Maikundgebung und internationales Fest

„Umverteilung des Reichtums“

+
Die SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Ypsilanti war die prominenteste Rednerin vor rund 200 Menschen bei der gestrigen Maikundgebung vor dem Deutschen Goldschmiedehaus.

Hanau - Dem zentralen Motto des Deutschen Gewerkschaftsbundes zu den diesjährigen Maikundgebungen nach „Mehr Zeit für Solidarität“ schlossen sich gestern bei der Kundgebung auf dem Altstädter Markt rund 200 Menschen an. Von Dieter Kögel 

Ab Mittag gab es dann ein buntes Fest im Park des Olof-Palme-Hauses. „Es ist höchste Zeit für mehr Solidarität“, forderte Ulrike Eifler, Geschäftsführerin des DGB Südosthessen, in einer engagierten Rede vor dem Goldschmiedehaus. Denn national und europaweit „stehen wir vor einem verteilungspolitischen Desaster“, hervorgerufen durch „eine 30 Jahre lang währende und immer noch andauernde neoliberale Politik,“ die in Deutschland und anderen Ländern den Rechtsruck erst ermöglicht habe.

Statt Sparmaßnahmen, die Kommunen und Bürger treffen, müsse man sich das Geld bei jenen holen, die es horten: Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer, Steuerflucht seien Töpfe, auf die man zugreifen könne, wenn es denn politischer Wille wäre. Generell müsse die Verteilungsfrage wieder zum politischen Thema werden, so Eifler.

Es gehe darum, „Solidarität in Europa neu zu denken,“ forderte auch die SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Ypsilanti. Frontex und geschlossene Grenzen „werden das Problem nicht lösen, nur verschieben“, weil Verfolgung und Kriege blieben. Kriege, zu denen Deutschland „zum Teil die Waffen liefert.“ Auch hier dürften sich die Verantwortlichen „nicht länger wegducken.“

„Was wir brauchen ist einfach mehr Demokratie in der europäischen Gemeinschaft“, so Ypsilanti. Dazu gehöre auch, das Thema Umverteilung des Reichtums wieder „auf die Tagesordnung zu setzen“, denn es gebe „keinen Konflikt zwischen den Völkern, sondern zwischen Oben und Unten.“ Ein Sachverhalt, der von Rechtspopulisten geleugnet werde. Doch „Rassismus ist der Verlust von Menschlichkeit, und damit der Verlust der Solidarität“, so der DGB-Kreisvorsitzende Klaus Ditzel.

Leserbilder: Die schönsten Plätze in Hanau

Der Mangel an Mitteln ist auch für Flüchtlinge spürbar. Ein Sprecher der Initiative „Lampedusa in Hanau“ machte deutlich, dass er und seine Kollegen seit langem auf Sprachkurse warten, diese aber aufgrund fehlender Mittel und wegen entsprechender Bestimmungen nicht bekämen. „Lampedusa in Hanau“ hat sich selbst geholfen: „Wir haben selbst einen Sprachkursus organisiert.“

Die Bildung stand auch beim Beitrag der Lehrergewerkschaft GEW im Fokus. „Deutschland investiert die nötigen Mittel nicht“, um im Bildungsbereich erfolgreich sein zu können, so Heinz Bayer von der GEW. Gerade auch in der hessischen Bildungspolitik werde „vorne aufgebaut, was hinten abgerissen wird.“

Es war ein bunter Zug, der sich nach der Kundgebung dann in Richtung Olof-Palme-Hause in Bewegung setzte. Neben den Gewerkschaftern marschierten kurdische und türkische Organisationen mit, Flüchtlinge hatten sich der Kundgebung und dem Demonstrationszug angeschlossen, Fahnen wurden geschwenkt, der Ruf, der die internationale Solidarität hochleben ließ, war lautstark und oft zu hören. Und rund um das Olof-Palme-Haus wurde die internationale Solidarität dann bei internationalen kulinarischen Spezialitäten und bei Livemusik einen angenehmen Nachmittag lang gelebt.

Sie blühen und blühen - diese Sommerblumen muss man haben

Kommentare