Streit um Lärm

Nordmainische S-Bahn: Hanau besteht auf „Vollschutz“

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Künftig soll auch am Wilhelmsbader Bahnhof die Nordmainische S-Bahn vorbeirollen. Dazu müssen zwei zusätzliche Gleise gebaut werden. Vom Bauherr DB Netz verlangt die Stadt Hanau mehr Lärmschutz als bislang in den Planungen vorgesehen.

Hanau - Man sei sehr froh über dieses Projekt, auch weil man sich durch den Bau der Schallschutzwände eine Entlastung der Bürger entlang der Bahnstrecke erhoffe, machte Hanaus Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) an Tag zwei des Erörterungstermins zum Bau des Hanauer Abschnitts der Nordmainischen S-Bahn noch einmal deutlich. Von Laura Hombach 

Gleichwohl betrachtet die Stadt den bisher von der DB Netz geplanten Lärmschutz als nicht ausreichend. Auf rund sechs Kilometern Länge soll in Hanau das Schienennetz für die neue Nordmainische S-Bahn viergleisig ausgebaut werden. Während das bisher vorhandene Schienennetz für die Regionalbahnen, die zu Hauptverkehrszeiten im 15-Minuten-Takt verkehren sollen, vorgesehen ist, werden die zwei neu entstehenden Gleise für den Güter- und Fernverkehr genutzt. Jeweils im Südbereich des Wilhelmsbader und des Westbahnhofs sind bereits Korridore für die neuen Gleise freigehalten.

Unbestritten war gestern beim Erörterungstermin in der Kulturhalle Steinheim zwar, dass der mit der Maßnahme einhergehende Bau von rund 8,5 Kilometern Schallschutzwänden eine erhebliche Verbesserung zum Status quo darstellt. Trotzdem sieht die Stadt Hanau bei den von der DB Netz vorgelegten Lärmschutzplanungen Nachbesserungsbedarf. Im Namen der Stadt übte der Frankfurter Anwalt Matthias Möller-Meinecke Kritik an der von der DB Netz vorgelegten Zugverkehrprognose für das Jahr 2025 und am Berechnungsverfahren für den Schallschutz. Die Bahn habe bei ihren Berechnungen die Vollauslastung der Strecke nicht berücksichtigt, bei der mehr als doppelt so viele Züge verkehren könnten, wie in der vorgelegten Prognose für 2025 angenommen, monierte Möller-Meinecke. Auch sei die Berechnung zum Lärmschutz nicht auf dem neuesten Stand der Technik erfolgt. Der Anwalt stützte sich dabei auf Berechnungen der von der Stadt beauftragten Schalltechnik-Expertin Dr. Kerstin Giering, die teils zu anderen Ergebnissen bei der Lärmbelastung gelangt war als die DB Netz.

Verkehrsdezernent Kowol monierte, dass es laut Planungen der DB Netz bei 256 Gebäuden nicht möglich sei, diese durch aktive Schallschutzmaßnahmem so zu schützen, dass nachts die zulässige Dezibelzahl nicht überschritten würde. Betroffen wären damit 810 Wohnungen in den 256 Gebäuden, wie sich im Lauf des Erörterungstermins herausstellte. Für diese Gebäude kommt laut DB Netz nur ein passiver Schallschutz, etwa in Form von Lärmschutzfenstern, in Frage.

Kowol forderte an dieser Stelle mehr aktiven Lärmschutz. Der Forderung verlieh auch Möller-Meinecke Nachdruck. Neben zahlreichen juristischen Argumenten führte er auch den Aspekt der Gesundheitsgefährdung durch Lärm an, um von der DB Netz einen „Volllärmschutz“ einzufordern.

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Das Argument des von der DB Netz beauftragten Ingenieurs Peter Fritz, dass ein Vollschutz gar nicht im Sinne der Stadt sei, weil dafür erheblich massivere Lärmschutzwände nötig seien, die zur Zerschneidung des Stadtbilds führten, wollte Kowol so nicht gelten lassen. Zwar hätten die wie ein Band durch die Stadt verlaufenden Lärmschutzwände ohne Zweifel eine gewisse Trennwirkung. Diese komme aber weniger zum Tragen, wenn die Wände etwa begrünt und nicht, wie in den Planungen der DB Netz vorgesehen, aus Lochblech gefertigt würden. Er forderte, dass insbesondere in Annäherung an die Innenstadt die Lärmschutzwände höher sein müssten als die geplanten drei bis viereinhalb Meter.

Den Emmissionsschutz hatten auch viele der 116 von Privatleuten eingereichten Einwendungen zum Inhalt. Einige von ihnen waren auch gestern vor Ort, um ihr Anliegen vorzutragen. So etwa Anwohner der Straße „Auf der Aue“ und des Baumwegs, die sich fragten, weshalb gerade zu ihrem Wohngebiet hin die Lärmschutzwand niedriger sei als etwa auf der gegenüberliegenden Seite der Schienen. Ein Anwohner der Mendelssohnstraße versuchte, anhand der Auskünfte der DB Netz nachzuvollziehen, weshalb laut Kosten-Nutzenanalyse für sein Haus kein aktiver Schallschutz möglich sein soll.

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