Urwildpferde-Reservat ist UN-Dekade-Projekt

Preis für die Przewalskis auf Campo Pond

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Das Reservat der Przewalski-Urwildpferde in Großauheim wird jährlich allein von 5000 Kindern und Jugendlichen besucht. 

Grossauheim - Das FFH-Schutzgebiet Campo Pond ist gestern als UN-Dekade-Projekt ausgezeichnet worden. Hessens Umweltministerin Priska Hinz überreichte das Zertifikat und den so genannten Vielfalt-Baum vor der Koppel der Przewalski-Pferde. Von Dieter Kögel 

Umweltministerin Priska Hinz übergab die Auszeichnung an Axel Kunze von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.

Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz leben derzeit zehn der seltenen Urwildpferde. Die Auszeichnung sei „eine ganz besondere Würdigung des Projekts“, sagte Umweltministerin Hinz. Und das mit Recht. Denn die Erhaltung der biologischen Vielfalt sei auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Großauheim „hervorragend gelungen.“ In Hanau sei es von Anfang an geglückt, „die Konversion in vernünftige Bahnen zu lenken“, meinte Axel Kunze vom Vorstand der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die Geländeeigentümer ist und mit dem Projektträger Bundesforstbetrieb Schwarzenborn und den Partnern DB Netz AG und Stadt Hanau das Reservat betreut. „Wildpferde statt Panzer, so etwas könnte man sich weltweit öfter vorstellen“, lobte Oberbürgermeister Claus Kaminsky das erfolgreiche Projekt, das auch im Bereich der Umweltbildung zusammen mit dem Umweltzentrum Hanau hervorragende Arbeit leiste. Pro Jahr besuchen rund 5000 Kinder und Jugendliche das Naturschutzgebiet, um etwas über Artenvielfalt und Artenerhaltung zu lernen.

Das 70 Hektar große Gelände diente den amerikanischen Streitkräften rund sechs Jahrezehnte lang als Übungsplatz. Schweres Gerät wurde eingesetzt, Panzer pflügten durch das Gelände, Infanteristen traten zu Übungen an, am Wasserteich trainierten die Einheiten das Errichten von Pontonbrücken. Eine Belastung für den Boden, die letztendlich allerdings ein einzigartiges Biotop hervorgebracht hat. Sand-Magerrasen ist entstanden, steppenähnliche Verhältnisse mit entsprechend typischer Vegetation haben sich auf dem Übungsgelände herausgebildet.

Nach Abzug der Amerikaner wurde das Gelände im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten zum FFH-Gebiet mit europäischem Schutzstatus erklärt. Und anstatt schwerem Gerät sorgen seit 2009 die seltenen Urwildpferde dafür, dass der Bewuchs kurz gehalten und durch das Abgrasen die Verbuschung des Geländes verhindert wird.

Urwildpferde im Hanauer Naturschutzgebiet: Bilder

Fünf Stuten waren es am Anfang, die unter Trägerschaft des Bundesforstbetriebs Schwarzenborn das Areal beweideten. Dann kam Hengst Fury dazu und sorgte für Nachwuchs beim „Urwildpferde-Zuchtprojekt.“ Drei Fohlen kamen in Großauheim zur Welt. Fury ist mittlerweile nach Gießen umgezogen, um bei der dortigen Przewalski-Herde für Nachwuchs zu sorgen.

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Derzeit beweiden zehn Stuten und Jungtiere das Campo-Pond-Gelände. Sie müssen auf einen neuen Hengst warten. Denn aufgrund des eingeschränkt verfügbaren Erbmaterials der fast ausgestorbenen Urwildpferde muss im Vorfeld geprüft werden, wie die genetischen Verwandtschaftsverhältnisse der Tiere untereinander sind, um unliebsame Überraschungen bei der Vermehrung zu vermeiden.

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