Bewusstseinsstörung laut Gutachter unwahrscheinlich

Schuldfähig: Schwangere Schwester getötet

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Ein Polizeibeamter steht am 16.09.2016 im Verhandlungssaal des Landgerichts in Hanau (Hessen) vor der Anklagebank mit den beiden syrischen Brüdern, die sich im Zusammenhang mit dem Tod ihrer schwangeren Schwester verantworten müssen. Der Mann vorne Mitte soll die Schwester mit einem Messer erstochen haben, sein mitangeklagter älterer Bruder (links hinten) war auch am Tatort und soll auf den Ehemann der getöteten Frau eingeschlagen haben.

Hanau - Im Hanauer Prozess um eine Familientragödie, bei der ein junger Syrer seine schwangere Schwester getötet haben soll, hat ein psychiatrischer Gutachter den Hauptangeklagten als schuldfähig eingeschätzt. Der 22-Jährige habe bei der Tat über volle Steuerungs- und Einsichtsfähigkeit verfügt.

Eine tiefgreifende Bewusstseinsstörung sei unwahrscheinlich, sagte der Gutachter am Freitag in dem Totschlagsprozess am Landgericht Hanau. Der Angeklagte hatte zum Prozessauftakt gestanden, seine Schwester (30) im Januar bei einem Streit in ihrem Hanauer Wohnhaus umgebracht zu haben. Sie wurde mit etwa einem Dutzend Stichen getötet. Die Hiebe und Schnitte mit dem langen Küchenmesser seien bewusst in Richtung Hals gegangen, sagte der Gutachter. Eine ungesteuerte Affekttat könne er deswegen nicht erkennen. Auslöser für die Tat soll eine angeblich verletzte Familienehre gewesen sein.

Die 30-Jährige soll eine Liebesbeziehung mit einem anderen Mann gehabt haben, dem sie auch Dutzende Sexvideos von sich geschickt haben soll. Bei der eskalierten Familienaussprache wurde auch der Ehemann der Frau massiv verletzt. Er hatte sich von der 30-Jährigen trennen wollen und gedroht, die Sache mit den Sexvideos öffentlich zu machen. Der mitangeklagte ältere Bruder (26) des Täters war auch am Tatort an den Handgreiflichkeiten beteiligt. Er räumte vor Gericht ein, den Ehemann gewürgt zu haben. (dpa)

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