Schwester mit 15 Messerstichen getötet

Affäre, Sexvideos, verletzte Ehre: Staatsanwalt fordert lebenslänglich

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Hanau - Der 22-jährige Syrer, der am 7. Januar dieses Jahres in Hanau seine Schwester erstochen hat, soll lebenslang hinter Gitter. Das hat gestern Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Hanau gefordert und damit auf einen Totschlag in einem besonders schweren Fall plädiert. Von Andreas Ziegert 

Angesichts der gezielten Messerstiche, die der Angeklagte dem Opfer zugefügt habe, sprach Heinze von einer „brutalen Hinrichtung“, die Frau sei quasi abgeschlachtet worden wie ein Schaf. Der Behauptung des Angeklagten, die Tat im Affekt durchgeführt zu haben, glaubte er somit nicht, vielmehr geht die Tötung der 30-Jährigen wohl doch mehr in Richtung Ehrenmord. Möglicherweise gab es mehrere Gründe, warum die schwangere Frau, deren Ungeborenes die Messerattacke ebenfalls nicht überlebte, sterben musste. Angeblich wollte sich ihr Ehemann von ihr scheiden lassen, weil sie mit anderen Männern Beziehungen pflegte, zudem sollen 80 „Sexvideos“ existiert haben mit anzüglichen Aufnahmen der 30-Jährigen. Gesehen haben die weder Polizei noch Gericht, die Speicherkarte, die der Ehemann zur Verfügung stellte, war kaputt. Außerdem soll es schon vor zehn Jahren in Syrien Pläne gegeben haben, die Frau umzubringen, weil sie die Familienehre verletzt habe.

Mit 15 Messerstichen hatte der 22-jährige Angeklagte seine Schwester im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses in der Freigerichtstraße in Hanau getötet, nachdem es zuvor in der Wohnung zu einem Streit gekommen sein soll. Angeblich soll der Ehemann die Brüder aufgefordert haben, ihre Schwester mitzunehmen und damit gedroht haben, andernfalls die Sexvideos zu veröffentlichen. Während der tödlichen Stiche will der ebenfalls angeklagte 26-jährige Bruder ein Stockwerk tiefer mit dem Ehemann in ein Gerangel verwickelt gewesen sein und die Tat erst bemerkt haben, als seine Schwester schon blutüberströmt auf dem Boden lag.

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Schuldfähig: Schwangere Schwester getötet

Der 22-Jährige hatte ausgesagt, dass die 30-Jährige plötzlich laut nach ihrem Mann geschrien habe und ihm dadurch wieder Bilder von Bombardements in seinem Heimatland Syrien vor Augen gekommen seien. An die Messerstiche am späten Abend des 7. Januars will er sich nicht  mehr erinnern können. Eine Gutachter hatte in dem Prozess erklärt, dass die Schnitte mit dem Küchenmesser gezielt in Richtung Hals gegangen seien und eine Tat im Affekt ausgeschlossen. Dagegen spricht auch das Verhalten der beiden Männer nach der Tat, die mit einem Taxi in Richtung Trier flüchteten und dort von einem Spezialkommando der Polizei festgenommen wurden. Ein weiterer Sachverständiger stellte ihn dem Verfahren zudem die volle Schuldfähigkeit des Hauptangeklagten fest.

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Ob es ein Ehrenmord war, wird die 1. Große Strafkammer am 26. September um 14 Uhr im Hanauer Landgericht verkünden. Verteidiger Gordian Hablizel sah nach dem Geständnis seines Mandaten einen besonders schweren Fall des Totschlags nicht gegeben und plädierte auf eine Haftstraße von neuneinhalb Jahren. Für den 26-jährigen Angeklagten und Bruder des mutmaßlichen Haupttäters forderte Oberstaatsanwalt Heinze eine 14-monatige Bewährungsstrafe wegen Körperverletzung.

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