Gutachter: Keine Drogensucht

Prozess gegen 27-Jährigen wegen drei Raubstraftaten

Hanau - Wegen drei Raubüberfällen muss sich seit Montag ein 27-Jähriger vor dem Hanauer Landgericht verantworten. Der in Hanau geborene Mann mit marokkanischer Staatsangehörigkeit ist angeklagt, am 24. Juni diesen Jahres eine Gruppe Schüler, am 2. Juli einen jungen Mann und am 5. Juli die Kassiererin einer Tankstelle jeweils unter Bedrohung mit einem Messer überfallen zu haben. Von Laura Hombach

Dabei hatte der Angeklagte am ersten Verhandlungstag den Raub an den Schülern gestanden. An die beiden anderen Überfälle könne er sich indes nicht erinnern, weil er sie wenn, dann im Drogenrausch begangen habe. Nachdem der Angeklagte am Montag vom Großteil der als Zeugen geladenen Opfer als der Täter identifiziert worden war, sollten gestern die Gutachten zweier Sachverständiger weitere Klarheit bringen. Relativ eindeutig fiel dabei das anthropologische Vergleichsgutachten des Sachverständigen Dr. Cornelius Schott aus, der mittels der Aufnahmen der Tankstellen-Überwachungskameras anhand von Einzelmerkmalen Übereinstimmungen zwischen dem Täter und dem Angeklagten überprüft hatte. Sein Fazit: Bei dem Tankstellenräuber handelt es sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um den Angeklagten.

Der Sachverständige Dr. Werner Richtberg war vom Gericht mit der Erstellung eines Gutachtens zur vom Angeklagten vorgebrachte Drogenproblematik beauftragt worden. Grundlage für das Gutachten bildeten neben einem zweieinhalbstündigen Gespräch, das der Psychologe mit dem Angeklagten in der JVA geführt hatte, auch weitere Einblicke in die Vita des 27-Jährigen. Dazu gehörte auch ein Blick in das Vorstrafenregister des jungen Mannes, der seit 2005 mehrfach wegen Diebstahls, Raubs, Betrugs, Nötigung sowie unerlaubtem Drogenbesitzes vor Gericht gestanden hatte.

Der Angeklagte selbst, der als Jüngster von sieben Geschwistern in Hanau aufgewachsen ist, schilderte ausführlich seine Drogenlaufbahn, die mit 16 mit Haschisch begonnen und sich schließlich zum Konsum von Ecstasy, Amphetaminen und Kokain gesteigert habe. Als Geldquelle für den Drogenkauf und die vom Angeklagten ebenfalls angeführte Spielsucht nannte der 27-Jährige seine Eltern, bei denen er bis heute lebt, Hartz IV und „kriminelle Sachen“.

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Der Eigeneinschätzung des Angeklagten, die Überfälle im Drogenrausch begangen zu haben, wollte sich der Sachverständige in seinem Gutachten allerdings nicht anschließen. Er bescheinigte dem Angeklagten zwar einen schädlichen Drogenkonsum, jedoch keine Drogensucht. Auch in der Frage der Schuldfähigkeit des Angeklagten kam der Gutachter zu dem Schluss, dass dieser zur Tatzeit nicht an einer Verminderung der Steuerungsfähigkeit gelitten habe. Dafür sprächen auch die Zielgerichtetheit, mit der er den Überfall auf die Tankstelle begangen habe sowie die Aussagen der Zeugen, die übereinstimmend keinen Drogeneinfluss beim Täter hatten ausmachen können.

Verteidiger Peter Müller sah das mündlich vorgebrachten Gutachten indes als nicht ausreichend an und beantragte die Erstellung eines neuen schriftlichen Sachverständigengutachtens. Während Staatsanwalt Markus Jung keinen Bedarf für ein weiteres Gutachten erkennen konnte, gab das Gericht dem Antrag nach längerer Beratungszeit statt. Der nächste Verhandlungstermin ist für den 25. Oktober angesetzt.

Rubriklistenbild: © dpa

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