Stunde der Optimisten

„Die Lochis“ im Hanauer Amphitheater

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Gute Laune ist Ehrensache: Heiko und Roman Lochmann alias die „Lochis“ beim Auftritt im Hanauer Amphitheater.

Hanau - Die noch nicht ganz volljährigen Zwillinge Heiko und Roman Lochmann haben vor vier Jahren angefangen, sich mit selbst produzierten Videosketchen, Musikparodien und zunehmend auch eigenen Kompositionen als „Die Lochis“ auf dem Videokanal Youtube einen Namen zu machen. Von Dieter Kögel

Mittlerweile haben sie den Sprung aus der digitalen Welt auf die großen Bühnen mit ihrer ersten CD „Zwilling“ geschafft. Allein beim Konzert im Hanauer Amphitheater am vergangenen Freitag konnte sich das Brüderpaar von 2 800 Fans frenetisch feiern lassen. Und die tun es laut und heftig. So wie in den 60ern bei den Beatles oder zwei Jahrzehnte später bei den aufpoppenden Boygroups und Girliebands. Die Schreie der Begeisterung sind schrill, wollen nicht abebben, nachdem die beiden Jungs die Bühne betreten haben. Tausend Smartphones werden hochgereckt, um das Spektakel auf der Bühne zu bannen. An den Desks mixt ein DJ die musikalischen Zutaten wie einen Cocktail nach Bedarf zusammen.

„Die Lochis“ sind ständig in Bewegung, die Bühne abschreitend, das Publikum anfeuernd, sich herzlich bedankend. Dafür, dass auch die Fans in Hanau dafür gesorgt haben, dass die CD „Zwilling“ zur Nummer Eins in den Charts avanciert ist. Wobei die Fans im Amphitheater im Alter zwischen zehn und 17 Jahren aus der ganzen Region nach Hanau geströmt waren. Sie treffen mit ihren Liedern und ihrer Musik scheinbar den Nerv einer Generation, der Theater ebenso wenig Anreiz bietet wie die gängige Popkultur. In diese Lücke stoßen „Die Lochis.“ In „Bruder vor Luder“ besingen sie Freundschaft, Seelenverwandschaft, Solidarität. „Wir halten zusammen, alle für einen, einer für alle, das ist ganz normal, alles andere wäre asozial.“

„Die Lochis“ rappen auch. „Halt deine Schnauze, Digger,“ singen sie. Und meinen damit jene Sprechgesangvertreter, die in zu weiten Trainingsanzügen und mit ins Gesicht gezogenen Baseballmützen gegen das böse Umfeld wettern. Das ist das Schöne an den „Lochis.“ Sie strahlen Lebensfreude aus, machen in Optimismus, können jungen Leuten zwischen Kind- und Erwachsensein durchaus eine Sichtweise mitgeben, die positiv besetzt ist. Keine schlechte Botschaft für eine Generation, in der medial eher Hoffnungslosigkeit verbreitet wird.

So wirkt Musik auf unseren Körper

„Wann wenn nicht jetzt“ und „wer wenn nicht wir“: Im Titel „Lieblingslied“ der „Lochis“ wird es eigentlich auf den Punkt gebracht. Der Text, er ist bei den Fans regelrecht eingebrannt, sie singen alle mit. Und „Die Lochis“, sie haben ihn bereits umgesetzt. Das Brüderpaar ist mit seiner musikalischen Sicht der Dinge dicht am Puls derjenigen, die sich über jeden Funken Hoffnung freuen können.

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