Planteijdt und Knab stellen im Goldschmiedehaus aus

Schmuckstücke für den zweiten Blick

Hanau - Ganz unterschiedlich sind die Arbeiten der beiden Goldschmiedinnen Ulrike Knab und Annelies Planteijdt, die ab Sonntag im Rahmen einer neuen Ausstellung im Goldsaal des Deutschen Goldschmiedehauses am Altstädter Markt zu sehen sein werden. Von Dieter Kögel 

Aus ausrangierten Materialien arrangiert Ulrike Knab ihre Schmuckstücke.

Doch die Grundideen für die Gestaltung sind durchaus verwandt: Eine neue Bestimmung finden für Form und/oder Material, und diese in einem kreativen künstlerischen Prozess zum Ausdruck bringen. Wie Grundrisse von Räumen oder wie kartierte Stadtansichten aus der Vogelperspektive wirken viele der fragilen Ketten aus Edelmetall aus der Werkstatt von Annelies Planteijdt. Statisch aufgebahrt offenbaren sie zunächst eine strenge Geometrie. Doch die aus vielen kleinen Teilen zusammengesetzten und an Scharnieren beweglich gehaltenen Segmente entwickeln in dem Moment ein Eigenleben, in dem sie angehoben werden. „Dann kommt das alles in Fluss,“ sagt Annelies Planteijdt. Und die Kette bleibt im dauernden Fluss, solange der Träger sich mit ihr bewegt, ändert ständig ihre äußere Erscheinung, präsentiert sich ständig in neuem Licht. Bis sie, abgelegt und entsprechend gefaltet, wieder eindimensional erscheint.

„Beautiful City – Schöne Stadt“ nennt die Goldschmiedin ihre im Jahr 2000 begonnene Werkreihe, die von den urbanen Strukturen inspiriert ist. Aber auch von molekularen Strukturen, die dem Auge im Normalfall verborgen bleiben. Planteijdt macht sie mit ihrer Kunst sichtbar, verhilft ihnen in ihren Schmuckkreationen zu einem spannenden Eigenleben. Die „Bunte Welten“ von Ulrike Knab sind im Gegensatz zu den Arbeiten von Annelies Planteijdt auf den ersten Blick eher als Schmuck auszumachen. Doch auch hier ist es erst der zweite, eingehendere Blick, der die kleinen Geheimnisse der Stücke offenbart. Knab, die ihre Ausbildung an der Hanauer Zeichenakademie absolviert hat, ist Sammlerin, klaubt keramische Scherben ebenso auf wie andere für sie interessante Fundsachen, sie kauft Bestände an Miniaturfiguren aus alter Handwerkskunst auf, verwendet Verworfenes, Aussortiertes, und fügt es neu zusammen. Zu Ketten, zu Ansteckschmuck. Mit Motivteilen auf den kleinen, verarbeiteten Scherben, die der Fantasie Tür und Tor öffnen, wie Tasse, Kanne, Kachel oder anderes irgendwann mal in ihrer Gesamtheit ausgesehen haben mögen. Schmuck mit seinen Geheimnissen, der aber auch hohen ästhetischen Reiz hat, wenn diese im Verborgenen bleiben.

Die Ausstellung von Ulrike Knab und Annelies Planteijdt kann bis zum 29. Januar besucht werden, das Goldschmiedehaus ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Am 20. November, 11. Dezember und am 22. Januar 2017 bietet das Goldschmiedehaus jeweils um 15 Uhr Führungen durch die Ausstellung an.

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