallen und man befinde sich erst im Findungsprozess. Den hat die Alternative Linke Liste (ALL) für sich offenbar bereits abgeschlossen. Sie hält das Kanzleigebäude als VHS-Gebäude für ungeeignet. Moderne Schulungsräume könnten dort nicht eingerichtet werden, auch sei die Parkplatzsituation am Schlossplatz schwierig. Stattdessen schlägt die ALL den Umbau des Haus des Handwerks in ein Wohnhaus vor. Das Kanzleigebäude selbst könnte im Obergeschoss als „Gründerzentrum“ für Start-Up-Unternehmen und im Erdgeschoss für kulturelle Zwecke genutzt werden. Keinesfalls dürfte die Volkshochschule zum „Lückenbüßer“ werden, weil sich die Hotelpläne der Stadt im Kanzleigebäude nicht realisieren ließen.

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