Großauheimer Reggaeband setzt einen farbigen Akzent

Der „Schrein“ der Banjoorys

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Die Banjoory-Musiker Marcel Martini (links), Florian Hock und Daniel Martini (rechts) in ihrem „Schrein“, mit dem sie einen farbigen Akzent in der Großauheimer Hauptstraße setzen.

Großauheim - Den Stadtteil Großauheim „wachküssen“, das soll ein 20 Punkte umfassendes Stadtteilentwicklungskonzept, das von der Stadtverordnetenversammlung verabschiedet wurde. Von Dieter Kögel 

Damit soll der Stagnation im Stadtteil entgegengewirkt und wieder mehr Attraktivität in die „Perle am Main“ gebracht werden. Die Umsetzung des Entwicklungskonzepts lässt noch auf sich warten. Vor Ort indes bringen schon jetzt kreative Ideen Farbe und Leben in Hanaus größten Stadtteil. Eigentlich sorgt die Großauheimer Reggaeband Banjoory eher für musikalische Akzente und ist schwer gefragt. Am vergangenen Freitag lieferte sie bei der Hanauer Musikernacht in Wilhelmsbad eine grandiose Musikschau, einen Tag später rockten sie die Kerb in Großauheim, das Open Air in Karben und die Kerb in Wachenbuchen sind einige der nächsten Stationen im August. Doch seit zwei Monaten setzt die Band auch im Großauheimer Stadtbild farbige Akzente. In der Hauptstraße 19, wo nach dem Auszug eines Textilgeschäfts eigentlich triste Leere in der Vitrine geherrscht hätte, ziehen nun die fröhlichen „Merchandising“-Produkte der Band die Blicke der Passanten auf sich.

Dazu gehören Feuerzeuge mit dem Löwenkopf, dem Logo der Band, natürlich die beiden CDs, aber auch T-Shirts mit dem Banjoory Schriftzug oder dem Löwen, und Lampen, deren Lampenschirme in den Reggaefarben gestaltet sind und das stilisierte Löwengesicht tragen. Alles in Handarbeit hergestellte Unikate, sagt Sänger Daniel „Atze“ Martini, der das Schaufenster zusammen mit seinen Musikerkollegen schlicht den „Schrein“ nennt. Das Schaufenster sei für die Band eine Möglichkeit, um auf die Präsenz von Banjoory in Großauheim hinzuweisen und mit dem Querverweis auf www.banjoory.de auch die Adresse bekannt zu machen, unter der die Produkte zu haben sind, erklären die Musiker ihre Entscheidung, den „Schrein“ anzumieten.

Entstanden ist Banjoory Ende 2002. Aus dem lockeren Zusammenschluss des Freundeskreises wurde eine musikalisch verbindliche Gruppe. Und weil allesamt große Reggae-Fans waren und sind, lag es schließlich auch nahe, Reggaemusik zu machen. Der erste große öffentliche Test in der damaligen „Schweinehalle“ war vielversprechend. Der Reggaesound aus Großauheim kam sehr gut an, beim Song Contest während des Hanauer Bürgerfestes im Jahr 2004 sogar so gut, dass Jury und Publikum die Gruppe zum Sieger des Hoffnungsträgerwettbewerbes wählten. Das bescherte den Musikern die Möglichkeit, drei Tage lang in einem professionellen Tonstudio zu arbeiten. Banjoory nutzte die Möglichkeit, packte aus eigenen Mitteln noch etwas Geld drauf, machte so zwei Wochen aus den drei Tagen und die erste CD mit dem Titel „Chill‘N‘Jump“ war eingespielt und erschien 2006, 2013 folgte die zweite CD mit dem Titel „iREGGAEaular.“

Was nicht bedeutet, dass Banjoory zwischen den beiden CDs untätig gewesen wäre. Zahllose Auftritte legen sie alljährlich hin. Ihren Reggae haben sie auch mit Texten in hessischer Mundart angereichert, was bei Publikum super ankommt. Nicht nur in Kerbzelten, sondern auch auf Konzertbühnen und Festivals wie dem „Ruhr Reggae Sommer“ in Dortmund, wo die mittlerweile neun Großauheimer Musiker erst im Mai zu Gast waren.

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Es ist ein kleines Phänomen, dass Banjoory sowohl bei Festivals als auch im Bierzelt bestehen. „Das liegt einfach an der Art der Musik“, sagt Sänger Daniel „Atze“ Martini. Die sprühe vor Lebendigkeit und Lebenslust, und stecke einfach an. Wobei die in Musik gegossene Lebensfreude aber in eigenen Liedern auch gepaart sei mit der Thematisierung der „Scheiße,“ die in der Welt und vor der eigenen Haustür gerade passiere. Darauf fahren dann sogar zuweilen sogar Punk- und Metall-Fans ab. In ihrer Musik stecke eben ein Stück Magie, sagen die Bandmitlieder. Magie, die allerdings nicht funktionieren würde, wenn die Band nicht zu hundert Prozent hinter dem stehen würde, was sie mache. Aber das tun die Mitglieder von Banjoory allesamt. „Diese Musik ist eigentlich unser Leben,“ sagt Drummer Florian Hock.

Der Erlös des Verkaufs der Lampenschirme und Shirts, deren Textilien aus fairem Handel stammen, kommen übrigens wohltätigen Zwecken zugute. Und 1200 Euro aus dem Verkauf der jüngsten CD konnte Banjoory unlängst dem Großauheimer Weltladen überreichen, der das Geld für die Unterstützung von Flüchtlingen verwendete. Für die Musiker, die nun ihren ganz eigenen „Schrein“ im Herzen von Großauheim haben, ist solch soziales Engagement ganz selbstverständlich.

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