Seltene Wiesenbrüter sollen sich wieder vermehrt in der Kinzigaue ansiedeln

Rodungen für den Kiebitz

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Er ist inzwischen ein äußerst seltener Gast in der Kinzigaue vor den Toren Hanaus geworden: Der Kiebitz. Nur noch fünf Brutpaare haben Vogelschützer dort zuletzt gezählt. Nun will die GNA durch umfangreiche Biotop-Verbesserungen günstigere Brutbedingungen für den Kiebitz und andere seltene Wiesenbrüter schaffen.

Main-Kinzig-Kreis - Die Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung (GNA) möchte, dass sich der Kiebitz vor den Toren Hanaus noch wohler fühlt. Deshalb werden Maßnahmen zur Verbesserung der Kiebitz-Biotope in der Kinzigaue bei Langenselbold in Angriff genommen.

Die Anlage flacher Tümpel im Langenselbolder Flos sei ein wichtiger Beitrag zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der Lebensräume wiesenbrütender Vogelarten und seltener Amphibien an der Kinzig, teilte die GNA mit. Zurzeit gebe es im Langenselbolder Flos nur fünf Kiebitz-Brutpaare. Viele Wiesenvögel verzeichneten in den vergangenen Jahren „einen dramatischen Rückgang“, ein bundesweiter Trend. Verschärfend komme hinzu, dass oft der Bruterfolg ausbleibe, so dass ehemals typische Wiesenvogelgebiete in Hessen heute schon verwaist seien. Nach Angaben der Staatlichen Vogelschutzwarte in Frankfurt ist seit 1987 die Anzahl der Kiebitze in Hessen um 90 Prozent zurückgegangen.

Kiebitze benötigen zum Brüten weite, offene Wiesenflächen mit unterschiedlichen Bodenstrukturen. Ihre Nahrung finden sie in flachen Flutmulden und Senken, wo sie Wasserinsekten und andere wirbellose Tiere aufnehmen können. Diese wichtigen Lebensraumstrukturen fehlen aber zunehmend. Die GNA plante und entwickelte im Auftrag des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft des Main-Kinzig-Kreises im vergangenen Jahr die Biotopverbesserungen, die noch in diesem Jahr realisiert werden.

Bettina Laub, im Eigenbetrieb des Main-Kinzig-Kreises zuständig für Ausgleichsmaßnahmen, ist froh über den Start des Projektes: „Es freut mich sehr, dass die Maßnahmen nun umgesetzt werden. Die von der Unteren Naturschutzbehörde genehmigten Rodungsarbeiten dienen dem Artenschutz. Die anschließende Schaffung von neuen Flachwassermulden in der Kinzigaue ist eine wichtige Ausgleichsmaßnahme.“ Gefährdete Auenarten wie Kiebitz, Bekassine, Großer Brachvogel und Kammmolch erhielten dadurch wieder eine Chance.

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Damit die Kiebitze die Kinzigaue als neue Heimat annehmen und sie ihren Nachwuchs aufziehen können, ist die Rodung von Gehölzen direkt am Brutbiotop vorgesehen. Hohe Bäume und Hecken seien optische Barrieren im Gelände und schreckten die Vögel ab, die weite Areale suchen, wissen die Naturschützer. Der geeignete Nistplatz müsse einen großen Abstand zum nächsten höheren Gehölzsaum haben. Hinzu komme, dass Greifvögel hohe Bäume als Ansitz nutzten, von wo aus Mäusebussard, Habicht und Milan Kiebitzküken erspähten. Die geplanten Rodungen werden je nach Witterung im Oktober stattfinden. Mehrere Gräben werden zudem zu flachen Flutmulden umgestaltet, die neuen Lebensraum für seltene Amphibien wie Laubfrosch, Gelbbauchunke und Kammmolch bieten. Gewollter Nebeneffekt ist die Schaffung zusätzlichen Retentionsraums für den Hochwasserschutz an der Kinzig. GNA-Biologin Susanne Hufmann äußert die Hoffnung, dass „durch diese sorgfältig entwickelten Maßnahmen eine nachhaltige Verbesserung der Lebensbedingungen für Wiesenbrüter und Amphibien im Main-Kinzig-Kreis“ eintritt. Es sei zu wünschen, dass zukünftig wieder viele Kiebitze, Bekassinen, Uferschnepfen, Große Brachvögel, aber auch Zwergschnepfen zur Zugzeit zwischen Langenselbold und Hasselroth zu sehen seien. (did)

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