Klinikum Hanau an Studie beteiligt

Neue Wege bei Brustkrebs-Ops?

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Das Team der Studienzentrale der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe (v. l.): Leitender Oberarzt Roland Fricker, die Studienassistentinnen Violetta Fricker und Anja Schäfer, Dokumentationsassistentin Simone Kruckenfellner und Chefarzt PD Dr. med. Thomas Müller.

Hanau - Das Klinikum Hanau ist maßgeblich an einer Brustkrebsstudie beteiligt, deren Ergebnisse in der Fachwelt mit Spannung erwartet werden. Es geht dabei um die Frage, ob bei brusterhaltenden Operationen die Lymphknoten weiterhin automatisch entfernt werden sollten.

Für manche Frauen ist das Entfernen der Lymphknoten im Zuge einer solchen Brust-OP die Ursache für Schmerzen, Schwellungen und Taubheitsgefühlen im Arm. Das belegt auch eine aktuelle Studien aus Kanada.  Eine groß angelegte Untersuchung, die so genannte INSEMA-Studie, unter der Leitung der Universität Rostock, soll nun klären, ob auf das Entfernen der Lymphknoten bei derartigen Operationen verzichtet werden kann. An der Studie werden nach Angaben des Klinikums Hanau bundesweit rund 6000 Patientinnen mit früherem Brustkrebs und einer geplanten brusterhaltenden Operation teilnehmen. Aus Hanau sind schon jetzt fast 45 Patientinnen mit im Boot. Damit liege das Klinikum Hanau unter den „Top Ten“ der teilnehmenden Krankenhäuser.

Für die Teilnahme an klinischen Studien wurde an der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Hanau eine so genannte Studienzentrale ins Leben gerufen. Klinische Studien ermöglichen Frauen, die beispielsweise an Brustkrebs erkrankt sind, frühzeitig und zum Teil bereits vor einer allgemeinen Zulassung, Medikamente und Wirkstoffe zu erhalten. Chefarzt Dr. Thomas Müller erklärt das Verfahren: „Die Deutsche Krebsgesellschaft empfiehlt Krebsbehandlungen in zertifizierten Organzentren. Dazu gehört auch das Klinikum Hanau, und zwar für Krebserkrankungen bei Frauen als einziger Standort im Main-Kinzig-Kreis.“ Somit bündelten am Klinikum Hanau unterschiedliche medizinische Experten ihr Fachwissen.

„Mit der zusätzlichen Einrichtung einer Studienzentrale können wir unseren Patientinnen aber noch mehr bieten“, so Dr. Müller, „sie können modernste und innovative Behandlungsmethoden nutzen, für die bereits ein positiver Effekt nachgewiesen wurde.“ Damit würden die Betroffenen tatsächlich nach dem allerneusten wissenschaftlichen Erkenntnisstand behandelt.

Die Teilnahme an der INSEMA-Studie ist Chefarzt Dr. Müller dabei ein besonderes Anliegen. „Es ist ein wichtiges Thema, das uns am Klinikum Hanau seit langem bewegt“, so Müller. Als bundesweit zweite Klinik hatte das Klinikum Hanau bereits 1998 die schonende Wächterlymphknoten-Operation der Achselhöhle eingeführt. Dr. Müller ist sich sicher, dass sich durch die Ergebnisse der Studie nun für eine Vielzahl von Patientinnen ein weiteres großes Plus an Lebensqualität ergeben kann.

Brustkrebs - Anleitung zur Selbstuntersuchung

Nach Müllers Ansicht ist klinische Forschung die Grundlage für den Fortschritt in der Medizin. Die klinischen Studien seien notwendig, um die Wirksamkeit von Konzepten aus der Grundlagenforschung im „Alltag“ zu überprüfen. Erst wenn diese nachgewiesen sei, könnten neue Behandlungskonzepte in die Patientenversorgung übernommen werden.

„Klinische Studien müssen hohe ethisch-rechtliche, methodische und wissenschaftliche Anforderungen erfüllen“, betont der leitende Oberarzt Roland Fricker. Dafür bedürfe es professioneller Strukturen und hoch qualifizierter Mitarbeiter. Wichtig, so Müller, sei ein ständiger, interdisziplinärer Informationsaustausch, beispielsweise in fachübergreifenden Tumorkonferenzen, in denen nach einer Operationen gemeinsam ein Therapieplan für die betroffenen Patienten ausgearbeitet werde. did

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