Über 12.000 ehrenamtliche Helfer

Senior Experten: Im Ruhestand weltweit aktiv

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Küchenteams in Albanien, Bolivien, Bulgarien, Kasachstan, Kirgisistan (Foto), Namibia und Russland haben bereits von der Erfahrung des ehemaligen Küchenmeisters und Werkskantinenleiters Werner Reinhart profitiert.

Hanau - Ein Käsefachmann, der in der Mongolei ein Rezept für einen Käse aus Kamelmilch entwickelt. Von Laura Hombach 

13 Mal war der Hanauer Dr. Hartwin Weber bereits als Senior Experte im Einsatz, vornehmlich in China (Bild) und Indien.

Ein Küchenmeister, der auf einem Markt in Kirgisistan fast alle Kräuter für eine Frankfurter Grüne Soße entdeckt: So sieht es aus, wenn die mehr als 12.000 Ehrenamtlichen des Senior Experten Service (SES) im Einsatz sind. Die Experten, die sich auf Vermittlung des SES in alle Herren Länder auf den Weg machen, um dort Firmen, Schulen und andere Institutionen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, tun dies unentgeldlich. Dabei können sie auf eine jahrzehntelange Berufserfahrung zurückgreifen, den die SES-Helfer befinden sich in der Regel im (Un)Ruhestand. Und das Wissen der Senior Experten ist gefragt: Ganze 1 705 Mal waren Ehrenamtler des SES im vergangenen Jahrallein im Ausland im Einsatz. In Hanau kamen gestern bei einer Regionaltagung rund 60 der SES-Experten aus dem Umkreis zum Austausch zusammen. Eine gute Gelegenheit, um auch Werbung für den Senior Experten Service zu machen. Denn auch wenn die Stiftung vielen Anfragen aus dem In- und Ausland nachkommen kann, sind neue Mitstreiter sehr willkommen. Besonders Handwerker seien sehr gesucht, erklärt SES-Pressereferentin Julia Haun. Über Metallografen in den Reihen der Senior Experten würde sich der Hanauer Dr. Hartwin Weber freuen. Nicht ohne Grund, denn bei seinen Einsätzen für die SES könnte der Physiker und Werkstofftechniker gut auf die von einem entsprechenen Experten geleistete Vorarbeit aufbauen.

2006 machte sich Weber, der bis zu seinem Vorruhestand bei der Vacuumschmelze in Hanau tätig war, zum ersten Mal als Senior Experte auf den Weg. Bei 13 Einsätzen hat er seitdem - vornehmlich in China und Indien, aber auch in Mexiko - ehrenamtlich mit seinem Fachwissen unterstützt. Bis zu zwei Monate investiert der Werkstoff-Fachmann dabei in die Vorbereitung seines jeweiligen Einsatzes. Vor Ort ist dann allerdings häufig erst einmal Flexibilität gefragt. „So mancher Auftraggeber weiß gar nicht genau, was das Problem ist, nur, dass es irgendwo hakt“, schildert Haun. So ist dann neben dem Fachwissen der Experten oft auch ein analysierender Blick von Außen oder Berufserfahrung abseits des Fachgebiets gefragt. Diese Vielseitigkeit der Aufgabe findet Waltrud Völker besonders ansprechend bei ihrem Einsatz als Senior Expertin. So widmete sich die pensionierte Lehrerin bei einem Einsatz in Uganda nicht nur ihrer eigentlichen Aufgabe, den Lehrkräften einer Schule Methoden des modernen Englischunterrichts zu vermitteln, sondern stellte auch gleich eine Schulbibliothek auf die Beine.

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Auch Weber kennt solche Situationen, so hatte eine kleine chinesische Firma Probleme, vor Ort die nötige wissenschaftliche Unterstützung für die Herstellung von besonders stabilem Stahl zu finden. Von Hanau aus organisierte Weber eine Kooperation zwischen einer chinesischen Universität und der kleine Firma. Ein Einsatz, für den er in diesem September sogar die Professorenwürde der chinesischen Hochschule verliehen bekommt.

Doch es muss nicht gleich ein Titel sein, um den Einsatz für die Senior Experten lohnend zu machen. „Es kommt so viel Dankbarkeit zurück“, sagt Werner Reinhart, der seit 2003 für den SES unterwegs ist. Der ehemalige Küchenmeister und Werkskantinenleiter hat bereits bei 14 Einsätzen in den unterschiedlichsten Ländern sein Fachwissen weitergegeben. „Ich wurde in Uganda sogar von Leuten auf der Straße angesprochen, die mir für mein Engagement in der Schule gedankt haben“, berichtet Völker. „Viele unserer Experten genießen die Wertschätzung, die man sonst im Ruhestand nicht mehr so erfährt“, erläutert Haun. Das und die Begegnung mit Menschen anderer Kulturen, nennt Völker ihre Beweggründe, sich beim beim SES zu engagieren. Die Erfahrungen – egal ob gute oder schlechte – seien auf alle Fälle eine Bereicherung, durch die sie auch mehr Selbstbewusstsein gewonnen habe, sagt sie.

Senior Experten Service

Der Senior Experten Service (SES) ist die Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit. Seit 1983 fördert der SES die ehrenamtliche Weitergabe von Wissen. Die Senior Experten waren seitdem in 160 Ländern bei 38 568 Einsätzen aktiv. Neben Einsätzen im Ausland, engagieren sich die Experten seit gut 25 Jahren auch in Deutschland selbst. Die Experten bringen Fachwissen aus 50 Wirtschaftszweigen mit. Die Einsätze der Experten dauern in der Regel vier bis sechs Wochen. Die Kosten für Flug und Unterkunft werden von den Auftraggebern vor Ort und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung übernommen. Der SES engagiert sich zudem in Deutschland bei der Betreuung von jungen Menschen in Schule und Ausbildung sowie der Integration von Flüchtlingen. Mehr zum SES und den Möglichkeiten, als Experte aktiv zu werden, finden sich im Internet unter www.ses-bonn.de.

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