Zum Schlummern geht’s in die Röhre

Umgebaute Kanalrohre werden zu Hotelzimmern

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Die umgebauten Kanalrohre laden zur Erlebnisübernachtung ein. Im Inneren bieten sie zwei Einzelbetten und ein großes Fenster an deren Kopfende.  

Main-Kinzig-Kreis - Test bestanden: Auf dem Gelände des Jugendzentrums Ronneburg sind fünf neue Röhrenhotels offiziell in Betrieb genommen. Der Kreisbeigeordnete Matthias Zach (Bündnis 90/Die Grünen) hat sich selbst von der neuen Übernachtungsmöglichkeit überzeugt. „Es war wunderbar“, berichtete er nach seiner ersten Nacht in einem der umgebauten Kanalrohre.

Drei Meter lang, ein Durchmesser von 2,40 Metern, im Inneren zwei Einzelbetten und am Kopfende ein großes Fenster: 19 Euro kostet die Übernachtung pro Person in der Betonröhre, die vor allem Wanderern sowie Rad- und Motorradfahrern zukünftig ein Quartier bieten soll. Die Idee, überdimensionale Kanalrohre als kleine Hotelzimmer zu nutzen, stammt aus Österreich. Zach selbst hatte sie in Bottrop entdeckt. „Man fühlt sich wie im Freien“, berichtete Andrea Sandow von der Pressestelle des Main-Kinzig-Kreises, die genauso wie drei Journalisten eine Nacht in einem der Röhrenhotels verbracht hatte. Strom und Licht sind vorhanden, da Heizung und Isolierung fehlen, ist derzeit aber nur eine Belegung von Mai bis Oktober vorgesehen. Die Investitionskosten belaufen sich auf insgesamt zirka 75.000 Euro.

Eine logistische Herausforderung war der Aufbau der fünf Röhren: Die jeweils 15 Tonnen schweren Sonderanfertigungen mussten mit Schwerlasttransportern zum Jugendzentrum Ronneburg geliefert werden, für die Platzierung auf der Gymnastikwiese war ein Spezialkran nötig. Die letzten Meter mussten mittels eines Baggers sogar gerollt werden. „Das ist eine Aufwertung für das Jugendzentrum. Diese Form der Erlebnisübernachtung wird den Rad- und Wandertourismus bei uns weiter beleben“, ist der Ronneburger Bürgermeister Andreas Hofmann überzeugt.

„Es war wunderbar“, sagt Kreisbeigeordneter Matthias Zach (rechts) nach einer Nacht in der Röhre.

140 Betten stehen in der kreiseigenen Einrichtung unterhalb der Ronneburg zur Verfügung, im vergangenen Jahr wurden 28 600 Übernachtungen registriert. Geschuldet war die hohe Auslastungsquote von 88 Prozent allerdings auch der Tatsache, dass andere Kreise ihre Jugendzentren für die Unterbringung von Flüchtlingen nutzten und viele Schulklassen daher in den Main-Kinzig-Kreis ausgewichen sind. Die zwischenzeitlich im Jugendzentrum Ronneburg untergebrachten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge sind inzwischen nach Bad Soden-Salmünster umgezogen. „Meine Generation steigt jetzt langsam auf E-Bikes um, damit sind auch solche Anstiege zum Jugendzentrum kein Problem mehr“, rechnet der Kreisbeigeordnete Zach mit einer Zunahme des Fahrradtourismus dank einer technischen Weiterentwicklungen der Räder und somit auch mit mehr Bedarf an Übernachtungsmöglichkeiten.

„Die klassischen Hotel- und Herbergsbetriebe können das nicht in der Form abdecken“, findet Zach die Röhrenhotels ideal für Urlauber, die eine Übernachtung und dazu eine Unterstellmöglichkeit für ihre Zweiräder suchen. Im Jugendzentrum können zudem die Mahlzeiten dazu gebucht werden, die Sanitäranlagen sowie das Freizeitangebot wie Schwimmbad, Sauna und Sportfelder können ebenfalls mitbenutzt werden. Buchungen sind ab sofort möglich, für den August habe sich bereits eine zehnköpfige Gruppe angekündigt, die unbedingt in den Genuss dieser neuen Form der Erlebnisübernachtung kommen wolle. (azi)

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