Spiel mit der Wahrheit: Geschichte des Mr. Scuddery

Dramateure bieten spannende Krimi-Unterhaltung

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Eine Taskforce aus den besten Detektiven macht sich in „Die Geschichte des Mr. Scuddery“ ans Werk, um eine Serie von Morden aufzuklären, die London in Angst und Schrecken versetzen.

Hanau - Auf der Grundlage der Novelle „Das Fräulein von Scuderi“ von E. T. A. Hoffmann hat die junge Hanauer Theatergruppe Dramateure ein Kriminalstück entwickelt, bei dem sich am Ende selbst die Wahrheit als relativ erweist. Von Dieter Kögel 

Die insgesamt 9. Produktion der Theatermacher, die ebenso unterhaltsam wie spannende daherkommt, hatte am Freitagabend im Saal des Jugend- und Kulturzentrums Hans-Böckler-Haus Premiere vor ausverkauftem Haus. Die Ensemblemitglieder Jonas Milke und Carolin Senft haben die Originalgeschichte, die als Wegbereiter für Kriminalgeschichten gilt, bearbeitet und die Handlung von Paris nach London verlegt. Die nebligen Londoner Nächte eignen sich ja auch hervorragend als Kulisse für Serienmorde, die die Stadt in Angst und Schrecken halten.

„Die Geschichte des Mr. Scuddery,“ so der Titel der Adaption, feiert zu Beginn die Neuerscheinung eines Kriminalromans des Autors Mr. Scuddery. In seinem Salon treffen sich Lords, die feinen Damen der Gesellschaft und Inspector Mallory, um auf das neue Werk anzustoßen. Als die Feier vorüber ist, liefert dann allerdings eine vermummte Gestalt ein Kästchen ab. Das enthält ein wertvolles Schmuckstück aus der Goldschmiedewerkstatt von Aurelie Cardillac.

Das Verzwickte an der Geschichte: Alle in den vorherigen Nächten gemeuchelten Wohlhabenden Londons wurde ein solches Kästchen mit einzigartigen Schmuckstücken, gedacht als Liebesbeweis für die auserwählten Damen, gestohlen. Inspector Mallory steht vor einem Rätsel. Das allerdings löst sich auch nicht dadurch, dass er eine Taskforce aus den besten Detektiven zusammenstellt. Der Disput zwischen Miss Marple, Hercule Poirot, Sherlock Holmes, den Drei Fragezeichen und Inspector Columbo, entwickelt sich zum großen Streit über die effektivsten Ermittlungstechniken. Keine große Hilfe für Mallory, der mit seinem Constable in der Pause die Zuschauer beim Pausengetränk befragt und verhört.

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Geschickt wechseln die Dramateure in ihrer Inszenierung die Schauplätze, führen nach Umbauten mit wenigen Handgriffen vom Salon des Krimiautors in die Goldschmiedewerkstatt von Aurelie Cardillac, in den Taubenschlag des Lords, in das Büro von Scotland Yard oder auf die in unheimliches Zwielicht getauchten Straßen Londons, in denen schließlich auch die Goldschmiedin den Tod findet. Über sie gebeugt: ihr Geselle Oliver, eindeutig der Täter. Oder doch nicht? Langsam nähert sich die Inszenierung dem tatsächlichen Sachverhalt, der überrascht. Doch auch diese Wahrheit wird gebogen. Aber, „es muss wahr sein, wenn die Leute es glauben“, resümiert Krimiautor Scuddery.

„Die Geschichte des Mr. Scuddery“ ist am Freitag, 4. November, 19.30 Uhr, noch einmal in der Hohen Landesschule am Alten Rückinger Weg zu sehen, am Freitag, 2. Dezember, gastieren die Dramateure mit ihrem Krimi noch einmal im Jugendbildungs- und Kulturzentrum Hans-Böckler-Haus am Sandeldamm, Beginn ebenfalls um 19.30 Uhr.

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