19. Großauheimer Kunststationen

Künstlerischer Dialog mit Augenzwinkern

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„Circuit“ heißt die Installation der Künstlerin Merja Herzog-Hellstén, mit der sie zu einer Auseinandersetzung mit den Themen Energie und technischer Fortschritt einlädt.

Grossauheim - Isolierrohre in Hellgrau und Rot schweben, an Hotztrapezen befestigt, im Raum. Zu Knäulen verschlungen und lose hängend, ihre Enden finden keine Verbindung zueinander. Von Laura Hombach 

Die Konzeptkünstlerin Merja Herzog-Hellstén hat eigens für die Maschinenhalle des Museums Großauheim die Installation „Circuit“ geschaffen, die nun ihren Platz zwischen den imposanten Dampfmaschinen eingenommen hat. „Zuerst hatte ich Bedenken, dass die Maschinen zu dominant sein könnten“, erklärt die international renommierte Künstlerin mit finnischen Wurzeln, die inzwischen in Hanau eine neue Heimat gefunden hat. Beim Pressetermin im Großauheimer Museum erläuterte sie gestern die Entstehung ihres Werks.

Sie arbeite quasi in der virtuellen Realität, wenn sie die Installation zunächst außerhalb der Räumlichkeit, in die sie sich später einfügen soll, schaffe. Im Falle des Maschinenraums eine besondere Herausforderung, weil es galt, ihrer Kunst auch vor dem Hintergrund der wuchtigen Maschinen Gewicht zu verleihen. „Erst als alles an seinem Platz war, konnte ich sehen, dass der Dialog zwischen den Maschinen und der Installation funktioniert“, schildert Herzog-Hellstén. Dieser Dialog zwischen Kunst und Technik sei ein humorvoller und mit einem Augenzwinkern geführt, so die Künstlerin. Energietransport, alternative Energien, „Mit welcher Energie möchte ich leben?“ - die Installation mit ihren unterschiedlichen Verbindungselementen, die dann doch keine Verbindung zueinander finden, lädt zur Interpretation und zum Dialog ein. „Ich fand es sehr schön, dass das Thema Energie in diesem Raum durch die Schautafel bereits so gegenwärtig war“, erklärt Herzog-Hellstén.

Zu sehen ist die Installation im Rahmen der 19. Großauheimer Kunststationen, die vom 19. Juni bis zum 10. Juli Besucher in das Kunsthaus Neunauge, die Galerie Fototreppe 42 und die Galerie Kunstraum 69 sowie das Museum Großauheim einladen. Eröffnet werden die Kunststationen am morgigen Samstag, 18. Juni, mit einer langen Kunstnacht, bei der die Besucher von 20 bis 23 Uhr zum Flanieren durch Galerien und Gärten eingeladen sind.

Unter dem Titel „Open Mind“ sind im Kunsthaus Neunauge Malerei und Skulpturen von Dusan Radan und Yochen Schwarz zu sehen. Die Galerie Fototreppe 42 zeigt Schwarzweiß-Fotografien von Andreas Wellmann, der die Natur im Süden von Wales mit seiner analogen Kamera eingefangen hat. Lust auf Landschaft macht die Malerin Jutta Winterheld mit ihren Werken, die im Kunstraum 69 zu sehen sind. Und schließlich warten im Museum Großauheim die Installation „Circuit“, die Dauerausstellungen zu August Gaul, August Peukert, die Klanginstallation von Erwin Stange sowie die Sonderausstellung „Von Hoffnung, Angst und Hunger - Großauheim im Ersten Weltkrieg“ auf die Besucher.

„Wir sind glücklich, dass wir im Rahmen der Kunststationen so viel Qualität zeigen können“, erklärt die Leiterin des Museums Großauheim, Beate Hofmann. Sie hoffe, dass die Installation, die bis 21. August zu sehen ist, auch jüngeres Publikum ins Museum bringt. Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck bezeichnete die lange Kunstnacht als Ereignis, bei dem die Großauheimer Kunstszene auf den Rest der Stadt ausstrahle.

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