Poetry Slam vom Feinsten im Fronhof

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Die aus der Region besten Poetry Slamer des vergangenen Jahres maßen sich in ihrer aberwitzigen und zum Teil tiefgründigen Dichtkunst zum Auftakt der Kultursommer-Veranstaltungen im Fronhof.

Hanau - Längst ist „Poetry Slam“ auch in Hanau angesagt. Deshalb waren am Montagabend beim „Best Of Hanauer Poetry Slam“ zum Auftakt der Kultursommerveranstaltungen im Fronhof auch nahezu alle Plätze besetzt, so dass die besten Slammer aus den Veranstaltungen des Vorjahres ein fantastisches Forum hatten.

Das Publikum wurde bestens musikalisch eingestimmt von den Gewinnern des letzten Hanauer „Song Slams“, Sven Garrecht & Band aus Seligenstadt. Tolle, vielfältige Musik, und dazu pfiffige Texte, humorig, hintersinnig, frech und quer gedacht. Das passte ganz genau zu den Werken der sechs Poetry Slammer, die in den Dichterwettstreit auf der Bühne einstiegen. Eigentlich waren es sieben, doch Marvin Ruppert aus Köln las außerhalb der Wertung und übernahm die ungeliebte Aufgabe, erster auf der Bühne zu sein. Er bereitete mit seiner Figur, die sich wegen des Ablebens der Schildkröte abgrundtief grämt, seien Kollegen den Weg durch einen spannenden und überraschenden Abend. Ob mit Kaleb Erdmanns aberwitziger Konsumkritik, Stefan Dörsings Ode an alle gescheiterten Existenzen („Ein Text für jeden, der immer nur Nieten zieht“), oder Philipp Herolds Gedicht für alle Liebstollen. Da wurden mit viel Witz durchaus auch sehr ernste Inhalte transportiert. Tanasgol Sabbagh aus Friedberg beeindruckte mit ihrem Appell zur Emanzipation muslimischer Frauen, Veronika Hofmann aus Hanau thematisierte das Nacktsein vor anderen, aber nicht bloß im Sinne der Abwesenheit von Kleidung. Nachdenkliches zum Thema sich Öffnen, sein Inneres preisgeben. Aber um welchen Preis?

Es waren ausnahmslos sehr gute Arbeiten, die zum Vortrag kamen, und Moderatorin Dominique Macri, wie immer locker und pointiert von Anfang an ganz nahe am Publikum, musste oft mehrfach klatschen lassen, um die Finalisten zu ermitteln. Denn der Applaus des Publikums entschied über das Weiterkommen. Am Ende war es Leticia Wahl, die den Poetry Slam der Besten für sich entscheiden konnte. Mit einem Gedicht darüber, sich selbst treu zu sein. Aufgehängt an einem Veganer, der den väterlichen Metzgereibetrieb übernehmen soll. Schön schräg und trotzdem tiefsinnig. Heute geht es um 20 Uhr weiter mit Weltmusik, Klassik und Pop in der etwas anderen Interpretation der Gruppe „Wildes Holz.“ Einlass ist ab 19 Uhr.

Poetry Slam für Senioren: "Intime Montage" "mechender Sterz"

dk

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