Jazz und Anekdoten vom Stöffche

„Red Hot Hottentots“ swingen in Alter Pfarrkirche

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Die Mischung aus flotter Jazz-Musik und munteren Wortbeiträgen begeisterte die Zuhörer beim Herbstkonzert in der Alten Pfarrkirche in Steinheim.

Steinheim - Fetziger Jazz, „Gebabbel um den Abbel“ und Lesungen mit Texten von Friedrich Stoltze begeisterten am Sonntagnachmittag die Besucher in der voll besetzten Alten Pfarrkirche in Steinheim.

Die Sitzplätze beim Herbstkonzert des Fördervereins der Alten Kirche reichten trotz zusätzlich aufgebauter Stuhlreichen bei weitem nicht aus. Trotz des hervorragendem Herbstwetters ließ es sich das Publikum nicht nehmen, eineinhalb Stunden bei dem herbstlichen Kulturevent am Kardinal-Volk-Platz dabei zu sein. „Nie waren sie besser als heute“, sprach Frank Lehmann beim Kompliment an die Jazz-Combo dem Publikum aus der Seele. Neben den beschwingt aufspielenden „Red Hot Hottentots“ hatte der bekannte TV-Journalist seines Zeichens auch Vorsitzender des Pfarrkirch-Fördervereins, auch den Äppelwoi-Geschichtskenner und Kelterer Jörg Stier eingeladen. Die humorig Mischung machte den Besuchern denn auch den Besuch der Veranstaltung schmackhaft wie einen frisch geernteten Apfel.

Bereits im letzten Jahr hatten die „Red Hot Hottentots“ die Besucher in der Alten Pfarrkirche mit heißen Jazz-Rhythmen zum Swingen gebracht. Und auch diesmal begeisterte die „älteste deutsche Jazz-Boygroup“, wie sich die Formation selbst nennt, beim Auftritt in Steinheim. Mehr als 300 Jahre Bühnenerfahrung bringen die sieben Musiker insgesamt mit, die sich dem traditionellen Hot Jazz verschrieben haben und Stücke wie „Sunny side of the street“ und „That’s a plenty“ präsentierten. Es sie ein „echtes Vergnügen für Sie, das weit und breit sachverständigste Publikum, spielen zu dürfen“, schmeichelte ein Bandmitglied charmant den Besuchern.

Zwischen den Darbietungen plauderte Apfelwein-Experte, Keltereibesitzer in Maintal, Buchautor und Mundartkönner Jörg Stier munter und kurzweilig in Anekdoten und heiteren Geschichten unter anderem über das Stöffche-Dreigestirn Bembel, Geripptes und Schoppedeckel. Die Rautenlichtbrechung des gerippten Glases sorge für das gülden Funkeln des Stöffchens, brachte Stier mit Augenzwinkern dem Publikum auch physikalische Aspekte des hessischen Nationalgetränks näher. Das Deckelsche auf dem Glas biete Schutz vor schädlichen Einflüssen – etwa vor einer fallenden Kastanie im Gartenlokal oder einer zu flüssigen Aussprache des Tischnachbarn.

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Stier wechselte sich bei den Auftritten mit Frank Lehmann ab. Der Fördervereins-Vorsitzende las und rezitierte beschwingt-humorig Verse des Frankfurter Satirikers, Freiheitskämpfers und Poeten Friedrich Stoltze, der am 21. November 200 Jahre alt geworden wäre. Mit einem „Schmähgedicht auf Bismarck“, einem laut Lehmann „aktuellen Bezug zu Grenzen und Integration“ sowie der „Blutblaas“ präsentierte er Bekanntes und Unbekanntes aus der Feder des Frankfurter „Mundart-Goethe“. Am Konzertende bat der Förderverein um Spenden zum Unterhalt der Alten Pfarrkirche. (hoh)

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